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Showing posts with the label menschenwürde

Freiheit braucht auch Orientierung

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Ich habe den Beitrag von Werner H. Ritter gelesen, in dem er sechs Jahre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 auf die Situation des selbstbestimmten Sterbens und insbesondere auf die Haltung der Kirchen zurückblickt. Ich stimme Ritter in sehr vielen Punkten zu – teilweise uneingeschränkt. Besonders seinem Plädoyer für Selbstbestimmung, Menschenwürde und Freiheit kann ich mich anschließen. Zum vollständigen Artikel von Werner H. Ritter  auf schoepfblog.at Ritter ist Theologe und schreibt bewusst aus seiner evangelisch-kritischen Perspektive. Seine Kritik an der Haltung der Kirchen ist deutlich. Auch ich frage mich, ob die Kirchen die Chance genutzt haben, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts einen offenen und differenzierten gesellschaftlichen Dialog zu fördern – oder ob zu sehr der eigene Standpunkt verteidigt wurde. Bei einem Punkt würde ich allerdings etwas anders formulieren: Ob tatsächlich eine „historische Chance“ verspielt wurde, weiß ...

Sterbehilfe in Frankreich: Macron setzt Gesetz für Schwerkranke in Kraft

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Ein guter Tag für die Selbstbestimmung am Lebensende. Der 19. August 2026 ist für mich ein guter Tag. Nicht nur weil der 19.August der Welttag der humanitären Hilfe ist. An diesem Mittwoch wurde das französische Gesetz zur „Aide à mourir“ – zur Hilfe beim Sterben – offiziell im französischen Amtsblatt veröffentlicht. Damit tritt das Gesetz, von dem ich Mitte Juli bereits im Detail berichtete habe, so in Frankreich nun in Kraft. (Siehe: Frankreich beschließt Gesetz zur Sterbehilfe – Nationalversammlung stimmt mit Mehrheit zu )  Frankreich gehört damit zu den Ländern, die schwer und unheilbar kranken Menschen unter bestimmten und streng geregelten Voraussetzungen die Möglichkeit geben, selbst über das Ende ihres Lebens zu entscheiden. Ich sage ganz bewusst: Ich freue mich darüber. Ich weiß, dass dieser Satz bei manchen Menschen Widerspruch hervorrufen wird. Sterbehilfe ist ein Thema, bei dem es um Leben und Tod geht, um Krankheit, Verzweiflung, Hoffnung und menschliche Würde. E...

Q&A - Mein Engagement für das Sterben in Würde

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Ich habe ja mittlerweile die häufigsten und drängendsten Fragen beantwortet, wenn ich den Überblick nicht verloren habe. 😏 Häufig kam als Folgefrage oder als unterschwellige Frage die nach dem Antrieb und Engagement.  Darauf könnte ich schlicht antworten: „Ich engagiere mich für die Sterbehilfe bei Freitodwünschen, weil es mir um Menschlichkeit geht – darum, den Menschen zu sehen, den einzelnen Menschen zu verstehen. Erst daraus kann wirkliche Hilfe entstehen.“ Das beschreibt zwar den Kern meines Antriebs, aber eigentlich ist es nicht nur mein persönlicher Antrieb. Wenn ich andere Helfende richtig verstanden habe, ist genau das die Motivation der allermeisten Menschen, die bereit sind zu helfen. Aber da ist noch mehr. Mir geht es auch darum, Ängste und Unwissen abzubauen – auf vielen gesellschaftlichen Ebenen. Mein Engagement richtet sich an Betroffene, an die Gesellschaft, aber ebenso an Politikerinnen und Politiker, die aus unterschiedlichsten Motiven ein „Sterbegesetz“ formulie...

Ethik im Ausnahmezustand der Wiederbelebung – Mut, Würde, Haltung: Was Reanimation von uns verlangt

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https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/8_Grafik_3Schritte.pdf Anlässlich des Red Cross Month  im März der vor allem in den Vereinigten Staaten begangen wird – der vor allem der Würdigung von Ehrenamtlichen und der Förderung von Blutspenden, Katastrophenhilfe und Erste-Hilfe-Ausbildung dient aber auch der Erinnerung wie wichtig Reanimations ist – schreibe ich diesen Artikel mit einem Blick auf Mentale Aspekt und Ethik. Ich habe in meinem Leben viele Herzen schlagen sehen. Und ich habe erlebt, wie manche wieder zu schlagen begannen. Aber ich habe auch neben Menschen gekniet, bei denen es still blieb. Ich erinnere mich an Wohnzimmer mit Familienfotos an der Wand, an enge Flure, an kalte Asphaltstraßen im Regen. Ich erinnere mich an Hände, die meine Jacke oder unsere Rettungsdienstkoffer festhielten, während wir um Sekunden kämpften. Ich arbeitete  als Rettungssanitäter und als Sanitätssoldat - und nun im Alter, noch etwas Motorradstaffel und Sanitä...

