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Psychisch erkrankte Menschen mit freiverantwortlichem Sterbewunsch - Ein schwieriger Grenzbereich

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Dies ist ein weiterer Artikel zu psychisch erkrankte Menschen mit freiverantwortlichem Sterbewunsch -    Es ist und wird immer ein schwieriger Grenzweg und Grenzbereich sein. Ein Aspekt, der besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der Umgang mit freiverantwortlichen Sterbewünschen bei psychisch erkrankten Menschen. Hier ist vor allem eines gefragt, was immer unbeschreiblich wichtig ist, aber noch um einiges mehr: Zuhören – und zwar genau, sorgfältig und empathisch. Besonders herausfordernd wird es, wenn Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen – etwa chronischen Depressionen, bipolaren Störungen oder komplexen Traumafolgestörungen – über einen längeren Zeitraum hinweg den Wunsch äußern, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden. Nicht aus einem impulsiven Moment oder einer akuten Krise heraus, sondern als stabiler, reflektierter Entschluss, dem oft viele Jahre des Leidens und zahlreiche erfolglose Behandlungsversuche vorausgegangen sind. Hier verschwimmen die Grenzen: Wann ...

„Ich habe beschlossen zu sterben“ – Joseph Awuah-Darko und die Debatte um Sterbehilfe bei psychischen Leiden

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Ich schreibe diesen Artikel heute  – nur wenige Tage nach dem ursprünglich angekündigten Sterbedatum des britisch-ghanaischen Künstlers Joseph Awuah-Darko . Der 30. Juli sollte für ihn der Tag des freiwillig gewählten Todes sein. Er plante, in den Niederlanden mithilfe der dort legalen aktiven Sterbehilfe aus dem Leben zu scheiden – wegen einer therapieresistenten bipolaren Störung. Doch dieser Tag kam – und verging – ohne den angekündigten Abschied. Was bleibt, ist ein Projekt, das weltweit für Aufmerksamkeit, Berührung und auch Kontroverse sorgte: das „ Last Supper Project “ – eine dokumentierte Dinner-Tour durch die Wohnzimmer und Küchen fremder Menschen, die ihn zu einem letzten gemeinsamen Essen einluden. Was als Sterbebegleitung gedacht war, wurde zur Lebensreise. Zwischen Kunst, Krise und Kontroverse Awuah-Darko kündigte seinen Sterbewunsch nicht still oder im Privaten an, sondern öffentlich – über Instagram . In wenigen Wochen wurde er zur viralen Figur. Tausende Menschen ...

Freiverantwortlichkeit und assistierte Sterbehilfe psychisch Erkrankter: Für eine humane und sensible Begleitung

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Diese Gedanken beziehen sich insbesondere auf die aktuellsten Diskussionen und blicken zurück auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 und die darin benannten Kriterien zur Freiverantwortlichkeit in der Entscheidung zum Freitod sowie auf die Verfahren gegen die beiden Ärzte Dr. Spittler und Dr. Turowski . Ich möchte heute eingehen auf ... die Komplexität der Freiverantwortlichkeit Freiverantwortlichkeit bei psychisch Kranken Gesellschaftliche und soziale Aspekte Perspektivwechsel und Lösungsansätze Ich habe kein Studium eines psychologischen Fachgebiets absolviert, aber ich bemühe mich, mich in meiner Arbeit in und um die mentale Gesundheit bestmöglich weiterzubilden. Besonders intensiv beschäftige ich mich mit Themen wie Depression, Zwangserkrankung, generalisierter Angststörung, sozialer Phobie, bipolaren Störungen und Suizidgedanken. Ich mache mir viele Gedanken zu den zentralen Aspekten der Freiverantwortlichkeit und der Begleitung psychisch kranker Menschen i...

