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PSNV beginnt im Alltag - RETTUNGSDIENST

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Buchrezensionen gehören für mich inzwischen zur vertrauten Routine. Fachzeitschriften sind hingegen Neuland – zumindest für mich. Doch diesmal geht es nicht um die Zeitschrift selbst, sondern um ihren Schwerpunkt: die Psychosoziale Notfallversorgung im 'RETTUNGSDIENST' – Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin . Wie im Einsatzdienst gibt es hier ein erstes Mal – und wenn ein Thema es verdient, näher betrachtet zu werden, dann ist es die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Sie betrifft uns alle, im Alltag wie in außergewöhnlichen Lagen. Wenn von PSNV gesprochen wird, denken viele zunächst an Großschadenslagen, Terroranschläge oder Naturkatastrophen. Ereignisse also, die außergewöhnlich erscheinen. Doch die Belastung entsteht im Einsatzdienst oft nicht im Ausnahmezustand – sondern im Alltag: Ein Rettungswagen fährt zur Reanimation eines Kindes. Die Feuerwehr wird zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang alarmiert. Die Polizei überbringt eine Todesnachricht. Das Techn...

Sterbehilfe – eine Frage der Menschenwürde und Freiheit - Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020

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Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine rein juristischen oder medizinischen Themen. Sie betreffen zutiefst menschliche Fragen: Würde, Schutz, Nähe und Verantwortung. Es geht um Entscheidungen, die existenziell sind – Entscheidungen, die Außenstehende aus ihrer eigenen Sicht vielleicht nicht nachvollziehen können oder nicht mittragen würden. Dennoch bleiben es persönliche Entscheidungen. In diesem Artikel zum sechsten Jahr des Urteils, soll es mehr um die faktische und juristische Seite des Urteils gehen - in meinem anderen Artikel der heute online geht, geht es stärker um die emotionale und menschlichen Seiten und Ebenen - Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung seit 6 Jahren wieder in Deutschland Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 Am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht ein grundlegendes Urteil gefällt. Es hat damit klargestellt und wiederhergestellt, was in Deutschland lange galt und nur für fünf Jahre – von 2015 bis 2020 – durch § 2...

Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung seit 6 Jahren wieder in Deutschland

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In 10 Tagen jährt es sich zum sechsten  Mal, dass die Begleitung eines selbstbestimmten Todes in Deutschland rechtlich wieder möglich ist. Damit wurde ein wichtiges Signal gesetzt: Das Lebensende gehört zur persönlichen Freiheit des Menschen. Doch mit dieser Freiheit sind neue Herausforderungen entstanden. In diesem Artikel soll es darum gehen, warum Freitodbegleitung Zeit, Beziehung und das Aushalten von Ambivalenz braucht. Aber auch, dass wo klare Regeln fehlen, Unsicherheit entsteht – für Betroffene, für Angehörige und für all jene, die Menschen in existenziellen Krisen begleiten. Nochmals meine Sicht es fehlt an Regeln und Leitlinien aber nicht ein neues Gesetz. Wer sich mehr, über die faktische und juristische Seite des Urteils vor 6 Jahren informieren will, ich habe heute einen zweiten Artikel dazu zusammengestellt:  Sterbehilfe – eine Frage der Menschenwürde und Freiheit - Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine re...

Mutpost – kleine Worte, große Wirkung

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Am 11. Februar 2026 ist das Projekt Mutpost gestartet. Ein Datum, das symbolisch passt: der Europäische Tag des Notrufs 112 .  Notrufnummern retten Leben in akuten, sichtbaren Notlagen. Aber Suizidgedanken? Die kommen leise. Sie lassen sich nicht immer in Minuten messen. Sie brauchen keine Sirenen – sie brauchen Aufmerksamkeit, Zuwendung, ein offenes Ohr. Genau hier setzt Mutpost an. Die Plattform des Werner-Felber-Instituts für Suizidprävention in Dresden ist ein digitaler Ort, an dem Menschen anonym Briefe schreiben können – Worte der Hoffnung für Menschen, die mit dunklen Gedanken kämpfen. Jeder Brief wird fachlich geprüft, bevor er veröffentlicht wird. Ein Soforthilfe-Button und Hinweise auf Beratungsangebote ergänzen das Angebot. Was für mich so wertvoll an Mutpost ist: Es zeigt, dass Prävention oft klein beginnt. Nicht mit Therapiesitzungen oder Kriseninterventionen, sondern mit früher Aufmerksamkeit . Einem Satz, der sagt: „Du bist nicht allein.“ Einem Freund, der nach...

