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Showing posts from June, 2026

Wenn das Helfen an seine Grenzen kommt

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In den vergangenen Tagen wurde in mehreren Regionen Deutschlands aufgrund der anhaltenden Hitzewelle eine Außergewöhnliche Einsatzlage (AEL) ausgerufen. Ehrenamtliche der Hilfsorganisationen unterstützten Krankenhäuser, Rettungsdienste und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. Mir sind entsprechende Lagen unter anderem aus Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen bekannt. Solche Meldungen verschwinden oft schnell wieder aus den Nachrichten. Für viele sind sie kaum mehr als eine Randnotiz. Mich machen sie nachdenklich. Nicht, weil außergewöhnliche Einsatzlagen etwas Neues wären. Sondern weil sie immer häufiger sichtbar machen, was viele Menschen im Gesundheitswesen schon lange erleben: Unsere Systeme funktionieren – aber oft nur noch, weil Menschen weit über das hinausgehen, was eigentlich dauerhaft leistbar ist. Seit meinem 15. Lebensjahr engagiere ich mich im Ehrenamt. Vor rund vierzig Jahren war ich hauptamtlich als Rettungssanitäter tätig. Heute bin ich weiterhin als...

Tipps für das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten (update zu 2023)

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In den vergangenen Artikeln habe ich beschrieben, warum Freiverantwortlichkeit nicht erst mit einem Gutachten beginnt, sondern das Ergebnis eines über längere Zeit dokumentierten Entscheidungsprozesses ist. Durch den Kommentar einer Leserin wurde ich daran erinnert, dass ich bisher einen wichtigen Aspekt noch nicht aufgegriffen habe: Wie beginnt man überhaupt ein solches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt? Wie spricht man das Thema an, ohne Missverständnisse entstehen zu lassen? Das tat ich aber vor etwa 3 Jahren in einem eigenständigen Artikel ( Tipps für das Gespräch mit Ärztinnen oder Ärzte ) den ich heute ergänzen und durch drei Jahre Erfahrung anders schreiben würde und werde. Gerade das erste Gespräch ist oft wichtiger, als viele denken. Es kann den Grundstein für eine vertrauensvolle ärztliche Begleitung legen – oder zeigen, dass diese Ärztin oder dieser Arzt nicht der richtige Ansprechpartner für dieses Thema ist. Wie so oft im Leben prägt der erste Eindruck den weiteren...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 4 - Von der Dokumentation zur Rechtssicherheit – warum frühzeitige Gespräche alle Beteiligten schützen

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Je intensiver ich mich mit dem Thema Sterbehilfe und damit immer mit der Freiverantwortlichkeit beschäftige, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass wir häufig erst dann beginnen, über Sterben und Sterbehilfe zu sprechen, über die Feststellung der Freiverantwortlichkeit  nachzudenken, wenn eine Entscheidung bereits unmittelbar bevorsteht. Ich sehe dies in der Begleitung und Information rund um die Sterbehilfe die ich in Einrichtungen mache, bei meinen Blaulichtkollegen und auch bei meinen Beratungen von Arztpraxen.  Eigentlich müsste genau das Gegenteil der Fall sein. Freiverantwortlichkeit entsteht nicht an einem Tag Ein Sterbewunsch entwickelt sich in den seltensten Fällen von heute auf morgen. Weil wenn dies der Fall ist sind wir in aller Regel im Bereich der Suizidalität. Freitodwünsche entstehen über Monate oder eher meist über Jahre – bei meiner Frau waren es über 10 fast 11 Jahre. In dieser Zeit sprechen viele Betroffene mit ihrem Hausarzt, mit behandelnden ...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 3 - Wie prüfen Ärztinnen und Ärzte die Freiverantwortlichkeit?

