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Selbstbestimmung am Lebensende – Wie gehen wir als Gesellschaft mit Leid um, das wir nicht vollständig lösen können?

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In wenigen Tagen jährt sich das Gehen meiner Frau zum fünften Mal, vor fünf Jahren konnte meine Frau nach elf Jahren dauerhafter, wohlerwogener und selbstbestimmter Auseinandersetzung mit ihrem Sterbewunsch ihren letzten großen Willen umsetzen. Im Kreis ihrer engsten Angehörigen und Freunde öffnete sie die Infusion, lächelte mich ein letztes Mal an und ging ihren eigenen Weg. Seit diesem Tag engagiere ich mich dafür, über Selbstbestimmung am Lebensende, über Suizidalität, über Sterbewünsche und über die Menschen zu sprechen, die von solchen Entscheidungen betroffen sind. Ich versuche Verständnis zu fördern, Informationen bereitzustellen und auch jene sichtbar zu machen, die häufig im Hintergrund bleiben: die Helfenden. Denn unabhängig davon, wie man persönlich zu diesen Themen steht – sie berühren Menschen auf eine Weise, die existenzieller kaum sein könnte. Und mit jedem Jahr, das seit dem Tod meiner Frau vergangen ist, beschäftigt mich eine Frage mehr als viele andere: Wie gehen wir ...

Zwischen Helfen und Aushalten – wenn medizinisches Personal mit Suizidalität oder auch einem Sterbewunsch konfrontiert werden

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Seit dem Tod meiner Frau beschäftige ich mich intensiv mit Fragen rund um Freitod, Suizidalität und Selbstbestimmung am Lebensende. Dabei begegnen mir immer wieder Menschen, die um Informationen oder Orientierung bitten. Was mich dabei überrascht hat: Viele verwenden das Wort Suizid, obwohl sie über einen lange erwogenen Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende sprechen. Andere sprechen von Freitod, meinen aber eine akute suizidale Krise. Die Unterscheidung ist wichtig. Ein Freitod stellt sich als eine wohlüberlegte, dauerhafte und frei verantwortete Entscheidung eines Menschen dar, sein Leben zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zu beenden. Suizidalität hingegen als Ausdruck einer Krise: geprägt von Verzweiflung, Überforderung, Hoffnungslosigkeit oder dem Wunsch, einem unerträglichen inneren Zustand zu entkommen. Unabhängig davon, wie wir diese Begriffe verwenden, stehen medizinische Fachkräfte täglich vor einer großen Herausforderung. Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte, Psychotherape...

PTBS Awareness Month – Warum dieser Monat so wichtig ist

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Es gibt Momente in einem Einsatz, die bleiben. Manchmal ein Geräusch. Manchmal ein Geruch. Manchmal ein Gesicht. Tage, Wochen, Jahre später kann ein einziger Reiz genügen, um einen Menschen zurück an einen Ort zu bringen, den er eigentlich längst hinter sich gelassen hatte. Genau hier beginnt das Thema, über das wir im Juni sprechen sollten: Posttraumatische Belastungsstörung – kurz PTBS . Aber um es gleich zum Start zu sagen NICHT NUR IM JUNI, dieser Monat und diese Tage sollen nur die Achtsamkeit für das Thema die BEachtung schärfen, zuhören und da sein müssen wir das ganze jahr, für uns, für unsere Lieben und unser Umfeld im Privaten wie im Job. Der Juni steht weltweit im Zeichen der Aufklärung über diese Erkrankung  – PTBS . Der PTBS Awareness Month soll Sichtbarkeit für eine Diagnose schaffen, die Millionen Menschen betrifft und dennoch häufig missverstanden, übersehen oder sogar stigmatisiert wird. Psychische Verletzungen sind nicht sichtbar wie ein gebrochener Arm oder eine ...

Was geschieht mit dem Menschen, wenn Sinn verloren geht?

