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Gedanken zum Gespräch mit Gian Domenico Borasio in der SRF Sternstunde Philosophie

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Es gibt Gespräche, die nicht mit spektakulären Thesen überzeugen, sondern durch ihre Ruhe, ihre Sachlichkeit und ihre Menschlichkeit. Das Interview mit Gian Domenico Borasio gehört für mich dazu. Besonders berührt hat mich ein Gedanke, der bereits am Anfang seines Buches Über das Sterben steht: Geburt und Tod sind keine Gegensätze, sondern zwei natürliche Übergänge. Für beide hat die Natur ihre eigenen Prozesse vorgesehen. Diesen Gedanken habe ich schon vor Jahren ähnlich formuliert – das Sterben als eine Art Geburt in die andere Richtung . Umso mehr hat mich gefreut, diese Sichtweise bei einem der bedeutendsten Palliativmediziner unserer Zeit wiederzufinden. Borasio gelingt es, über Sterben und Tod weder pathetisch noch belehrend zu sprechen. Er beschreibt die medizinischen, gesellschaftlichen und menschlichen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft klar und nachvollziehbar. Besonders wichtig erscheint mir seine Mahnung, dass ein auf Effizienz ausgerichtetes Gesundheitssystem ...

Wenn das Helfen an seine Grenzen kommt

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In den vergangenen Tagen wurde in mehreren Regionen Deutschlands aufgrund der anhaltenden Hitzewelle eine Außergewöhnliche Einsatzlage (AEL) ausgerufen. Ehrenamtliche der Hilfsorganisationen unterstützten Krankenhäuser, Rettungsdienste und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. Mir sind entsprechende Lagen unter anderem aus Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen bekannt. Solche Meldungen verschwinden oft schnell wieder aus den Nachrichten. Für viele sind sie kaum mehr als eine Randnotiz. Mich machen sie nachdenklich. Nicht, weil außergewöhnliche Einsatzlagen etwas Neues wären. Sondern weil sie immer häufiger sichtbar machen, was viele Menschen im Gesundheitswesen schon lange erleben: Unsere Systeme funktionieren – aber oft nur noch, weil Menschen weit über das hinausgehen, was eigentlich dauerhaft leistbar ist. Seit meinem 15. Lebensjahr engagiere ich mich im Ehrenamt. Vor rund vierzig Jahren war ich hauptamtlich als Rettungssanitäter tätig. Heute bin ich weiterhin als...

Tipps für das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten (update zu 2023)

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In den vergangenen Artikeln habe ich beschrieben, warum Freiverantwortlichkeit nicht erst mit einem Gutachten beginnt, sondern das Ergebnis eines über längere Zeit dokumentierten Entscheidungsprozesses ist. Durch den Kommentar einer Leserin wurde ich daran erinnert, dass ich bisher einen wichtigen Aspekt noch nicht aufgegriffen habe: Wie beginnt man überhaupt ein solches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt? Wie spricht man das Thema an, ohne Missverständnisse entstehen zu lassen? Das tat ich aber vor etwa 3 Jahren in einem eigenständigen Artikel ( Tipps für das Gespräch mit Ärztinnen oder Ärzte ) den ich heute ergänzen und durch drei Jahre Erfahrung anders schreiben würde und werde. Gerade das erste Gespräch ist oft wichtiger, als viele denken. Es kann den Grundstein für eine vertrauensvolle ärztliche Begleitung legen – oder zeigen, dass diese Ärztin oder dieser Arzt nicht der richtige Ansprechpartner für dieses Thema ist. Wie so oft im Leben prägt der erste Eindruck den weiteren...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 4 - Von der Dokumentation zur Rechtssicherheit – warum frühzeitige Gespräche alle Beteiligten schützen

