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Wer sind die Menschen, die sich für den Freitod entscheiden – obwohl sie noch Jahre zu leben hätten?

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Ein Blick nach Belgien und eine Reflexion aus deutscher Perspektive Seit 2020 ist in Deutschland – nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts – die Möglichkeit der assistierten Selbstbestimmung am Lebensende wieder rechtlich eröffnet. Seitdem begleitet mich eine Frage, die auch ein aktueller Artikel der Brussels Times aufgreift: Wer sind die Menschen, die Sterbehilfe erwägen und beantragen, obwohl sie eigentlich noch Jahre zu leben hätten? Belgien zeigt eine stille Entwicklung Belgien hat seit 2002 Erfahrung mit gesetzlich geregelter aktiver Sterbehilfe. Der Artikel beleuchtet eine Zahl, die aufhorchen lässt: 2025 betraf fast jeder vierte Fall (24,9 %) Menschen, deren Tod nicht unmittelbar bevorstand. Es sind also nicht nur sterbende Krebspatienten im Endstadium – es sind Menschen mit Polypathologien, mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, mit beginnender Demenz oder psychischem Leid. Die große Mehrheit (73 %) ist über 70 Jahre alt. Manche hätten, rein medizinisch...

Arnaud Denis – Selbstverantwortlicher Freitod in Belgien

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Der französische Schauspieler, Autor und Regisseur Arnaud Denis ist am 22. September 2026 in Belgien durch aktive Sterbehilfe gestorben. Er wurde 43 Jahre alt. Sein Tod ist für mich nicht einfach eine weitere Nachricht über einen Menschen, der nicht mehr leben wollte. Denn bei Arnaud Denis lässt sich sehr deutlich erkennen, was ich unter einem selbstverantwortlichen, wohlüberlegten Freitod verstehe. Denis war ein erfolgreicher Theatermensch, dreimal für den französischen Theaterpreis Molière nominiert. Dann veränderte sich sein Leben durch eine schwere Erkrankung grundlegend. Er verlor zunehmend seine Selbstständigkeit, konnte seine Arbeit nicht mehr ausüben und war schließlich auf umfassende Hilfe angewiesen. Seine Entscheidung zu sterben entstand dabei offenbar nicht aus einer akuten Krise heraus. Bereits Monate vor seinem Tod hatte er sie getroffen. Im März 2026 sagte er aus einem belgischen Krankenhaus: „Ich habe wirklich alles versucht.“ Er habe lange gehofft, dass sich sein ...

Hitze ist mehr als Wetter – was wir von Europas Hitzeschutz lernen können

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In diesem Artikel möchte ich gerne auf das eingehen, was wir von Europas Umgang mit Hitze lernen können Hitze als Gesundheitskrise verstehen – nicht erst, wenn Rettungsdienste an ihre Grenzen kommen. Die Hitzeperiode Ende Juni 2026 war eine der außergewöhnlichsten der vergangenen Jahre. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) führte sie nach aktuellen Modellschätzungen zu rund 5.100 hitzebedingten Todesfällen in Deutschland. Die tatsächlichen Auswirkungen könnten jedoch noch höher liegen: Das Statistische Bundesamt schätzt für die Kalenderwoche 26 (22.–28. Juni) eine Übersterblichkeit von etwa 6.800 Fällen – also deutlich mehr Todesfälle, als in diesem Zeitraum üblicherweise zu erwarten wären.  Wochenbericht zur Hitzemortalität des RKI   In meinen beiden vergangenen Artikeln habe ich darüber geschrieben, warum mich die aktuellen Außergewöhnlichen Einsatzlagen während der Hitzewelle nachdenklich machen. Nicht die hohen Temperaturen allein beschäftigen mich, sondern das, wa...

Der letzte Schritt – Aktive Sterbehilfe – Blick nach Belgien

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Ich schreibe diesen Artikel heute zum Thema Aktive Sterbehilfe, nach dem ich den Artikel   Sterbehilfe in Belgien: Der Wille, zu sterben | taz.de  von Bernd Müllender in der TAZ gelesen habe. Ich habe der Thema Aktive Sterbehilfe immer wieder schon gestreift und besprochen und will es heute erneut machen. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 hat sich in Deutschland etwas verändert. Nicht laut, nicht plötzlich, aber tiefgreifend. Der Staat darf einem Menschen den selbstbestimmten Wunsch zu sterben nicht grundsätzlich verwehren. Assistierter Sterbehilfe ist möglich geworden. Und doch bleibt das Thema schwer, leise, tastend. Vielleicht, weil es um das Größte geht: um Freiheit, Würde, Angst, Leiden – und um die Frage, wie ein Mensch gehen darf. Wenn man, wenn ich, von Deutschland nach Belgien blickt, blickt man auf ein Land, das einen anderen Weg gegangen ist. Dort ist nicht nur die assistierte Sterbehilfe erlaubt, bei der der sterbewillige Mensch selbst den...

