Posts

Notfall-Palliativversorgung: Wenn Rettung nicht immer Transport bedeuten muss

Image
Ich denke, dass Notfall-Palliativversorgung Schule machen sollte.Vor einigen Wochen hatte ich ein Vorgespräch zu einem Vortrag mit dem leitenden Arzt des Zentrums für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Wir sprachen dabei auch über Notfall-Palliativversorgung. Ich habe mich sehr über das gefreut, was er mir dazu erzählt hat. Denn damit lief er bei mir offene Türen ein. Wenn im Notfall die Nummer 112 gewählt wird, zählt jede Sekunde. Es geht um schnelle Hilfe und ein starkes Team – ob wir vom Rettungsdienst mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Rettungsdienst oder aus den Krankenhäusern zusammenarbeiten oder mit Feuerwehr und Polizei. Mit meinen inzwischen doch einigen Jahren Erfahrung im Rettungsdienst ist mir dabei eines immer wichtiger geworden: der ganzheitliche Blick auf den Menschen. Nicht nur auf seine Vitalwerte und die akute Erkrankung, sondern auch auf Lebensqualität, Würde und den Willen der Patientinnen und Patienten. Und das betrifft nicht nur die Betroffene...

4 Begriffe die mir wichtig sind. Suizidalität, Absprachefähigkeit, Einwilligungsfähigkeit, Freiverantwortlichkeit

Image
Vier Begriffe, über die wir sprechen sollten. Über diese vier Begriffe, in der Headline, stolpere ich in Gesprächen immer wieder – auch im Austausch mit Ärztinnen, Psychologinnen und anderen Expert*innen. Oft werden sie ähnlich verwendet oder miteinander vermischt. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Fragen und unterschiedliche Ebenen. Deshalb möchte ich sie hier einmal in einfachen Worten aus meiner Sicht gegenüberstellen. Als Versuch, etwas mehr Klarheit in eine Diskussion zu bringen, die gerade beim Wunsch nach Sterbehilfe oder bei Gesprächen zum Suizid schnell sehr komplex wird. Denn hinter einem Satz wie „Ich möchte sterben“ können sehr unterschiedliche Situationen stehen. Auch deshalb möchte ich zunächst die vier Begriffe auf vier einfache Fragen herunterbrechen: Suizidalität   –  Was erlebt die Person? Wie stark und wie akut ist der Wunsch bzw. die Gefahr des Sterbegedanken? Absprachefähigkeit   –  Wie sicher ist die aktuelle Situation? Kann die Person ak...

September: Hinschauen, zuhören, ansprechen – bevor aus dunklen Gedanken eine Krise wird

Image
Der September steht vielerorts im Zeichen der Suizidprävention und der psychischen Gesundheit . Ein besonderer Ankerpunkt ist dabei der Welttag der Suizidprävention am 10. September . Das internationale Motto für 2024 bis 2026 lautet „Changing the Narrative on Suicide“ – die Wahrnehmung über Suizid verändern,  den Umgang mit Suizid, die Art, wie wir über Suizid sprechen, verändern. Dazu gehört vor allem eines meiner Ansicht nach: darüber sprechen und miteinander sprechen. Und genau darum geht es für mich in diesem Monat. Ich schreibe seit vielen Jahren über Freitod, Freitodbegleitung, Selbstbestimmung und das Recht eines Menschen, über sein eigenes Lebensende nachzudenken. Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig: Suizidprävention darf nie bedeuten, einen freiverantwortlichen und über lange Zeit wohlüberlegten Freitod zu blockieren, zu erschweren oder grundsätzlich verhindern zu wollen. Wenn ich in meinem Blog von einem Freitod spreche, meine ich eine dauerhafte, infor...