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Nachdem ich in den beiden vorhergehenden Beiträgen erläutert habe, warum Freiverantwortlichkeit bereits lange vor einem möglichen Gutachten entsteht und worin sich eine ärztliche Bescheinigung von einem Gutachten unterscheidet, möchte ich nun die eigentliche Frage beantworten. Wie wird Freiverantwortlichkeit in der Praxis überhaupt geprüft? Viele Menschen stellen sich darunter ein einzelnes Gespräch oder einen kurzen psychiatrischen Test vor. Tatsächlich ist eine sorgfältige Prüfung deutlich umfangreicher, was meine Leser des zweiten Artikel sicherlich bereits erahnt haben. Sie besteht in der Regel aus mehreren Gesprächen, wenn mir auch einige Fälle die alle den Freitodweg gegangen sind die nur ein oder zwei Gespräche hatten, medizinischen Einschätzungen und einer nachvollziehbaren Dokumentation. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Nicht die Entscheidung eines Menschen zu bewerten, hier besteht bei den meisten Sterbewilligen ein Missverständnis, sondern festzustellen, ob diese Entscheid...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 2 - Bescheinigung oder Gutachten? Was ist der Unterschied – und wann ist was sinnvoll?

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Nachdem ich im ersten Beitrag erläutert habe, warum Freiverantwortlichkeit nicht erst am Tag einer Begutachtung entsteht, sondern idealerweise über einen längeren Zeitraum ärztlich begleitet und dokumentiert wird, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage: Braucht es am Ende immer ein psychiatrisches Gutachten – oder kann auch eine ärztliche Bescheinigung ausreichen? Diese Frage beschäftigt viele Betroffene ebenso wie Ärztinnen und Ärzte. Die Antwort ist jedoch weniger einfach, als häufig angenommen wird. Das Ziel ist bei beiden identisch Ob Gutachten oder Bescheinigung – beide verfolgen letztlich denselben Zweck: Sie sollen nachvollziehbar dokumentieren, dass eine Person ihre Entscheidung frei, ernsthaft, informiert und eigenverantwortlich getroffen hat. Geprüft werden dabei dieselben wesentlichen Kriterien: Einsichts- und Urteilsfähigkeit, Freiheit von äußerem Druck, Dauerhaftigkeit und Stabilität des Sterbewunsches, informierte Entscheidung nach umfassender Aufklärung. Der Untersc...

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 1 - Freiverantwortlichkeit beginnt nicht erst mit einem Gutachten

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Freiverantwortlichkeit beginnt nicht erst mit einem Gutachten Wenn darüber diskutiert wird, ob für eine Freitodbegleitung zwingend ein psychiatrisches Gutachten erforderlich ist. Dabei wird häufig die falsche Frage gestellt. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob am Ende ein Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. Entscheidend ist vielmehr, ob die Freiverantwortlichkeit eines Menschen sorgfältig, nachvollziehbar und über einen angemessenen Zeitraum dokumentiert werden konnte oder kann. Freiverantwortlichkeit entsteht nicht an dem Tag, an dem ein Gutachter den Patienten zum ersten Mal sieht. Sie zeigt sich häufig bereits lange zuvor – in vielen Gesprächen mit Hausärzten, behandelnden Fachärzten, Psychologen oder anderen Personen bei denen man in Behandlung ist. Wer frühzeitig offen über Gedanken und Wünsche spricht, über was einen selbst Leben lebenswert macht, und dann in diesem Zug und Zusammenhang ausspricht, diskutiert was dies alles nicht ist, und was die eigene Wer...

Hitze ist nicht nur unangenehm – sie kann lebensgefährlich werden (Serie zur Hitze 3/3)

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Wenn die Temperaturen über mehrere Tage hoch bleiben, bedeutet das für unseren Körper Schwerstarbeit. Um die Körpertemperatur konstant zu halten, verlieren wir viel Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe. Wer zu wenig trinkt, dessen Blut wird konzentrierter und fließt weniger gut. Dadurch steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, Blutgerinnsel, Schlaganfälle und Herzinfarkte. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Demenz, Schwangere und Haustiere. Gerade ältere Menschen und Menschen mit Demenz verspüren häufig weniger Durst. Deshalb trinken sie oft zu wenig, ohne es selbst zu bemerken. So schützt ihr euch und andere 💧 Trinkt regelmäßig Wasser – auch ohne Durstgefühl. 🥗 Esst lieber mehrere kleine, leichte Mahlzeiten statt schwerer Speisen. 🚫 Verzichtet möglichst auf Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke. ☀️ Meidet die direkte Sonne, besonders zwischen 11 und 17 Uhr. 👒 Tragt helle, luftige Kleidung und schützt euren Kop...

