Posts

Resignative Reife – Akzeptanz des Möglichen und des Unmöglichen

Image
Am Sonntagmorgen fiel im SWR3-Talk, moderiert von Kristian Thees  im Gespräch mit Ildikó von Kürthy, ein Begriff, der mich aufhorchen ließ – es war: R esignative Reife . Die Haltung dahinter, nach dem ich es nachgeschlagen habe, ist mir vertraut. Mit dem Wort „Reife“ jedoch verbinden sich schnell Vorstellungen von Abschluss, von einem Zustand, der erreicht und dann bewahrt wird. Leben aber ist Bewegung. Vielleicht beschreibt „Haltung“ es treffender: eine innere Ausrichtung, die sich im Erleben formt und weiterentwickelt. Resignative Reife bedeutet vor allem für mich: Nicht alles ist kontrollierbar. Und nicht alles verlangt Widerstand. Resignation sagt: Es hat keinen Sinn. Resignative Reife sagt: Ich erkenne an, was ich nicht ändern kann – und richte meine Kraft auf das, was in meinem Einfluss liegt. Viele Menschen kennen Phasen, in denen sie ringen – mit Umständen, mit Erwartungen, mit Verlusten, mit Enttäuschungen oder mit der eigenen Ohnmacht. Der Impuls zu kämpfen ist ...

Traumaberatung für Einsatzkräfte: PSNV-E erhält eigene Hilfsnummer - Traumazentrierten Fachberatung

Image
Die Bedeutung der mentalen Gesundheit für Einsatzkräfte – Ein unverzichtbares Angebot der Traumazentrierten Fachberatung Die Arbeit als Einsatzkraft, sei es im Rettungsdienst, in der Feuerwehr oder bei der Polizei, ist mit außergewöhnlichen physischen und psychischen Belastungen verbunden. Doch wer kümmert sich um die mentale Gesundheit der Helfer selbst? Wer sorgt dafür, dass die Menschen, die tagtäglich in Krisensituationen für andere da sind, auch in schwierigen Momenten Unterstützung erhalten? Eine neue Initiative bietet genau diese Hilfe – und das auf eine Weise, die hoffentlich eine nachhaltige Wirkung hat. Seit Februar 2026 gibt es für Einsatz- und Führungskräfte aller Einsatzorganisationen sowie für Fachkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) ein wichtiges Angebot: die traumazentrierte Fachberatung. In Form einer vertraulichen Sprechzeit können sich Einsatzkräfte nun einmal wöchentlich Unterstützung holen, um über mögliche psychische Belastungen n...

Heute ist „No Brainer Day“ - ein Tag für Dich

Image
No Brainer Day   –  Der No-Brainer Day (Tag des Nicht-Nachdenkens) findet jedes Jahr am 27. Februar statt – eine schöne, sanfte Erinnerung für Dich, vom Grübeln Abstand zu nehmen und Dir und Deinem Geist eine wohlverdiente Pause zu gönnen. Gerade heute, an einem Freitag, darf dieser Tag Dich – und uns alle – dazu ermutigen, einfache, stressarme Entscheidungen zu treffen und mentale Unordnung zu reduzieren. Etwas, das unsere Resilienz und emotionale Balance unmittelbar unterstützt. Dieser heutige Freitag – ein Tag, der Dich an Dich selbst erinnern darf – ist ohnehin ein natürlicher Wochen-Zwischenstopp. Eine perfekte Gelegenheit, bewusst etwas Gutes für Deine mentale Gesundheit zu tun und diese Haltung mit ins Wochenende zu nehmen. Vor mehr als 130 Jahren – also nichts Wokes, nichts Abgehobenes oder Esoterisches – stellte Swami Vivekananda 1893 beim Weltparlament der Religionen in Chicago vielen Amerikanern erstmals Meditation und kontemplative Praktiken vor. Seine Botscha...