11.2 – Der Tag des Notrufs 112: Dein Lebensretter im Notfall

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Der 11. Februar – 11.2. – ist nicht zufällig der Europäische Tag des Notrufs 112 . Dieses Datum erinnert an eine Nummer, die in ganz Europa Leben rettet. Eine Nummer, die einfach ist. Klar. Einprägsam. Und im Ernstfall oft der entscheidende Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Für mich ist dieser Tag mehr als ein symbolisches Datum. Als aktiver Helfer im Rettungsdienst, in der Motorradstaffel von DRK und ASB – und als jemand, der sich zunehmend auch der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) widmet – steht die   1 1 2  für Verantwortung, Vertrauen und Menschlichkeit. Wann sollte man die 112 wählen? Immer dann, wenn: eine Situation lebensbedrohlich erscheint der Gesundheitszustand nicht einschätzbar ist schwere Verletzungen oder akute Erkrankungen auftreten Zweifel bestehen, ob akute Gefahr vorliegt Notfälle sind nicht nur schwere Unfälle oder Brände. Es sind auch Atem- oder Herzstillstand, starke Blutungen, Schlaganfälle, Vergiftungen oder schwere Verbrennung...

20 Jahre Tag der Kinderhospizarbeit – Hinschauen, Zuhören, Mitfühlen

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Heute am 10. Februar 2026 begehen wir den 20. Jahrestag des Tags der Kinderhospizarbeit . Seit 2006 findet  dieser bundesweite Aktionstag statt und läd dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und Solidarität mit Familien zu zeigen, die lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene begleiten. Initiiert vom Deutschen Kinderhospizverein e.V. , macht der Tag auf ein Thema aufmerksam, das oft im Verborgenen bleibt: das Leben und Sterben junger Menschen und die psychische wie praktische Begleitung ihrer Familien. Kinderhospizarbeit ist weit mehr als Trauerarbeit – sie ist Lebens- und Beziehungsarbeit in einer der schwierigsten Situationen, die eine Familie durchleben kann. Eine lebensverkürzende Diagnose verändert das gesamte Familienleben: Rollenverteilungen verschieben sich, Zeit gewinnt eine neue Dimension, Prioritäten verschieben sich, und innere Ressourcen werden auf die Probe gestellt. Diese Erfahrungen berühren emotional, kognitiv und körperlich tief. Die Hospiz...

Moral Ambition – Über Verantwortung, Erschöpfung und die leise Frage nach Sinn

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Ich habe Moral Ambition von Rutger Bregman nicht gelesen, weil ich motivierter oder produktiver werden wollte. Ich habe es gelesen, weil mich sein vorheriges Buch Im Grunde gut sehr berührt hat. Auch dieses Buch hat mich nicht losgelassen. Nach der Lektüre blieb vor allem eine Frage: Wie viel Verantwortung kann ein einzelner Mensch tragen, ohne innerlich müde zu werden? Und meine Antwort darauf ist überraschend klar geworden: wahrscheinlich mehr, als wir oft glauben – gerade weil Verantwortung nicht nur belastet, sondern auch trägt. Oder zumindest, weil es wichtig ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Mentale Gesundheit fühlt sich heute oft an wie ein persönliches Projekt: achtsam sein, Grenzen setzen, resilient bleiben. Und trotzdem bleibt bei vielen von uns ein diffuses Gefühl von Leere oder Überforderung zurück. Nicht, weil wir zu wenig an uns arbeiten – sondern weil wir in einer Gesellschaft leben, die Sinn verspricht, ihn aber selten wirklich erfahrbar macht. Dieses Buch ha...