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Freiheit, Schutz, Würde: Drei Perspektiven auf die Sterbehilfe-Debatte – Erfahrungen, Realität und Spannungsfelder – Artikel 2 von 2

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Viele Debatten über Sterbehilfe kreisen um Grundsatzfragen: Schutz oder Selbstbestimmung, Fürsorge oder Freiheit. Oft werden Positionen dabei zugespitzt, vereinfacht oder gegeneinander gestellt. Meine Perspektive ist eine andere – geprägt durch persönliche Erfahrung, viele Gespräche und die Auseinandersetzung mit den realen Lebenssituationen von Menschen am Lebensende. In vier Teilen möchte ich diese Perspektive entfalten: Im ersten Teil und zweiten Teil schrieb ich zu meinen persönlichen Erfahrungen  und warum Selbstbestimmung und Würde für mich auch am Lebensende zentral sind. Und ich beschäftigte mich mit  der Realität von Sterbewünschen, ihrer Veränderlichkeit sowie der Bedeutung von Alternativen wie Palliativmedizin und unterstützenden Angeboten. Im dritten Teil  geht es schließlich um die gesellschaftliche und politische Debatte – um das Urteil des Bundesverfassungsgericht, unterschiedliche Positionen, internationale Beispiele und die Frage, wie eine verantwortungsv...

Freiheit, Schutz, Würde: Drei Perspektiven auf die Sterbehilfe-Debatte – Erfahrungen, Realität und Spannungsfelder – Artikel 1 von 2

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Viele Debatten über Sterbehilfe kreisen um Grundsatzfragen: Schutz oder Selbstbestimmung, Fürsorge oder Freiheit. Oft werden Positionen dabei zugespitzt, vereinfacht oder gegeneinander gestellt. Meine Perspektive ist eine andere – geprägt durch persönliche Erfahrung, viele Gespräche und die Auseinandersetzung mit den realen Lebenssituationen von Menschen am Lebensende. In vier Teilen möchte ich diese Perspektive entfalten: Im ersten Teil geht es um meine eigene Geschichte und die Frage, warum Selbstbestimmung für mich auch am Lebensende zentral ist – und welche Rolle Würde dabei spielt. Der zweite Teil richtet den Blick auf die Realität von Sterbewünschen: ihre Widersprüchlichkeit, ihre Entwicklung über Zeit und die Bedeutung von Alternativen wie Palliativmedizin und Unterstützungssystemen. Im dritten,  vierten und letzten Teil   geht es schließlich um die gesellschaftliche und politische Debatte – um das Urteil des Bundesverfassungsgericht, unterschiedliche Positionen, intern...

Weltweiter Fokus auf junge Psyche: 23. April – Starke Kinder. Starke Zukunft – Psychische Gesundheit beginnt im Kindesalter

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Der 23. April rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das oft zu spät Aufmerksamkeit erhält: die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day wurde 2022 von internationalen Fachgesellschaften wie der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions  (IACAPAP) ins Leben gerufen – mit dem klaren Anliegen, mentale Gesundheit von Anfang an als selbstverständlichen Bestandteil von Entwicklung, Teilhabe und gesellschaftlicher Verantwortung zu begreifen. Mentale Gesundheit beginnt früh mit jedem Sein Psychische Gesundheit beginnt von Anfang an, entwickelt sich, und wird in Kindheit und Jugend entscheidend geprägt. In diesen Lebensphasen entstehen emotionale Stabilität, soziale Kompetenzen und die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen. Viele psychische Entwicklungen und auch Erkrankungen zeigen sich erstmals bereits in jungen Jahren. Umso wichtiger ist es, früh hinzusehen und ...

Geplantes Lebensende – über zwei Wege, die sich ähneln

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Es gibt Entscheidungen am Lebensende, die nicht plötzlich entstehen, sondern sich über Jahre entwickeln. Sie wachsen aus einer Krankheit heraus, aus Erfahrungen, aus dem schrittweisen Verlust körperlicher Freiheit – und aus der Frage, wann ein Leben für den betroffenen Menschen selbst nicht mehr als lebenswert empfunden wird. Wenn ich die aktuelle MDR-Berichterstattung über eine Leipzigerin lese, die ihren Weg der Freitodbegleitung in der Schweiz gegangen ist, sehe ich darin Parallelen zu einer sehr persönlichen Geschichte: dem Weg meiner Frau . Auch meine Frau litt an Multipler Sklerose – in einer besonders aggressiven Form, der primär progredienten Multiplen Sklerose (PPMS). Diese Verlaufsform ist dadurch geprägt, dass sie nicht in Schüben verläuft, sondern kontinuierlich fortschreitet. Genau dieses unaufhaltsame Fortschreiten hat über Jahre hinweg ihre Lebensrealität verändert. Der Gedanke an ein selbstbestimmtes Lebensende war dabei kein kurzfristiger Entschluss, sondern ein lange...