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Je intensiver ich mich mit dem Thema Sterbehilfe und damit immer mit der Freiverantwortlichkeit beschäftige, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass wir häufig erst dann beginnen, über Sterben und Sterbehilfe zu sprechen, über die Feststellung der Freiverantwortlichkeit  nachzudenken, wenn eine Entscheidung bereits unmittelbar bevorsteht. Ich sehe dies in der Begleitung und Information rund um die Sterbehilfe die ich in Einrichtungen mache, bei meinen Blaulichtkollegen und auch bei meinen Beratungen von Arztpraxen.  Eigentlich müsste genau das Gegenteil der Fall sein. Freiverantwortlichkeit entsteht nicht an einem Tag Ein Sterbewunsch entwickelt sich in den seltensten Fällen von heute auf morgen. Weil wenn dies der Fall ist sind wir in aller Regel im Bereich der Suizidalität. Freitodwünsche entstehen über Monate oder eher meist über Jahre – bei meiner Frau waren es über 10 fast 11 Jahre. In dieser Zeit sprechen viele Betroffene mit ihrem Hausarzt, mit behandelnden ...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 3 - Wie prüfen Ärztinnen und Ärzte die Freiverantwortlichkeit?

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Nachdem ich in den beiden vorhergehenden Beiträgen erläutert habe, warum Freiverantwortlichkeit bereits lange vor einem möglichen Gutachten entsteht und worin sich eine ärztliche Bescheinigung von einem Gutachten unterscheidet, möchte ich nun die eigentliche Frage beantworten. Wie wird Freiverantwortlichkeit in der Praxis überhaupt geprüft? Viele Menschen stellen sich darunter ein einzelnes Gespräch oder einen kurzen psychiatrischen Test vor. Tatsächlich ist eine sorgfältige Prüfung deutlich umfangreicher, was meine Leser des zweiten Artikel sicherlich bereits erahnt haben. Sie besteht in der Regel aus mehreren Gesprächen, wenn mir auch einige Fälle die alle den Freitodweg gegangen sind die nur ein oder zwei Gespräche hatten, medizinischen Einschätzungen und einer nachvollziehbaren Dokumentation. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Nicht die Entscheidung eines Menschen zu bewerten, hier besteht bei den meisten Sterbewilligen ein Missverständnis, sondern festzustellen, ob diese Entscheid...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 2 - Bescheinigung oder Gutachten? Was ist der Unterschied – und wann ist was sinnvoll?

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Nachdem ich im ersten Beitrag erläutert habe, warum Freiverantwortlichkeit nicht erst am Tag einer Begutachtung entsteht, sondern idealerweise über einen längeren Zeitraum ärztlich begleitet und dokumentiert wird, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage: Braucht es am Ende immer ein psychiatrisches Gutachten – oder kann auch eine ärztliche Bescheinigung ausreichen? Diese Frage beschäftigt viele Betroffene ebenso wie Ärztinnen und Ärzte. Die Antwort ist jedoch weniger einfach, als häufig angenommen wird. Das Ziel ist bei beiden identisch Ob Gutachten oder Bescheinigung – beide verfolgen letztlich denselben Zweck: Sie sollen nachvollziehbar dokumentieren, dass eine Person ihre Entscheidung frei, ernsthaft, informiert und eigenverantwortlich getroffen hat. Geprüft werden dabei dieselben wesentlichen Kriterien: Einsichts- und Urteilsfähigkeit, Freiheit von äußerem Druck, Dauerhaftigkeit und Stabilität des Sterbewunsches, informierte Entscheidung nach umfassender Aufklärung. Der Untersc...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 1 - Freiverantwortlichkeit beginnt nicht erst mit einem Gutachten

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Freiverantwortlichkeit beginnt nicht erst mit einem Gutachten Wenn darüber diskutiert wird, ob für eine Freitodbegleitung zwingend ein psychiatrisches Gutachten erforderlich ist. Dabei wird häufig die falsche Frage gestellt. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob am Ende ein Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. Entscheidend ist vielmehr, ob die Freiverantwortlichkeit eines Menschen sorgfältig, nachvollziehbar und über einen angemessenen Zeitraum dokumentiert werden konnte oder kann. Freiverantwortlichkeit entsteht nicht an dem Tag, an dem ein Gutachter den Patienten zum ersten Mal sieht. Sie zeigt sich häufig bereits lange zuvor – in vielen Gesprächen mit Hausärzten, behandelnden Fachärzten, Psychologen oder anderen Personen bei denen man in Behandlung ist. Wer frühzeitig offen über Gedanken und Wünsche spricht, über was einen selbst Leben lebenswert macht, und dann in diesem Zug und Zusammenhang ausspricht, diskutiert was dies alles nicht ist, und was die eigene Wer...