Wenn Hitze auf die Psyche trifft (Serie zur Hitze 2/3)

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An heißen Sommertagen hören wir immer wieder dieselben Empfehlungen: viel trinken, die Mittagssonne meiden, körperliche Anstrengung reduzieren. Das ist wichtig – aber Hitze wirkt nicht nur auf unseren Körper. Sie beeinflusst auch unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten. Vielleicht kennst du das selbst. Du schläfst seit einigen Nächten schlecht, weil die Wohnung nicht abkühlt. Tagsüber fehlt die Energie, Kleinigkeiten bringen dich schneller aus der Ruhe und selbst einfache Aufgaben fühlen sich anstrengend an. Man ist gereizter, ungeduldiger oder erschöpft, ohne genau sagen zu können, warum. Das ist keine Einbildung. Unser Körper arbeitet bei großer Hitze ständig daran, seine Temperatur zu regulieren. Dieser zusätzliche Energieaufwand kostet Kraft. Gleichzeitig führt schlechter Schlaf dazu, dass unser Gehirn Stress schlechter verarbeitet. Emotionen werden intensiver erlebt, die Konzentration sinkt und unsere Belastbarkeit nimmt ab. Menschen mit psychischen Erkrankungen spüren diese ...

Wenn Hitze mehr ist als Sommerwetter (Serie zur Hitze 1/3)

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Draußen ist es heiß – über 36, 37 Gradam Wochenende oll die 4 vorne stehen, gefühlt oft noch mehr. Für viele bedeutet das Sommer, Sonne und Zeit im Freien. Ich selbst bin eher Wintermensch. Als ehemaliger Schlittenhundler liegt mir Kälte einfach näher. Der Sommer ist für mich in Ordnung – aber extreme Hitze hat immer auch eine andere Seite. Ich selbst nehme solche Tage auch aus der Perspektive des Rettungsdienstes wahr. Ich denke an solchen Tagen auch an meine Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst und an die Einsätze, die bei diesen Temperaturen deutlich anstrengender werden. Denn im Einsatz zeigt sich schnell: Die Belastung durch Hitze ist nicht theoretisch. Sie ist körperlich spürbar – bei jedem Schritt, bei jeder Bewegung, bei jeder Minute im Einsatz. Seit vielen Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich im Rettungsdienst wieder, sowie in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Außerdem bin ich Teil der Motorradstaffel des ASB Karlsruhe. Diese unterschiedlichen Aufgaben haben...

Sterbehilfe zwischen Freiheit und Verantwortung – Was Quebec uns lehren kann

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Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung – Was wir von Quebec lernen können Zwei Artikel der New York Times vom 23. Juni 2026, über die Entwicklung der Sterbehilfe in der kanadischen Provinz Quebec haben mich in den vergangenen Tagen besonders beschäftigt - Online konnte ich ich sie nicht finden. Die Berichte beleuchten Quebecs weltweite Vorreiterrolle beim assistierten Sterben und die wachsende gesellschaftliche Debatte darüber. Sie haben mich dazu angeregt, über Chancen, Grenzen und mögliche Folgen dieser Entwicklung nachzudenken – und schließlich diesen Artikel zu schreiben. Als Befürworter der Sterbehilfe halte ich es für richtig, dass Menschen selbst über ihr Leben und  Lebensende entscheiden dürfen. Das Recht auf ein würdevolles und selbstbestimmtes Sterben ist für mich Ausdruck menschlicher Freiheit und Würde. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Quebec, dass jede gesellschaftliche Öffnung für Sterbehilfe neue Fragen aufwirft. Die dortige Entw...

