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Plädoyer für ein offenes Gespräch über Sterbewünsche – Was hören wir, wenn jemand sagt: „Ich möchte sterben“?

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Vor wenigen Tagen wurde die neue S2k-Leitlinie „Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz“ veröffentlicht. In meinem Artikel „Zwischen Theorie und Praxis: Mein Blick auf neue Sterbehilfe-Leitlinie“ habe ich meine ersten Eindrücke dazu beschrieben. Die Leitlinie bietet eine wichtige fachliche Orientierung. Doch neben den Kriterien und Verfahren beschäftigt mich eine weitere Frage: Wie begegnen wir einem Menschen, der uns sagt, dass er sterben möchte? Was hören wir in diesem Satz? Und wie können wir einen Sterbewunsch ernst nehmen, ohne eine mögliche akute Suizidgefahr aus dem Blick zu verlieren? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich seit vielen Jahren. In diesem Beitrag möchte ich Erfahrungen aus meinen Gesprächen und Begleitungen teilen – und aus dem Austausch mit Ärztinnen, Psychologinnen und Psychotherapeut*innen, die mich zu diesen Themen befragt haben und mit denen ich darüber gesprochen habe. Für viele medizinische und therapeutische Fachkräfte ist der Satz „Ich möchte sterben“...

Zwischen Theorie und Praxis: Mein Blick auf neue Sterbehilfe-Leitlinie

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Ich habe einen Blick und mehr auf die etwa 81 Seiten der neuen Sterbehilfe-Leitlinie getan. Nach dem ich ja schon am Freitag davon berichtet ( Siehe: Erste wissenschaftliche Leitlinie zur Freitodbegleitung in Deutschland ) habe. Das Wochenende war somit mit viel Lesen beschlagnahmt - in weiten Teilen hat es sich gelohnt. Aber ich sehe da Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis. Diese Leitlinien soll eine Empfehlungen zum Umgang mit Anfragen nach  Sterbehilfe sein. Link zur Leitlinie (Veröffentlichung Ende Oktober 2026): Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) (Hrsg.). S2k-Leitlinie Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz, Version 1.0, 22.10.2026, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/096-001    Ganz am Anfang (Seite 16)  ist dieser Text und Schemata zu finden: Im Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz setzt die Beurteilung der Freiverantwortlichkeit eine vorherige Information und Beratung voraus. Im gesamten Prozess muss immer die Möglichkeit besteh...

Des Lebens satt? Warum wir genauer hinschauen – und genauer sprechen – müssen

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Es gibt Sätze, die bleiben. Einer davon stammt aus einem Antrag, den eine Frau an einem Novembermorgen an ihrem Computer tippte: „Ich habe all die Jahre gerne gelebt, das Leben genossen und viel erlebt."  Marion Tiede, seit 37 Jahren im Rollstuhl, formulierte ihren Wunsch nach einer Freitodbegleitung in Worten, die nichts Verzweifeltes haben, sondern etwas zutiefst Bedachtes. Ich habe den SPIEGEL-Artikel von Martin Schlak („Begleiteter Suizid – Des Lebens satt") gelesen. Und wie so oft, wenn ich über dieses Thema schreibe, treibt es mich um. Nicht, weil mir die Fragen fremd wären – sondern weil ich sie aus meiner eigenen Arbeit so gut kenne. Etwas was Wenige überblickt – und ein Weg, den zu wenige kennen Der Artikel beleuchtet die Sterbehilfe und beleuchtet dabei auch 'Ungeregeltes'. Das kann ich nachvollziehen, und ja, auch ich habe auf diesem Blog schon über Regelverstöße berichtet. Mir ist wichtig, möglichst viele Perspektiven auf dem Radar zu haben. Aber eine Sac...

Eine erste wissenschaftliche Leitlinie zur Freitodbegleitung in Deutschland - S2k-Leitlinie „Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung“

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Wer sich intensiv mit den Themen Lebensende, Selbstbestimmung und Freitod auseinandersetzt, weiß: Die Entscheidung für eine Freitodbegleitung ist niemals ein spontaner Entschluss. Sie steht fast immer am Ende eines langen, schmerzhaften Kampf mit sich selbst, aber auch mit anderen Menschen und oft auch mit Ärzten. Ein langer heftiger Weg, geprägt von Nöten, meist schweren Krankheiten oder einem Zustand, in dem das Leben für die betroffene Person schlicht unerträglich geworden ist. Seit das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben in Deutschland wieder klar verankert ist, war ein zentrales Problem im Versorgungsalltag spürbar: Es fehlte an einem klaren, wissenschaftlich fundierten und ethisch Standards für Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte und Berater, wie sie mit Anfragen nach einer Freitodbegleitung professionell, respektvoll und sicher umgehen sollen. Am Freitag den 22. Oktober 2026 wurde eine fundamentale Lücke geschlossen: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fac...

