Posts

Sechs Jahre nach dem Urteil zur Sterbehilfe - vom 26. Februar 2020

Image
Sechs Jahre nach dem Urteil zur Sterbehilfe: Kein Dammbruch, sondern Gewissensentscheidungen Am 26. Februar 2020 traf das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung von historischer Tragweite: Das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) wurde für verfassungswidrig erklärt. Das Gericht stellte klar, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst – einschließlich der Freiheit, hierfür Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sechs Jahre später nach dem meine Frau mir am Abend sagte:" Nun kann ich doch auch daheim zu Hause sterben ", etwa fünfzehn Jahre nachdem meine Frau, diesen Wunsch anfing zu planen, und in wenigen Monaten fünf Jahre her. dass meine Frau die Infusion öffnete - ist es für mich der Tag einen nüchternen Blick auf die Entwicklung zu nehmen. Die Zahlen assistierter Freitode sind moderat gestiegen. Von einem vielfach befürchteten „ Dammbruch “ kann jedoch keine Rede sein. Weder hat sich eine gesellscha...

Wenn Begriffe verschwimmen: Ein neuer Vorstoß zur Sterbehilfe und die problematische Rhetorik dahinter

Image
Am Mitte Februar wurde in der Stuttgarter - Zeitung ,  von einer fraktionsübergreifende Gruppe berichtet - von Bundestagsabgeordneten die einen neuen Gesetzentwurf zur Regelung der Sterbehilfe vorbereiten will. Öffentlich als zentrale Akteure genannt wurden  Kirsten Kappert-Gonther   und  Ansgar Heveling . Dies sind leider zwei Personen die in den letzte Jahre ausschließlich durch sehr restriktiven und einschneidende  Überlegungen und Äußerungen bekannt sind. Noch liegt kein Gesetzestext vor. Doch bereits die öffentliche Argumentation der Initiatoren wirft Fragen auf – vor allem wegen einer wiederkehrenden begrifflichen Vermischung, die alles andere als harmlos ist. Zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte In den öffentlichen Stellungnahmen durch Frau  Kirsten Kappert-Gonther   und  Ansgar Heveling  wird regelmäßig von „Suizidprävention“ gesprochen – und im selben Atemzug von der Notwendigkeit, die assistierte Sterbehilfe stärker zu regulier...

Freitod und das „Dammbruch-Argument“: Was die Daten wirklich zeigen

Image
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor 6 Jahren kam viel Kritik, davor, in den Tagen der Verhandlung, des Urteils und danach - auch wurde gerade von den Vertretern eines sehr restriktiven Gesetzentwurf gebetmühlenartig von einem 'Dammbruch' gesprochen, einer 'Schieflage' zu der es kommen würde – was sagen die Zahlen wirklich, Zahlen die zu erwarten waren? Wenn wir über Freitod sprechen, sprechen wir nie nur über Paragrafen oder Statistiken -oder sollten es nicht. Wir sprechen über Leid. Über Menschen und deren individuellen Gedanken. Über Angst vor Kontrollverlust. Über Würde. Über Grenzsituationen. In meinem Mental-Health-Blog geht es oft um diese Grenzbereiche des Lebens, Krisen und darum, wie verletzlich Menschen sein können. Die Gegner der Freitodbegleitung sprechen nach wie vor von einem 'Dammbruch' oder 'Schieflage' im Zusammenhang mit dem Freitod – es würde alles ins Rutschen kommen und die Zahl der Suizide würde unkontrolliert steigen....