Fachliche Empfehlungen zur Suizidprävention: ein wichtiges Papier, das gehört werden sollte

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Über LinkedIn bin ich auf die „Fachlichen Empfehlungen für eine Verbesserung der Suizidprävention in Deutschland“ aufmerksam geworden, durch Ute Lewitzka , Expertin für Suizidologie und Suizidprävention sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Ich habe das Papier mit großem Interesse gelesen – und vor allem mit großer Wertschätzung für die Arbeit der beteiligten Fachleute. Denn dieses Empfehlungspapier macht wieder einmal so deutlich: Suizidprävention ist keine Randaufgabe, kein kurzfristiges Projekt und auch keine rein medizinische Frage. Suizidprävention ist eine gesamtgesellschaftliche, gesundheitspolitische und strukturelle Daueraufgabe. Hinter jedem Suizid stehen nicht nur Zahlen, sondern Menschenleben – und ein großes Umfeld aus Angehörigen, Freund*innen, Kolleg*innen und Helfenden, das häufig langfristig mitbetroffen ist. Das Papier benennt acht zentrale Baustellen, wenn ich mich nicht vertue, sehr klar: Es fordert unter anderem eine bundesweit koordinierte und ...

Fünf Jahre Sommersonnenwende

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Fünf Jahre Sommersonnenwende. Heute vor fünf Jahren wurde meine Frau beigesetzt. Der 21. Juni '21 war kein zufälliges Datum. Sie hatte sich die Sommersonnenwende gewünscht. Den längsten Tag des Jahres. Das Licht. Fünf Jahre sind vergangen. Vieles hat sich verändert. Das Leben ist weitergegangen, wie das Leben es immer tut. Und doch gibt es Tage wie diesen, an denen die Zeit für einen Moment anders fließt. Trauer ist seltsam - Trauer ist normal. Trauer verschwindet nicht einfach. Sie wird nicht irgendwann abgeschlossen, nicht abgelegt wie ein Buch, das man zu Ende gelesen hat. Sie verändert ihre Form. Aus den großen Wellen werden kleine (vielleicht deshalb sitze ich gerne Sonntagmorgens am Rhein und schau den Wellen zu). Aus dem Schmerz, aus der ‚dunklen Wolke‘ werden einzelne Momente, werden Schwaden. Ein Lied. Ein Geruch. Ein Gedanke. Ein Datum im Kalender. Auch nach fünf Jahren gibt es diese kleinen Stücke von Trauer noch. Und das ist in Ordnung. Denn Trauer ist nichts anderes al...

Zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung – Gedanken zur Debatte über Sterbehilfe

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Das Interview in der Frankfurter Rundschau mit Frau Dr. Ute Lewitzka hat mich nachdenklich gemacht. In vielen Punkten kann ich ihren Ausführungen zustimmen. In anderen Punkten sehe ich die Situation anders. Link zu Artikel in der FR vom 19.Juni 2026 ...  Forscherin: „Suizidassistenz droht, zu einer gesellschaftlich akzeptierten Standardlösung zu werden“ Gerade deshalb halte ich eine sachliche Diskussion für wichtig. Die Debatte um Sterbehilfe gehört zu den sensibelsten Themen unserer Zeit. Sie berührt Fragen von Selbstbestimmung, Menschenwürde, Krankheit, Alter, Pflege und gesellschaftlicher Verantwortung. Ein Punkt, bei dem ich Frau Dr. Lewitzka uneingeschränkt zustimme, ist die mangelnde Datenlage. Es ist erstaunlich, dass in Deutschland assistierte Sterbehilfe und andere Formen der Selbsttötung statistisch bislang nicht sauber voneinander getrennt erfasst werden. Wer politische Entscheidungen treffen möchte, braucht belastbare Daten. Ohne eine verlässliche Datengrundlage beweg...