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Showing posts with the label Gerichtsfall

Zwischen Würde und Freiverantwortlichkeit – Gedanken zum BGH-Urteil im Fall Turowski

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Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen den Arzt Christoph Turowski bestätigt. Drei Jahre Haft wegen Totschlags in mittelbarer Täterschaft . Die FAZ beschreibt den Fall nüchtern und klar: Eine junge Frau, schwer depressiv, ein Arzt, der sich nach einem Gespräch zur Sterbehilfe bereit erklärt, eine tödliche Infusion – und am Ende die Feststellung der Gerichte, dass hier nicht von selbstbestimmtem Sterben gesprochen werden kann. Die   FAZ   zeigt sehr deutlich, worum es den Richtern ging: Nicht um eine Grundsatzabrechnung mit dem Recht auf Sterbehilfe – dieses Recht besteht seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020. Sondern um die Frage, wer in diesem Moment tatsächlich die Kontrolle hatte . Das Gericht kamen zu dem Schluss: Dass es in diesem Fall nicht die Frau, sondern der Arzt war. Die Analyse der Rechtsdepesche bringt dafür den entscheidenden Begriff ins Spiel: Freiverantwortlichkeit . Ein Sterbewunsch ist nur dann rechtlich geschützt, wenn er dauerhaf...

Dr. Johann Spittler erneut wegen Totschlags vor Gericht - Jan 2025

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Dr. Johann Spittler wird erneut, in Essen, wegen Totschlags vor Gericht stehen. Das Verfahren wird wieder großes öffentliches Interesse wecken, da es sich um einen prominenter Fall handelt, der bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Details des aktuellen Falls sind noch nicht vollständig bekannt, das Gericht wird neue Beweise und Zeugenaussagen prüfen. Was ist im Fall Dr. Spittler bekannt? Im Jahr 2023 soll Dr. Spittler einem schwerkranken Mann eine tödliche Infusion zur Verfügung gestellt haben. Der Patient hat sich das Mittel, wie es die assistierte Sterbehilfe vorsieht, selbst verabreicht und ist daraufhin gestorben. Die Staatsanwaltschaft wirft Dr. Spittler jedoch aktive Sterbehilfe vor. Die Anklage geht davon aus, dass der Patient aufgrund einer schweren Depression nicht frei über seinen Sterbewunsch entscheiden konnte. Eine Aussage des Pressesprechers des Landgerichts Essen "Der Geschädigte soll psychisch erkrankt gewesen sein und in der Situation der...

Sterbehilfe bei psychisch kranker Studentin - Berlin 2024

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Mit Dr. Turowski (74) muss sich ein weiterer Arzt vor Gericht verantworten. Dr. Turowski überließ einer jungen Frau tödliche Medikamente. Die Studentin litt seit Jahren an schweren Depressionen. Sie nahm sich das Leben. Nun muss sich der Arzt vor dem großen Landgericht Berlin / Schwurgerichtssaal 500 des Berliner Kriminalgerichts verantworten.  Seit dem 20. Februar steht nun Dr. Turowski in Berlin vor Gericht. Ich schreibe oben 'weiterer Arzt' da ja erst kürzlich ein erstes Urteil im Fall von Dr. Spittler in NRW gesprochen wurde. (Siehe: Arzt leistete einem psychisch kranken Mann Sterbehilfe - Totschlag in „minderschweren Fall“ ). Es geht es nun auch in Berlin um eine Anklage wegen Totschlags. Turowski war jahrelang für eine Sterbehilfeorganisation tätig mit dort strengsten Vorsichtsmaßnahmen der DGHS. In der Anklageschrift steht dazu: „Der Angeschuldigte entschied sich bewusst dafür, die von der DGHS aufgestellten Standards zum assistierten Suizid nicht einzuhalten“, damit er...

Arzt leistete einem psychisch kranken Mann Sterbehilfe - Totschlag in „minderschweren Fall“

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Eines vorweg - es ist nur 'Ein Urteil' - ein Urteil eines Essener Schwurgericht, des Landgericht Essen. Es ist ein Urteil was aufzeigt wie gut man seinen Freitod vorbereiten, besprechen, dokumentieren muss um nicht Helfer*innen in Not oder gar in strafrechtliche oder berufsrechtliche Konflikte zu bringen. Das Bild kreierte ich mit dem Gedanken an die römische Juristenweisheit „Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand“, für mich symbolisiert diese juristische Zitat, die scheinbare Hilflosigkeit im Umgang mit Recht und Gesetz. Der Satz erinnert, wie in diesem Gerichtsverfahren an die menschliche Einflusslosigkeit und dass die See ohne Menschlichkeit und Gnade ist. Die Unwägbarkeiten einer juristischen Auseinandersetzung sind gerade in diesem Fall damit sprichwörtlich geworden. Zum Gerichtsurteil ... Das Gericht kam zu dem Schluss, dass es sich bei der Sterbehilfe um einen Totschlag in mittelbarer Täterschaft, Totschlag in einem minderschweren Fall (§§ 212, 213...

Assistierter Sterbehilfe bei Depressionen ... ein Rechtsfall

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Ein Fall von Sterbehilfe, den es zu diskutieren gilt und dem Beachtung gehört.  Mitte 2021 hatte ein Berliner Hausarzt, im Ruhestand, einer Sterbewilligen zunächst ein tödlich wirkende Tabletten zur Verfügung gestellt. Wie so oft bei oral einzunehmenden Medikamenten kam es dabei zu Problematiken und Erbrechen, und ein würdiges Sterben war nicht erfolgreich. Wenige Wochen später konnte die Sterbewillige, durch eine Infusion, ihren Wunsch zu sterben, erfüllen. Da die Sterbewillige unter einer Depressionen gelitten hat, hat die die Staatsanwaltschaft Berlin den Hausarzt wegen der Unterstützung der Selbsttötung angeklagt.  Einen umfangreichen und gut lesbaren Artikel dazu ist in der TAZ zu finden. Es könnte ein Präzedenzfall werden und darum erwähne ich diesen in meinem Blog hier und werde ihn verfolgen. taz artikel - Wie frei entscheiden psychisch Kranke? - vom 21. 5. 2023 Es gibt O-Töne des Arztes in einem etwa 8 minütigem  Interview "Suizidhilfe oder Tötung – Ein Berl...