KI-Chatbots - Eine persönliche Einordnung aus MHFA- und PSNV-Sicht

Image
Vor einigen Wochen habe ich KI-Chatbots wie Therabot, Wysa, Woebot und Replika aus Design- und UX-Perspektive betrachtet. Heute möchte ich bewusst die Perspektive wechseln. Hier schreibe ich nicht als Designer – auch wenn ich diesen Blick nie ganz ablegen kann. Sondern als jemand, der sich mit mentalen, seelischen und psychosozialen Belastungen beschäftigt. Als MHFA-Ersthelfender. Mit Einblicken aus der PSNV. Die Frage ist nicht, ob diese Systeme technisch beeindruckend sind. Die Frage ist: Was bedeuten sie für Menschen in echten Krisen? Und noch grundlegender:  Verstehen wir KI als Ergänzung – oder als Ersatz? Warum KI-Chatbots relevant sind Psychische Belastungen nehmen zu. Gleichzeitig sind Versorgungsangebote überlastet. Wartezeiten auf Therapieplätze, Stigmatisierung, Unsicherheit im Umgang mit eigenen Symptomen – viele Menschen bleiben lange allein mit dem, was sie belastet. Hier setzen KI-Chatbots an. Sie sind: 24/7 verfügbar anonym nutzbar niedrigschwellig ohne Termin oder...

PSNV beginnt im Alltag - RETTUNGSDIENST

Image
Buchrezensionen gehören für mich inzwischen zur vertrauten Routine. Fachzeitschriften sind hingegen Neuland – zumindest für mich. Doch diesmal geht es nicht um die Zeitschrift selbst, sondern um ihren Schwerpunkt: die Psychosoziale Notfallversorgung im 'RETTUNGSDIENST' – Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin . Wie im Einsatzdienst gibt es hier ein erstes Mal – und wenn ein Thema es verdient, näher betrachtet zu werden, dann ist es die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Sie betrifft uns alle, im Alltag wie in außergewöhnlichen Lagen. Wenn von PSNV gesprochen wird, denken viele zunächst an Großschadenslagen, Terroranschläge oder Naturkatastrophen. Ereignisse also, die außergewöhnlich erscheinen. Doch die Belastung entsteht im Einsatzdienst oft nicht im Ausnahmezustand – sondern im Alltag: Ein Rettungswagen fährt zur Reanimation eines Kindes. Die Feuerwehr wird zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang alarmiert. Die Polizei überbringt eine Todesnachricht. Das Techn...

Sterbehilfe – eine Frage der Menschenwürde und Freiheit - Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020

Image
Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine rein juristischen oder medizinischen Themen. Sie betreffen zutiefst menschliche Fragen: Würde, Schutz, Nähe und Verantwortung. Es geht um Entscheidungen, die existenziell sind – Entscheidungen, die Außenstehende aus ihrer eigenen Sicht vielleicht nicht nachvollziehen können oder nicht mittragen würden. Dennoch bleiben es persönliche Entscheidungen. In diesem Artikel zum sechsten Jahr des Urteils, soll es mehr um die faktische und juristische Seite des Urteils gehen - in meinem anderen Artikel der heute online geht, geht es stärker um die emotionale und menschlichen Seiten und Ebenen - Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung seit 6 Jahren wieder in Deutschland Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 Am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht ein grundlegendes Urteil gefällt. Es hat damit klargestellt und wiederhergestellt, was in Deutschland lange galt und nur für fünf Jahre – von 2015 bis 2020 – durch § 2...

Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung seit 6 Jahren wieder in Deutschland

Image
In 10 Tagen jährt es sich zum sechsten  Mal, dass die Begleitung eines selbstbestimmten Todes in Deutschland rechtlich wieder möglich ist. Damit wurde ein wichtiges Signal gesetzt: Das Lebensende gehört zur persönlichen Freiheit des Menschen. Doch mit dieser Freiheit sind neue Herausforderungen entstanden. In diesem Artikel soll es darum gehen, warum Freitodbegleitung Zeit, Beziehung und das Aushalten von Ambivalenz braucht. Aber auch, dass wo klare Regeln fehlen, Unsicherheit entsteht – für Betroffene, für Angehörige und für all jene, die Menschen in existenziellen Krisen begleiten. Nochmals meine Sicht es fehlt an Regeln und Leitlinien aber nicht ein neues Gesetz. Wer sich mehr, über die faktische und juristische Seite des Urteils vor 6 Jahren informieren will, ich habe heute einen zweiten Artikel dazu zusammengestellt:  Sterbehilfe – eine Frage der Menschenwürde und Freiheit - Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine re...