Freiverantwortlichkeit und Sterbewunsch bei Depressionen

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Sterbehilfe bei Menschen mit psychischen Erkrankungen sind und müssen möglich sein.  Ich sehe die individuelle und persönliche Urteilsfähigkeit eines jeden Menschen als die Richtschnur  gepaart mit einer autonomen, dauerhaften und wohlerwogenen Wunsch und Wünschen für ein Leben, dem Leben in schweren Zeiten bis hin zum Lebensende und wenn gewünscht auch dem Sterbewunsch. Dies sehen auch die Länder so, die wie Deutschland, die Niederlande, Belgien und viele anderen Ländern dies den Bürgern ermöglicht. Die individuelle und persönliche Urteilsfähigkeit eines jeden Menschen sollte die Richtschnur sein – diese Urteilsfähigkeit wird auch darüber dann die Waagschalen bestimmen einen Arzt oder anderen Helfer zu finden der eine Freitodbegleitung machen und unterstützen würde. Diese Autonomie, Dauerhaftigkeit und insbesondere die Wohlerwogenheit wird ja auch jeder anderen Person abverlangen müssen, um nicht später in Situationen und rechtlichen Konflikten wie die Drs. Spittler und Turow...

Sterbehilfe bei psychisch kranker Studentin - Berlin 2024

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Mit Dr. Turowski (74) muss sich ein weiterer Arzt vor Gericht verantworten. Dr. Turowski überließ einer jungen Frau tödliche Medikamente. Die Studentin litt seit Jahren an schweren Depressionen. Sie nahm sich das Leben. Nun muss sich der Arzt vor dem großen Landgericht Berlin / Schwurgerichtssaal 500 des Berliner Kriminalgerichts verantworten.  Seit dem 20. Februar steht nun Dr. Turowski in Berlin vor Gericht. Ich schreibe oben 'weiterer Arzt' da ja erst kürzlich ein erstes Urteil im Fall von Dr. Spittler in NRW gesprochen wurde. (Siehe: Arzt leistete einem psychisch kranken Mann Sterbehilfe - Totschlag in „minderschweren Fall“ ). Es geht es nun auch in Berlin um eine Anklage wegen Totschlags. Turowski war jahrelang für eine Sterbehilfeorganisation tätig mit dort strengsten Vorsichtsmaßnahmen der DGHS. In der Anklageschrift steht dazu: „Der Angeschuldigte entschied sich bewusst dafür, die von der DGHS aufgestellten Standards zum assistierten Suizid nicht einzuhalten“, damit er...

Sterbehilfe - Der Mensch ist immer mehr als die Krankheit

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Ich habe in den letzten Monaten aus den verschiedensten Perspektiven die Sterbehilfe und die damit verbundene Freiverantwortlichkeit, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Einwilligungsunfähigkeit recherchiert, für mich durchdacht, beleuchtet und beschrieben. Ich habe oder musste den Artikel im Ärzteblatt lesen, sowie die Pressemitteilung des DGPPN - in beiden Publikationen vermisse in erster Linie über den Tellerrand schauende und interdisziplinäre Wissensverknüpfung - aber als Designer und Researcher habe ich lernen müssen, das viele Experten sich oft verrennen - und wie in diesen Publikationen - und damit oft vergessen für wen wir im Design und mehr noch in der Medizin arbeiten nicht für unseren Fachbereich oder das was wir gerne wollen sondern für Menschen, Menschen und deren Erwartungen, deren Nöte und deren Würde. Es ist unzweifelhaft, dass die Fähigkeit zur Einwilligung, Urteilsvermögen etc. unabdingbar ist. Und in Deutschland wie in den meisten Ländern ist es so, dass Ei...

Psychiatrisches Gutachten - Inhalt und Kriterien

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Grundsätzlich gilt für jeden, dass beim Erstellen einer Willenserklärung oder auch ‚nur‘ der Patientenverfügung ist eine erhaltene Urteilsfähigkeit erforderlich - dies wird selbstredend notwendig bei Personen die eine psychischen Erkrankungen haben im Falle des Wunsches eines Freitod. Und somit ein 'Psychiatrisches Gutachten über Urteilsfähigkeit' unabdingbar wenn es um einen Freitod, Sterbebegleitung und Sterbehilfe gehen soll. Das Gutachten und die psychologische Bestätigung soll verhindern, dass eine entsprechende Willenserklärung nicht später infolge vermuteter psychischer Störung als nichtig angezweifelt werden könnten ( Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 104 Geschäftsunfähigkeit ).  Somit liegt im Falle von einer psychischen Erkrankung die Aufwände nun einmal höher – letztlich geht es aber um die Urteilsfähigkeit – die im Zweifelsfall jeder haben muss und sollte, dem geholfen werden soll. Wer kann ein Gutachten ausstellen: Ein psychiatrisches Gutachten kann jeder Psychiater ...