Menschliche Nähe - Gedanken zum Welthospiztag 2025

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Gedanken zum Welthospiztag – am Tag nach dem World Mental Health Day Gestern stand die seelische Gesundheit im Mittelpunkt. Weltweit wurde am 10. Oktober über psychische Belastungen gesprochen, über unsichtbare Wunden, über die Bedeutung von Zuhören, Empathie und echter Verbindung – mit anderen und mit uns selbst. Heute, am 11. Oktober, ist Welthospiztag. Und vielleicht liegt darin kein Zufall, sondern ein stiller Zusammenhang. Denn beide Tage erzählen auf ihre Weise vom Menschsein. Vom Zerbrechlichen. Vom Mut, dazubleiben, wenn es schwer wird. Während draußen der Alltag rauscht, gibt es Orte, an denen die Zeit stiller wird. Orte, in denen Menschen nicht mehr nach vorne planen, sondern in den Moment eintauchen. Nicht, weil Hoffnung verloren ist – sondern weil das Jetzt noch etwas zu bewahren hat:  Nähe. Würde. Letzte Dinge. In einem Hospiz geht es nicht um Heilung im klassischen Sinn. Es geht um das, was heilt, ohne zu heilen. Um Zuwendung. Um Haltung. Um das tiefe Wissen: Du ...

Organspende im Kontext von Sterbehilfe – Ethische und Rechtliche Grenzen

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In Deutschland warten jährlich viele Menschen auf ein Spenderorgan – doch die Zahl der tatsächlichen Organspenden bleibt gering. Zugleich wächst das öffentliche Bewusstsein für das Recht auf ein selbstbestimmtes und würdiges Sterben , insbesondere bei schweren, unheilbaren Erkrankungen oder dauerhaft leidvollen Lebenssituationen. In 2 von 3 Beratungen und somit in meiner Wahrnehmung in sehr vielen Gesprächen, kommen die Anfragenden indirekt oder direkt zur Frage. "Kann ich auch meine Organe spenden?" Immer häufiger stellt sich daher die Frage zur Organspende: Ist eine Organspende auch nach einer freiwilligen und wohlerwogenen Entscheidung zum Freitod möglich?  Die Frage und Antwort ist gleichermaßen komplex – medizinisch, rechtlich und ethisch. In Deutschland nicht möglich, weil dazu die aktive Sterbehilfe erlaubt und möglich sein muss. Und auch in den Ländern mit der aktive Sterbehilfe nur selten wegen den Hürden die auch dort zu durchlaufen sind - Zahlen haben ich, siehe u...

Gedanken zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9. August

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Mentale Gesundheit und indigene Identität – Warum der 9. August uns alle angeht Der 9. August ist der Internationale Tag der indigenen Völker – ein Anlass, um indigene Kulturen in Zentrum unserer Aufmerksamkeit zu rücken / zu nehmen. Aber auch ein Tag, um genau hinzuschauen: auf eine Geschichte von Ausgrenzung, Verlust – und auf die seelischen Folgen, die bis heute da sind, spürbar sind. Die mentale Gesundheit indigener Menschen ist oft geprägt von historischen Traumata. Über Generationen hinweg wurden Gemeinschaften kolonisiert, entrechtet und ihrer Kultur beraubt. Viele dieser Verletzungen sind nicht nur Vergangenheit – sie wirken bis heute nach: in Form von Depressionen, Angst, Sucht oder Suizidalität. Die psychischen Belastungen sind global – von den Sámi im Norden Europas über die Adivasi in Indien bis zu den First Nations in Kanada. Und doch bleibt psychische Gesundheit in diesen Kontexten oft unsichtbar. In vielen Regionen fehlt es an kulturell passenden Angeboten, an Verständni...