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Ende Mai 2026 gab Sting dem Guardian anlässlich der Rückkehr seines Musicals *The Last Ship* ins Londoner West End ein bemerkenswertes Interview . Darin sprach er nicht nur über Musik und Theater, sondern auch über den Verlust industrieller Arbeitswelten, den Wandel von Gemeinschaften und die Frage, welche Folgen es für Menschen und Gesellschaften hat, wenn traditionelle Formen von Arbeit verschwinden. Einige seiner Gedanken haben mich weit über das eigentliche Thema des Interviews hinaus beschäftigt. Sie berühren Fragen nach Sinn, Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt – Themen, die eng mit unserem psychischen Wohlbefinden verbunden sind. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag einige der Gedanken aufgreifen, die Stings Aussagen bei mir ausgelöst haben. Auf meinem UX-Blog habe ich das Interview zum Anlass genommen, über Design, die Mensch-Technologie-Beziehung und die wachsende Rolle von künstlicher Intelligenz in kreativen Prozessen nachzudenken , aber hier geht es...

Warum es Ärzt*innen oft schwerfällt, über ein selbstbestimmtes Lebensende zu sprechen

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In diesem Artikel versuche ich, meine Perspektiven und Erfahrungen darzulegen und zu beschreiben, warum es Ärzt*innen oft schwerfällt, über ein selbstbestimmtes Lebensende zu sprechen. Die Motivation, diesen Text zu schreiben, entstand nach der Lektüre des LinkedIn-Artikels Artikel  'Was lernen Medizinstudierende eigentlich über Suizidalität — und was nicht?' von Ute Lewitzka  . Der darin von Prof. Dr. med. habil. Ute Lewitzka referenzierte Artikel in  The Lancet Psychiatry: Are you suicidal?  war beziehungsweise ist für mich leider nicht zugänglich. Der Umgang mit Suizidalität und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende ist in der medizinischen Praxis bis heute von Unsicherheit, Zurückhaltung und emotionaler Distanz geprägt. Die Gründe dafür sind nicht nur individueller Natur, sondern liegen ebenso in historischen, ethischen und strukturellen Zusammenhängen. Gesellschaftlicher Hintergrund: Die Wirkung von §217 StGB Die gesellschaftliche Wahrnehmung vo...

Experten plädieren für ein Sterbehilfegesetz: Freiverantwortlichkeit statt Ideologie

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Ein bemerkenswerter Gastbeitrag in der FAZ bringt eine ungewöhnlich breite Allianz aus Medizin, Palliativmedizin, Psychiatrie, Ethik und Verfassungsrecht zusammen. Die Autorinnen und Autoren richten den Blick auf die verfassungsrechtlichen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts von 2020 und werben für eine rechtssichere gesetzliche Regelung der Sterbehilfe. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, ob das Recht auf einen freiverantwortlichen Freitod besteht – darüber hat Karlsruhe entschieden –, sondern wie dieses Grundrecht durch klare Verfahren, verlässliche Prüfungen der Freiverantwortlichkeit und wirksame Schutzmechanismen verantwortungsvoll ausgestaltet werden kann. Für  mich ist der Gastbeitrag in FAZ  bemerkenswert, weil er von einer ungewöhnlich breiten Gruppe aus Medizin, Palliativmedizin, Psychiatrie, Ethik und Verfassungsrecht getragen wird. Diese Gruppe versucht, die Debatte aus  ideologischen Einzelperspektiven, dogmatischen Glaubenssystem und Weltansc...

Q&A - Mein Engagement für das Sterben in Würde

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Ich habe ja mittlerweile die häufigsten und drängendsten Fragen beantwortet, wenn ich den Überblick nicht verloren habe. 😏 Häufig kam als Folgefrage oder als unterschwellige Frage die nach dem Antrieb und Engagement.  Darauf könnte ich schlicht antworten: „Ich engagiere mich für die Sterbehilfe bei Freitodwünschen, weil es mir um Menschlichkeit geht – darum, den Menschen zu sehen, den einzelnen Menschen zu verstehen. Erst daraus kann wirkliche Hilfe entstehen.“ Das beschreibt zwar den Kern meines Antriebs, aber eigentlich ist es nicht nur mein persönlicher Antrieb. Wenn ich andere Helfende richtig verstanden habe, ist genau das die Motivation der allermeisten Menschen, die bereit sind zu helfen. Aber da ist noch mehr. Mir geht es auch darum, Ängste und Unwissen abzubauen – auf vielen gesellschaftlichen Ebenen. Mein Engagement richtet sich an Betroffene, an die Gesellschaft, aber ebenso an Politikerinnen und Politiker, die aus unterschiedlichsten Motiven ein „Sterbegesetz“ formulie...