Freiheit braucht auch Orientierung

Image
Ich habe den Beitrag von Werner H. Ritter gelesen, in dem er sechs Jahre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 auf die Situation des selbstbestimmten Sterbens und insbesondere auf die Haltung der Kirchen zurückblickt. Ich stimme Ritter in sehr vielen Punkten zu – teilweise uneingeschränkt. Besonders seinem Plädoyer für Selbstbestimmung, Menschenwürde und Freiheit kann ich mich anschließen. Zum vollständigen Artikel von Werner H. Ritter  auf schoepfblog.at Ritter ist Theologe und schreibt bewusst aus seiner evangelisch-kritischen Perspektive. Seine Kritik an der Haltung der Kirchen ist deutlich. Auch ich frage mich, ob die Kirchen die Chance genutzt haben, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts einen offenen und differenzierten gesellschaftlichen Dialog zu fördern – oder ob zu sehr der eigene Standpunkt verteidigt wurde. Bei einem Punkt würde ich allerdings etwas anders formulieren: Ob tatsächlich eine „historische Chance“ verspielt wurde, weiß ...

Loneliness Among Children and Adolescents: A Quiet Problem We Need to Take Seriously

Image
We often think of loneliness as an adult problem. We talk about older people who are socially isolated, about people living alone, and about the growing difficulty of maintaining meaningful relationships in an increasingly connected world. And this true and important  – But loneliness can begin much earlier.  And the numbers are difficult to ignore. A recent analysis by Germany’s Competence Network Loneliness (Kompetenznetz Einsamkeit  KNE ) found that around 11.8% of school students in Germany are classified as lonely . That means roughly one in eight children and adolescents . Girls are affected almost twice as often as boys: 14.8% of girls compared with 7.4% of boys . Age also appears to matter. In Germany, loneliness rises during the school years – from 7.7% in fifth grade to 12.6% in seventh grade and 14.4% in ninth grade . So what happens as children grow older? And what role does the environment around them play? By the way ...  A few days ago, I also pu...

Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen – Prävention beginnt früher

Image
Am 10. September ist der Welttag der Suizidprävention . Ein Tag, an dem weltweit darauf aufmerksam gemacht wird, wie wichtig es ist, Krisen früh wahrzunehmen und Suizide zu verhindern. Das mag auf den ersten Blick weit entfernt sein von einem Thema wie Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen. Ich glaube allerdings, dass wir genau diese Verbindung früher betrachten sollten. Denn Prävention beginnt nicht erst in der akuten Krise. Sie beginnt möglicherweise viel früher: bei der Frage, ob ein Kind sich zugehörig fühlt, ob es Menschen hat, mit denen es sprechen kann, ob es in seiner Klasse einen Platz findet und ob jemand bemerkt, wenn es sich zunehmend zurückzieht. Genau deshalb möchte ich den Blick auf ein Thema richten, das lange unterschätzt wurde: Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen. Im Januar 2026 hat das Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) eine neue Expertise veröffentlicht, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Die Ergebnisse beziehen sich auf Deutschland und zeigen deutlich: Einsa...

Suizidprävention darf Selbstbestimmung nicht aus dem Blick verlieren

Image
Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Suizidprävention von Ende Juni 2026 verfolgt zunächst ein Ziel, das kaum jemand grundsätzlich infrage stellen dürfte: Menschen in psychischen Krisen sollen besser erreicht, Hilfsangebote ausgebaut und miteinander vernetzt und Unterstützung leichter zugänglich werden. Das ist richtig und wichtig. Trotzdem habe ich bei diesem Gesetzentwurf ein erhebliches Unbehagen. Denn Suizidprävention darf nicht bedeuten, jeden Wunsch zu sterben – unabhängig von seinen Ursachen und seiner Entstehung – grundsätzlich als zu verhindernden Suizid zu betrachten. Genau diese Differenzierung vermisse ich. Zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Suizidprävention Suizid ist nicht gleich Freitod   Ich verwende die Begriffe bewusst nicht synonym. Wenn ich von  Suizid  spreche, meine ich insbesondere eine Selbsttötung, die im Zusammenhang mit einer akuten psychischen Krise, Verzweiflung, fehlender Perspektiv...