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20 Jahre Tag der Kinderhospizarbeit – Hinschauen, Zuhören, Mitfühlen

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Heute am 10. Februar 2026 begehen wir den 20. Jahrestag des Tags der Kinderhospizarbeit . Seit 2006 findet  dieser bundesweite Aktionstag statt und läd dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und Solidarität mit Familien zu zeigen, die lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene begleiten. Initiiert vom Deutschen Kinderhospizverein e.V. , macht der Tag auf ein Thema aufmerksam, das oft im Verborgenen bleibt: das Leben und Sterben junger Menschen und die psychische wie praktische Begleitung ihrer Familien. Kinderhospizarbeit ist weit mehr als Trauerarbeit – sie ist Lebens- und Beziehungsarbeit in einer der schwierigsten Situationen, die eine Familie durchleben kann. Eine lebensverkürzende Diagnose verändert das gesamte Familienleben: Rollenverteilungen verschieben sich, Zeit gewinnt eine neue Dimension, Prioritäten verschieben sich, und innere Ressourcen werden auf die Probe gestellt. Diese Erfahrungen berühren emotional, kognitiv und körperlich tief. Die Hospiz...

Moral Ambition – Über Verantwortung, Erschöpfung und die leise Frage nach Sinn

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Ich habe Moral Ambition von Rutger Bregman nicht gelesen, weil ich motivierter oder produktiver werden wollte. Ich habe es gelesen, weil mich sein vorheriges Buch Im Grunde gut sehr berührt hat. Auch dieses Buch hat mich nicht losgelassen. Nach der Lektüre blieb vor allem eine Frage: Wie viel Verantwortung kann ein einzelner Mensch tragen, ohne innerlich müde zu werden? Und meine Antwort darauf ist überraschend klar geworden: wahrscheinlich mehr, als wir oft glauben – gerade weil Verantwortung nicht nur belastet, sondern auch trägt. Oder zumindest, weil es wichtig ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Mentale Gesundheit fühlt sich heute oft an wie ein persönliches Projekt: achtsam sein, Grenzen setzen, resilient bleiben. Und trotzdem bleibt bei vielen von uns ein diffuses Gefühl von Leere oder Überforderung zurück. Nicht, weil wir zu wenig an uns arbeiten – sondern weil wir in einer Gesellschaft leben, die Sinn verspricht, ihn aber selten wirklich erfahrbar macht. Dieses Buch ha...

Zahlen zu Freitodbegleitungen in Deutschland für das Jahr 2025 bzw. neuere Schätzungen

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Zusammenstellung der Zahlen zu Freitodbegleitungen in Deutschland für das Jahr 2025 bzw. neuere Schätzungen, basierend auf verfügbaren Quellen. Leider sind offizielle, amtliche Gesamtstatistiken bisher (Ende Januar 2026) nicht zentral veröffentlicht worden; die derzeit verfügbaren Daten stammen überwiegend aus Vereinsangaben, Pressekonferenzen und Presseberichten. Die Zahlen der letzten Jahre finden Sie hier: Zahlen und Fakten zur Sterbehilfe 2021 bis 2024 Nach Presseberichten finde ich nachfolgende Zahlen: Insgesamt etwa 1.287 assistierte Freitodbegleitungen sollen 2025 in Deutschland stattgefunden haben, wenn man alle Organisationen zusammenzählt. DGHS: 898 Fälle Dignitas Deutschland: ~213 Fälle Verein Sterbehilfe (Hamburg): ~176 Fälle Diese Zahl ist eine Schätzung aus journalistischen Quellen und nicht amtlich bestätigt, aber sie gibt einen breiteren Überblick über die Situation in 2025. 1. Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V. Die DGHS berichtete bei ihrer Presseko...

