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25. September: Zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung

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Vom 10. September bis zum 10. Oktober liegt ein Zeitraum, der wie kaum ein anderer dazu zwingt, über Leben, Leiden, Selbstbestimmung und Sterben zu sprechen. Am 10. September steht mit dem Welttag der Suizidprävention die Frage im Mittelpunkt, wie wir Menschen in akuten Krisen erreichen, auffangen und schützen können. Einen Monat später, am 10. Oktober , rückt der Welttag der seelischen Gesundheit die psychische Gesundheit ins Zentrum. Flankiert wird dieser Zeitraum vom Welthospiztag , vier Tage später, der den Blick auf die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen richtet. Doch zwischen diesen Tagen klafft eine gesellschaftliche Lücke. Und vielleicht ist genau diese Lücke der Ort, an dem wir endlich miteinander sprechen müssen. Der 25. September – die ungefähre Mitte dieses Zeitraums könnte für eine Debatte stehen, der wir uns bislang nur unzureichend stellen: Wo endet Suizidprävention und wo beginnt das Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Kein Gegensatz, sondern ein Spannu...

Arnaud Denis – Selbstverantwortlicher Freitod in Belgien

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Der französische Schauspieler, Autor und Regisseur Arnaud Denis ist am 22. September 2026 in Belgien durch aktive Sterbehilfe gestorben. Er wurde 43 Jahre alt. Sein Tod ist für mich nicht einfach eine weitere Nachricht über einen Menschen, der nicht mehr leben wollte. Denn bei Arnaud Denis lässt sich sehr deutlich erkennen, was ich unter einem selbstverantwortlichen, wohlüberlegten Freitod verstehe. Denis war ein erfolgreicher Theatermensch, dreimal für den französischen Theaterpreis Molière nominiert. Dann veränderte sich sein Leben durch eine schwere Erkrankung grundlegend. Er verlor zunehmend seine Selbstständigkeit, konnte seine Arbeit nicht mehr ausüben und war schließlich auf umfassende Hilfe angewiesen. Seine Entscheidung zu sterben entstand dabei offenbar nicht aus einer akuten Krise heraus. Bereits Monate vor seinem Tod hatte er sie getroffen. Im März 2026 sagte er aus einem belgischen Krankenhaus: „Ich habe wirklich alles versucht.“ Er habe lange gehofft, dass sich sein ...

Q&A - Orientierung im Dschungel der Fachkräfte: Wer hilft bei psychischen Belastungen

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Bei der Suche nach Unterstützung bei psychischen Problemen oder in Krisenzeiten taucht schnell eine Vielzahl von Fachbegriffen auf: Psycholog in, Psychotherapeut* in, Psychiater *in, Neurolog* in, Heilpraktiker *in... Aus der Perspektive der psychische Gesundheit ( Mental Health First Aid / MHFA, PSNV, und meiner Sterbehilfe-Beratung und -Unterstützung ) stellt sich in Orientierungsgesprächen oft als Erstes die Frage: Wer hat welchen Ausbildungshintergrund? Wer darf diagnostizieren, behandeln, Medikamente verschreiben oder Gutachten erstellen? Dieser Beitrag ist Teil meiner  Q&A Reihe Diese Zusammenstellung soll eine strukturierte Übersicht zur Orientierung. 1. Psycholog*in Ausbildung:  Mindestens fünf Jahre Universitätsstudium der Psychologie (Master- oder Diplomabschluss). Tätigkeitsfeld:  Erforschung des menschlichen Erlebens und Verhaltens sowie Arbeit in Bereichen wie ... Coaching, Wirtschaftspsychologie, Beratung oder Wissenschaft. Wichtig zu wissen:  Ein a...