Sechs Jahre nach dem Urteil zur Sterbehilfe - vom 26. Februar 2020

Image
Sechs Jahre nach dem Urteil zur Sterbehilfe: Kein Dammbruch, sondern Gewissensentscheidungen Am 26. Februar 2020 traf das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung von historischer Tragweite: Das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) wurde für verfassungswidrig erklärt. Das Gericht stellte klar, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst – einschließlich der Freiheit, hierfür Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sechs Jahre später nach dem meine Frau mir am Abend sagte:" Nun kann ich doch auch daheim zu Hause sterben ", etwa fünfzehn Jahre nachdem meine Frau, diesen Wunsch anfing zu planen, und in wenigen Monaten fünf Jahre her. dass meine Frau die Infusion öffnete - ist es für mich der Tag einen nüchternen Blick auf die Entwicklung zu nehmen. Die Zahlen assistierter Freitode sind moderat gestiegen. Von einem vielfach befürchteten „ Dammbruch “ kann jedoch keine Rede sein. Weder hat sich eine gesellscha...

Wenn Begriffe verschwimmen: Ein neuer Vorstoß zur Sterbehilfe und die problematische Rhetorik dahinter

Image
Am Mitte Februar wurde in der Stuttgarter - Zeitung ,  von einer fraktionsübergreifende Gruppe berichtet - von Bundestagsabgeordneten die einen neuen Gesetzentwurf zur Regelung der Sterbehilfe vorbereiten will. Öffentlich als zentrale Akteure genannt wurden  Kirsten Kappert-Gonther   und  Ansgar Heveling . Dies sind leider zwei Personen die in den letzte Jahre ausschließlich durch sehr restriktiven und einschneidende  Überlegungen und Äußerungen bekannt sind. Noch liegt kein Gesetzestext vor. Doch bereits die öffentliche Argumentation der Initiatoren wirft Fragen auf – vor allem wegen einer wiederkehrenden begrifflichen Vermischung, die alles andere als harmlos ist. Zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte In den öffentlichen Stellungnahmen durch Frau  Kirsten Kappert-Gonther   und  Ansgar Heveling  wird regelmäßig von „Suizidprävention“ gesprochen – und im selben Atemzug von der Notwendigkeit, die assistierte Sterbehilfe stärker zu regulier...

Freitod und das „Dammbruch-Argument“: Was die Daten wirklich zeigen

Image
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor 6 Jahren kam viel Kritik, davor, in den Tagen der Verhandlung, des Urteils und danach - auch wurde gerade von den Vertretern eines sehr restriktiven Gesetzentwurf gebetmühlenartig von einem 'Dammbruch' gesprochen, einer 'Schieflage' zu der es kommen würde – was sagen die Zahlen wirklich, Zahlen die zu erwarten waren? Wenn wir über Freitod sprechen, sprechen wir nie nur über Paragrafen oder Statistiken -oder sollten es nicht. Wir sprechen über Leid. Über Menschen und deren individuellen Gedanken. Über Angst vor Kontrollverlust. Über Würde. Über Grenzsituationen. In meinem Mental-Health-Blog geht es oft um diese Grenzbereiche des Lebens, Krisen und darum, wie verletzlich Menschen sein können. Die Gegner der Freitodbegleitung sprechen nach wie vor von einem 'Dammbruch' oder 'Schieflage' im Zusammenhang mit dem Freitod – es würde alles ins Rutschen kommen und die Zahl der Suizide würde unkontrolliert steigen....

KI-Chatbots - Eine persönliche Einordnung aus MHFA- und PSNV-Sicht

Image
Vor einigen Wochen habe ich KI-Chatbots wie Therabot, Wysa, Woebot und Replika aus Design- und UX-Perspektive betrachtet. Heute möchte ich bewusst die Perspektive wechseln. Hier schreibe ich nicht als Designer – auch wenn ich diesen Blick nie ganz ablegen kann. Sondern als jemand, der sich mit mentalen, seelischen und psychosozialen Belastungen beschäftigt. Als MHFA-Ersthelfender. Mit Einblicken aus der PSNV. Die Frage ist nicht, ob diese Systeme technisch beeindruckend sind. Die Frage ist: Was bedeuten sie für Menschen in echten Krisen? Und noch grundlegender:  Verstehen wir KI als Ergänzung – oder als Ersatz? Warum KI-Chatbots relevant sind Psychische Belastungen nehmen zu. Gleichzeitig sind Versorgungsangebote überlastet. Wartezeiten auf Therapieplätze, Stigmatisierung, Unsicherheit im Umgang mit eigenen Symptomen – viele Menschen bleiben lange allein mit dem, was sie belastet. Hier setzen KI-Chatbots an. Sie sind: 24/7 verfügbar anonym nutzbar niedrigschwellig ohne Termin oder...