Rezept, Off-Label-Use und die Realität in der Praxis (Update 2026) - Thiopental in der Freitodbegleitung

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Als ich früher, über Thiopental in der Freitodbegleitung geschrieben habe, lag der Fokus vor allem auf dem Off-Label-Use und den ärztlichen Pflichten. Inzwischen zeigt sich immer deutlicher, was ich auch rund um die Freitodbegleitung beobachte: Die eigentliche Herausforderung liegt weniger im Recht, diese ist recht klar – sondern in der praktischen Umsetzung. Ein aktueller Fall aus der Fachdebatte / des Magazin der DGHS Ausgabe 2026-2 macht genau das sichtbar: Ein Arzt erhält trotz ordnungsgemäßen Rezepts das benötigte Medikament nicht von einer Versandapotheke. Die Begründungen wechseln – von regulatorischen Vorgaben bis hin zu „Sicherheitsgründen“. Bei allem Verständnis und Sicherheitsbedenken die ich auch habe bei der Herausgabe - dies wirft eine zentrale Frage auf: Was braucht es tatsächlich, um Thiopental rechtmäßig zu verordnen – und warum scheitert es trotzdem so oft in der Praxis? Aber eine vorweg, Dieser Beitrag spiegelt meine persönliche Auseinandersetzung mit dem T...

Wenn Worte fehlen – warum Gespräche über den eigenen Willen so wichtig sind

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Eine aktuelle Simulationsstudie zur Einwilligung in intensivmedizinische Behandlungen („Consent in intensive care“) wirft ein eindrückliches Licht auf eine Frage, die viele lieber vermeiden: Wie gut kennen Angehörige eigentlich den Willen eines Menschen – wenn es wirklich darauf ankommt?  Oft fehlen einem die Worte – und ja nahezu immer sind Gespräche über den eigenen Willen oder gar was soll im Fall der Fälle sein und geschehen, aber dies ist so wichtig. Die Ergebnisse der Studie sind überraschend – und zugleich nachdenklich stimmend. Einerseits zeigt die Studie: In über 80 Prozent der Fälle stimmen die Einschätzungen von Angehörigen mit dem tatsächlichen Patientenwillen überein. Auch Vorstellungen zur gewünschten Lebensqualität werden erstaunlich häufig richtig getroffen. Und doch bleibt eine entscheidende Erkenntnis: Aber 80% heißt auch, dass in etwa jeder fünften Situation die Einschätzung daneben  liegt  . Und genau diese Fälle können im Ernstfall alles verändern. Z...

Selbstbestimmt leben – selbstbestimmt sterben? 'buten un binnen' Regionalmagazin von Radio Bremen

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Das Team von 'buten un binnen' – dem Regionalmagazin von Radio Bremen (Dennis Drechsler, Kathrin Ennen, Janek Gräfe, Cengiz Kültür, Robin Leyendecker und Marianne Strauch) – hat sich in einem rund 12-minütigen Beitrag dem Thema der Sterbehilfe gewidmet. Der Beitrag beleuchtet unterschiedliche Perspektiven auf die Frage, ob und wie Menschen ihr Lebensende selbst gestalten möchten – und können. Dabei geht es nicht ausschließlich um assistierte Sterbehilfe, sondern auch um die selbstbestimmte Entscheidung, einen natürlichen Sterbeprozess bewusst anzunehmen und zu begleiten. Für viele Menschen ist die Vorstellung, selbst über den Zeitpunkt des eigenen Todes zu entscheiden, ein Ausdruck von Freiheit und Würde. Für andere ist genau das eine zutiefst beunruhigende Idee – verbunden mit ethischen, emotionalen und gesellschaftlichen Fragen, die sich nicht einfach beantworten lassen. Der Filmbeitrag schafft es, diese Spannungsfelder sichtbar zu machen, ohne vorschnell zu urteilen. Er zei...