Pressekonferenz der DGHS vom 29.Jaunuar 2026

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Am 29. Januar 2026 stellte Präsident RA Prof. Robert Roßbruch auf einer Pressekonferenz in Berlin die neue Diskurs- und Informationskampagne der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben vor: „Humanes Sterben. Weil es mein Leben ist.“ Zu finden unter:  www.humanes-sterben.info Es ist eine Kampagne, die nicht laut sein will, aber Gehör und Öffentlichkeit bekommen soll, und einfach nur menschlich sein will. Keine abstrakten Debatten, keine juristischen Schlagworte – sondern Gesichter, Stimmen, Geschichten. Das Herzstück bilden sogenannte Testimonials: Mitglieder der DGHS erzählen in kurzen Videos von jeweils etwa zwei Minuten von ihrem Weg, ihren Gedanken, ihren Gründen. Sie sprechen über Sterbehilfe und Freitodbegleitung, über Selbstbestimmung, Angst, Würde und Verantwortung. Diese Stimmen sind auf www.humanes-sterben.info ebenso zu finden wie in den Social-Media-Kanälen der DGHS und auf YouTube. Sie richten sich ausdrücklich auch an jene Menschen, die sich mit dem Thema Freitodbe...

Einsamkeit im Alter - Das Silbertelefon

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Einsamkeit im Alter ist ein oft unterschätztes Thema – besonders im Zusammenhang mit dem Übergang in den Ruhestand. Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen Beitrag im MOMA des WDR -  Telefonieren gegen einsamkeit im Alter  . Wenn der Job endet, verändert sich mehr als nur der Tagesablauf. Für viele Menschen verschwinden soziale Kontakte, Routinen und das Gefühl von Zugehörigkeit. Was lange selbstverständlich war, fehlt plötzlich. Diese Form der Einsamkeit betrifft nicht nur Alleinlebende, sondern auch Paare. Sie hat direkte Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und sollte nicht tabuisiert werden. Einsamkeit schleicht sich oft leise ins Leben. Besonders dann, wenn ein Lebensabschnitt endet, der viele Jahre getragen hat: der Job. Mit dem letzten Arbeitstag geht für viele Menschen mehr verloren als nur ein Einkommen. Es verschwinden Routinen, Aufgaben, Anerkennung – und vor allem tägliche Begegnungen. Gespräche auf dem Flur, gemeinsames Lachen, kleine Rituale. Dinge, die...

Zwischen Struktur, Sekunden und Seele.

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Im Rettungsdienst zählt jede Sekunde. Entscheidungen fallen unter Druck, Handlungen müssen sitzen, Abläufe greifen. Klare Strukturen, Algorithmen, Handlungsempfehlungen und medizinische Standards sind das Fundament unserer Arbeit. Sie geben Halt, wenn Situationen chaotisch werden. Sie machen es möglich, Leben zu retten, Schaden zu begrenzen und Menschen sicher in weiterführende Versorgung zu bringen. Diese Strukturen sind kein Korsett – sie sind ein Schutz. Für die Patientinnen und Patienten. Und für uns selbst. Seit ein paar Tagen treibt mich der Gedanke um kann es so etwas wie eine 'den Menschen sehende' Notfallversorgung im Rettungsdienst geben? Am Einsatzort liegt der Fokus zunächst auf dem, was lebenswichtig ist: Atemwege sichern, Blutungen stoppen, Schmerzen lindern, Vitalfunktionen stabilisieren. Diese Maßnahmen haben Priorität, und das zu Recht. Sie entscheiden darüber, ob ein Mensch eine Chance hat, diesen Einsatz zu überleben. Und doch wissen wir alle: Damit ist noch ...

Durch Astrid Lindgren's Augen – ein stiller Appell in wahnwitzigen Zeiten „Die Menschheit hat den Verstand verloren“

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„Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ ist weit mehr als eine Dokumentation über eine weltberühmte Autorin. Der Film nähert sich Astrid Lindgren über ihre Kriegstagebücher aus den Jahren 1939 bis 1945. Texte, die sie in den Jahres des Zweiten Weltkriegs schrieb, als Mutter, als Frau, als frühe Feministin. 70 Jahre lang lagen diese Aufzeichnungen verborgen in einem Wäscheschrank. Es ist ein leiser, eindringlicher Film, der mich im Kino tief berührt hat – und der noch lange nachwirkt. Selten habe ich Geschichte so nah erlebt, so menschlich und zugleich so erschreckend aktuell. Heute hören wir darin, durch Astrid Lindgren's Auge und Wahrnehmung, von Angst, Ohnmacht und Fassungslosigkeit – aber auch von innerer Stärke und auch Dankbarkeit. Besonders berührend ist die Nähe, die der Film herstellt: die Gespräche zwischen ihrer Tochter Karin, ihrer Enkelin Annika und ihrem Urenkel Johan. Sie lesen, erinnern, halten inne. Dabei wird deutlich, wie sich Erfahrungen von ...