Plädoyer für Selbstbestimmung und Menschenrechte - Ein Fall aus Lippstadt

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Wenn religiöse Dogmen über medizinische Ethik und individuelle Selbstbestimmung gestellt werden, ist nicht nur das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit in Gefahr – sondern auch die Würde des Menschen. Der Fall von Prof. Dr. Joachim Volz in Lippstadt ist ein Weckruf an Politik und Gesellschaft. Seit dem 1. Februar 2025 gilt am Christlichen Klinikum Lippstadt ein pauschales Verbot für reguläre Schwangerschaftsabbrüche – selbst bei medizinischer Indikation. Betroffen ist nicht nur die stationäre Versorgung im Krankenhaus, sondern auch die Tätigkeit des Chefarztes Prof. Dr. Joachim Volz in seiner kassenärztlichen Praxis. Die katholischen Träger des Klinikums setzten diese Regelung im Zuge einer Fusion mit einem evangelischen Krankenhaus durch – als Bedingung für das wirtschaftliche Zusammengehen. Ein Krankenhaus darf kein Ort der Bevormundung sein. Es ist ein Fall, der tief in das Selbstverständnis eines säkularen Staates eingreift, wie ich es sehe. Prof. Volz klagt gegen das Verbot –...

Plädoyer für eine gute Gesellschaft: Ein würdevoller Umgang mit Leben und dem Sterben

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In einer guten Gesellschaft sollten wir stets die Würde und Autonomie des Einzelnen respektieren, besonders in den dunkelsten und herausforderndsten Zeiten des Lebens. Menschen, die mit schweren Krankheiten oder intensivem Leid konfrontiert sind, verdienen unser tiefstes Mitgefühl und unsere unterstützende Begleitung. Es ist von zentraler Bedeutung, jedem Menschen die Freiheit und den Raum zu gewähren, ihre Entscheidungen über Leben und Sterben selbstbestimmt zu treffen. Wie Stephen Hawking und Terry Pratchett hervorgehoben haben, sollte das Recht bestehen, das eigene Leben in Würde und Frieden zu beenden, wenn einem unheilbares oder unerträgliches Leiden oder Krankheit auferlegt ist. Diese Entscheidung entsteht aus der intimsten und tiefsten Auseinandersetzung eines Menschen mit seiner eigenen Existenz und verdient unsere vollste Anerkennung und unseren Respekt. Es hat sich gezeigt, dass die Möglichkeit der selbstbestimmten Lebensbeendigung nicht nur eine Frage der medizinischen Verso...

76 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

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Vor 76 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen (UN) am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Jedes Jahr wird seit dem daran erinnert, wie wertvoll die Menschenrechte sind und dass sie geschützt werden müssen.  "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." So lautet Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Für mich beschreibt es den grundsätzlichen Ansatz, das Bestreben, das Leben und die Gesundheit von Jeder und Jedem zu achten, zu schützen und der unverhandelbar Würde, der individuellen Würde eines jeden Menschen Achtung zu verschaffen.  Was bedeutet Würde eigentlich für mich?  Da für mich Würde unverhandelbar ist und individuell - und muss leider doch die allgemeine Menschenwürde und auch die individuelle Würde immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Fragt man verschiedene Menschen, was Würde für sie bedeutet, zitiert nahezu jeder: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aber was genau bedeutet ...

Die Menschlichkeit in der Medizin und Pflege: Herausforderung und Notwendigkeit der Empathie

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Die Frage nach der Rolle des Menschen in der heutigen Medizin und Pflege, die zunehmend nach ökonomischen Gesichtspunkten strukturiert ist, berührt tiefgehende ethische und gesellschaftliche Probleme. Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens stellt die Medizin und Pflege bis hin zur palliativen Pflege und Hospizpflege vor eine Reihe von Herausforderungen, die den zwischenmenschlichen Aspekt der Behandlung gefährden können. Meine Gedanken dazu ... Der Patient in der ökonomisch strukturierten Medizin und Pflege In vielen modernen Gesundheitssystemen spielt der Patient zunehmend eine sekundäre Rolle in der Entscheidungsfindung, die stark durch ökonomische Überlegungen, Effizienz und Kosten-Nutzen-Rechnungen geprägt ist. Während in der Vergangenheit die Arzt-Patienten-Beziehung und die individuelle Behandlung oft im Vordergrund standen, ist der Patient heute nicht selten Teil eines „Behandlungssystems“, das durch Leistungskennzahlen und wirtschaftliche Optimierung beeinflusst wi...