Vortragsabend des Arbeitskreises Selbstbestimmtes Sterben Oldenburg mit Dr. Matthias Thöns

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„Dammbruch" und „Normalität" – zwei Begriffe, die Debatten über Freitod und Freitodbegleitung immer wieder dominieren und häufig mehr verschließen als öffnen. Umso wichtiger sind Abende, die genau diesen Fragen mit Expertise und Offenheit begegnen. Dr. Matthias Thöns, Palliativmediziner und Autor des vielbeachteten Buches „Patient ohne Verfügung", war am 12. Oktober 2026 auf Einladung des Arbeitskreises Selbstbestimmtes Sterben Oldenburg zu Gast. Die Resonanz – ein bis auf den letzten Platz besetzter Saal – spricht für sich. Hier sind meine Eindrücke und mein Plädoyer für mehr solcher Räume und damit meine ich nicht nur reale Räume, vielmehr geht es mir um Gedankenräume, Gesellschaftliche Räume mit einer offenen und wertschätzenden Auseinandersetzung, offenheit für andere Lebenskonzepte – und das Sterben und das Lebensende gehört zum Leben wie die Geburt.. Dammbruch und soziale Not: Was ist Lebenswirklichkeit, was Mythos? Matthias Thöns setzte sich in seinem Vortrag kr...

Meilenstein für die Selbstbestimmung: Isle of Man legalisiert die Sterbehilfe

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20. Oktober 2026 –  Während die politische und gesellschaftliche Debatte um ein würdevolles Lebensende in vielen Teilen Europas nach wie vor von Vorbehalten geprägt ist, wird auf den Britischen Inseln erneut Geschichte geschrieben. Mit dem finalen  Royal Assent  – der offiziellen königlichen Zustimmung – ist der  Assisted Dying Act   auf der Isle of Man nun rechtskräftig. Nach der Kanalinsel Jersey ist die Isle of Man damit das zweite britische Krongebiet ( Crown Dependency ), das unheilbar kranken Menschen das Recht auf einen selbstbestimmten Tod einräumt. Die Parlamentsentscheidung hat am 20. Oktober 2026 die königliche Zustimmung ( Royal Assent ) erhalten. Ein historischer Erfolg und zugleich ein zutiefst emotionaler Triumph für all jene Menschen und Initiativen wie  Dignity in Dying , die jahrelang unermüdlich für dieses Grundrecht gekämpft haben. Ein Recht auf Würde – unter strengen und verantwortungsvollen Regeln Das neue Gesetz schafft eine klare, re...

Zwischen Leistungsdruck und Mensch sein – Warum wir mentale Gesundheit neu denken müssen

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Ich versuche mich dem Thema, Psychosoziale Gesundheit und der kollektive Belastungen und Wege aus solchen Krisen heute widmen, im Rahmen meiner Möglichkeit und Erfahrung. Wichtig ist mir ... Wir müssen aufhören, über psychische Gesundheit erst dann zu sprechen, wenn die Seele bereits unter Druck geraten ist. So wie wir zur ärztlichen Vorsorge gehen, bevor Beschwerden entstehen, oder durch Bewegung unser Herz-Kreislauf-System stärken, braucht auch unsere Psyche regelmäßige Aufmerksamkeit, stärkende Routinen und präventive Fürsorge. Nicht erst in der Krise, sondern mitten im Alltag. Aktuell verspüren wir ggf mehr als zuvor Druck von allen Seiten und das dieser wächst Der Oktober rückt weltweit die psychische Gesundheit in den Fokus. Rund um den World Mental Health Day am 10. Oktober , den wir vor wenigen Tagen hatten, geht es um eine Frage, die angesichts der täglichen Herausforderungen immer wichtiger wird: Wie bewahren wir unser seelisches Gleichgewicht in einer Welt, die zunehmend von...