Notfall-Palliativversorgung: Wenn Rettung nicht immer Transport bedeuten muss

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Ich denke, dass Notfall-Palliativversorgung Schule machen sollte.Vor einigen Wochen hatte ich ein Vorgespräch zu einem Vortrag mit dem leitenden Arzt des Zentrums für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Wir sprachen dabei auch über Notfall-Palliativversorgung. Ich habe mich sehr über das gefreut, was er mir dazu erzählt hat. Denn damit lief er bei mir offene Türen ein. Wenn im Notfall die Nummer 112 gewählt wird, zählt jede Sekunde. Es geht um schnelle Hilfe und ein starkes Team – ob wir vom Rettungsdienst mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Rettungsdienst oder aus den Krankenhäusern zusammenarbeiten oder mit Feuerwehr und Polizei. Mit meinen inzwischen doch einigen Jahren Erfahrung im Rettungsdienst ist mir dabei eines immer wichtiger geworden: der ganzheitliche Blick auf den Menschen. Nicht nur auf seine Vitalwerte und die akute Erkrankung, sondern auch auf Lebensqualität, Würde und den Willen der Patientinnen und Patienten. Und das betrifft nicht nur die Betroffene...

4 Begriffe die mir wichtig sind. Suizidalität, Absprachefähigkeit, Einwilligungsfähigkeit, Freiverantwortlichkeit

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Vier Begriffe, über die wir sprechen sollten. Über diese vier Begriffe, in der Headline, stolpere ich in Gesprächen immer wieder – auch im Austausch mit Ärztinnen, Psychologinnen und anderen Expert*innen. Oft werden sie ähnlich verwendet oder miteinander vermischt. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Fragen und unterschiedliche Ebenen. Deshalb möchte ich sie hier einmal in einfachen Worten aus meiner Sicht gegenüberstellen. Als Versuch, etwas mehr Klarheit in eine Diskussion zu bringen, die gerade beim Wunsch nach Sterbehilfe oder bei Gesprächen zum Suizid schnell sehr komplex wird. Denn hinter einem Satz wie „Ich möchte sterben“ können sehr unterschiedliche Situationen stehen. Auch deshalb möchte ich zunächst die vier Begriffe auf vier einfache Fragen herunterbrechen: Suizidalität   –  Was erlebt die Person? Wie stark und wie akut ist der Wunsch bzw. die Gefahr des Sterbegedanken? Absprachefähigkeit   –  Wie sicher ist die aktuelle Situation? Kann die Person ak...

September: Hinschauen, zuhören, ansprechen – bevor aus dunklen Gedanken eine Krise wird

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Der September steht vielerorts im Zeichen der Suizidprävention und der psychischen Gesundheit . Ein besonderer Ankerpunkt ist dabei der Welttag der Suizidprävention am 10. September . Das internationale Motto für 2024 bis 2026 lautet „Changing the Narrative on Suicide“ – die Wahrnehmung über Suizid verändern,  den Umgang mit Suizid, die Art, wie wir über Suizid sprechen, verändern. Dazu gehört vor allem eines meiner Ansicht nach: darüber sprechen und miteinander sprechen. Und genau darum geht es für mich in diesem Monat. Ich schreibe seit vielen Jahren über Freitod, Freitodbegleitung, Selbstbestimmung und das Recht eines Menschen, über sein eigenes Lebensende nachzudenken. Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig: Suizidprävention darf nie bedeuten, einen freiverantwortlichen und über lange Zeit wohlüberlegten Freitod zu blockieren, zu erschweren oder grundsätzlich verhindern zu wollen. Wenn ich in meinem Blog von einem Freitod spreche, meine ich eine dauerhafte, infor...

Freiheit braucht auch Orientierung

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Ich habe den Beitrag von Werner H. Ritter gelesen, in dem er sechs Jahre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 auf die Situation des selbstbestimmten Sterbens und insbesondere auf die Haltung der Kirchen zurückblickt. Ich stimme Ritter in sehr vielen Punkten zu – teilweise uneingeschränkt. Besonders seinem Plädoyer für Selbstbestimmung, Menschenwürde und Freiheit kann ich mich anschließen. Zum vollständigen Artikel von Werner H. Ritter  auf schoepfblog.at Ritter ist Theologe und schreibt bewusst aus seiner evangelisch-kritischen Perspektive. Seine Kritik an der Haltung der Kirchen ist deutlich. Auch ich frage mich, ob die Kirchen die Chance genutzt haben, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts einen offenen und differenzierten gesellschaftlichen Dialog zu fördern – oder ob zu sehr der eigene Standpunkt verteidigt wurde. Bei einem Punkt würde ich allerdings etwas anders formulieren: Ob tatsächlich eine „historische Chance“ verspielt wurde, weiß ...