Zwischen Gesetz und Leid: Französische Patienten auf dem Weg zur Sterbehilfe - Letzte Reise nach Belgien

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Die ARTE-Reportage „Re: Letzte Reise nach Belgien – zur Sterbehilfe“  (Autor: Simon Wohlfahrt) begleitet französische Bürger, die aufgrund schwerer, unheilbarer Krankheiten in Belgien Hilfe beim selbstbestimmten Sterben suchen. Während Sterbehilfe in Belgien seit über zwanzig Jahren unter klaren gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt ist, bleibt sie in Frankreich verboten und gesellschaftlich wie politisch stark umstritten. Diese rechtliche Kluft zwingt viele Betroffene dazu, ihr Land zu verlassen, um ihr Leiden selbstbestimmt zu beenden. (in diesem Kontext mein Artikel  Sterbehilfe in Belgien vom Juli 2025  und die zukünftige Änderungen die Ende 2026 in Frankreich in Kraft treten könnten Frankreichs Entscheidung zur Sterbehilfe von Mai 2025 ) Im Mittelpunkt steht unter anderem Valérie, die an der degenerativen Nervenkrankheit ALS leidet. Wie viele andere möchte sie nicht den fortschreitenden Verlust von Kontrolle und Würde erleben. Die Reportage zeigt ihren inneren K...

Zahlen und Fakten zur Sterbehilfe / Freitodbegleitung in Deutschland - Diagnosen, Gründe, Entwicklungen 2021–2024

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Meine Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbewunsch und Freitod ist seit Jahren tiefgehend. Ich versuche mich nicht nur an ethische und philosophische Fragesätzen („ So will ich leben “, „So kann ich leben“ etc. ), sondern suche auch nach und schaue auf realen Erfahrungen und Daten: Wer nutzt Sterbehilfe? Aus welchen Gründen? Welche Trends lassen sich erkennen? Dieser Artikel liefert eine aktualisierte Bestandsaufnahme mit den verfügbaren Daten, ergänzt durch in Studien belegte Einsichten. Die Entscheidungen zum assistierten Sterben sind in der Regel komplex und multiperspektivisch motiviert – weit mehr als nur körperliches Leiden. Die Weiterentwicklung von Gesetz, Beratung, Transparenz und Forschung wird entscheidend sein, um ethisch vertretbare und menschlich angemessene Gestaltung zu ermöglichen. 1. Diagnosen, Gründe und Motivationen 1.1 Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien Es existiert bisher nur begrenzt umfangreiche Forschung, insbesondere für neuere Jahre. Eine oft zitie...

Für ein würdevolles, selbstbestimmtes Lebensende – auch in Tschechien

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In einer aufgeklärten, mitfühlenden Gesellschaft sind Altenpflege, Krankenpflege, Palliativ- und Hospizbetreuung zentrale Säulen der Menschlichkeit. Sie helfen dabei, Krankheit, Schmerz und das Älterwerden in Würde zu ertragen. Doch so notwendig diese Angebote sind, so wichtig ist auch ein anderer Aspekt: die Freiheit, in schwerem, unheilbarem Leiden selbstbestimmt über das eigene Lebensende zu entscheiden. Diese Entscheidung muss immer freiwillig, wohlüberlegt und medizinisch sowie ethisch begleitet getroffen werden – aber sie darf kein Tabu sein . Denn auch ein früher Abschied kann Ausdruck von Autonomie, Würde und innerem Frieden sein. In vielen Ländern der Welt ist dies bereits Realität: In Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Spanien, Kanada und Teilen der USA ... rechtliche Rahmenbedingungen für Sterbehilfe und Hilfe beim Freitod  sind in Arbeit in Großbritannien, Frankreich ... –  Notwendig sind hohen Schutzstandards, gute Suizidprävention,...

Sterbehilfe in Belgien - Update Juli 2025

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Eine Frage die ich oft bekommen  —  Können Ausländer in Belgien Sterbehilfe bekommen? Ja — auch Personen mit ausländischem Wohnsitz erhalten nachweislich Sterbehilfe in Belgien  — aber leicht ist dies nicht. Im Jahr 2024 erhielten laut offiziellen Zahlen 120 ausländische Patienten Sterbehilfe in Belgien; darunter Personen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und weiteren Ländern. Die meisten Menschen, die hier um Sterbehilfe baten, waren Franzosen (106). Die anderen waren 6 Belgier mit Wohnsitz im Ausland, 2 Deutsche, 2 Niederländer, ein Spanier, ein Ungar, ein Portugiese und ein Brite. Die gesetzlichen Bedingungen sind für Ausländer und Belgier dieselben. Das Gesetz verlangt keine belgische Staatsbürgerschaft oder festen Wohnsitz. Wichtig: Dennoch muss ein belgischer Arzt den Antrag bearbeiten — das Verfahren ist identisch. Grundsätze und Bedingungen der Sterbehilfe in Belgien In Belgien ist ärztlich unterstützte Sterbehilfe seit 2002 legal, wenn bestimm...

Die letzte Entscheidung: Was Menschen zur Sterbehilfe bewegt

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Mein Verständnis vom Sterbewunsch und Freitod gründet auf einer intensiven, persönlichen Auseinandersetzung mit meinem Selbstbild, meinen Werten und meiner Definition von Leben, Glück und Würde. Ich habe für mich vier existenzielle Leitsätze formuliert:     „So will ich leben.“     „So ist für mich OK zu leben.“     „So kann ich akzeptieren zu leben.“     „So will ich nicht leben, da es nur noch existieren wäre.“ Diese innere Klärung war Ausgangspunkt für eine vertiefte Recherche: Wie gehen andere Gesellschaften, Länder und Gesundheitssysteme mit dem Sterbewunsch um? Wie hoch ist die Zahl derer, die sich aktiv für einen begleiteten Freitod entscheiden? Und vor allem: Warum? In meiner Auseinandersetzung mit der Situation in Deutschland, nach dem Urteil in 2020 vor 5 Jahren - mit Deutschland, den Niederlanden, Belgien , der Schweiz, Kanada und Oregon (USA) wurde deutlich: Die Motive, die Menschen zur Sterbehilfe bewegen, ähneln sich weltweit – unabh...