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Showing posts with the label Ambivalenz

Weg zur Freiverantwortlichkeit - Teil 3 - Wie prüfen Ärztinnen und Ärzte die Freiverantwortlichkeit?

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Nachdem ich in den beiden vorhergehenden Beiträgen erläutert habe, warum Freiverantwortlichkeit bereits lange vor einem möglichen Gutachten entsteht und worin sich eine ärztliche Bescheinigung von einem Gutachten unterscheidet, möchte ich nun die eigentliche Frage beantworten. Wie wird Freiverantwortlichkeit in der Praxis überhaupt geprüft? Viele Menschen stellen sich darunter ein einzelnes Gespräch oder einen kurzen psychiatrischen Test vor. Tatsächlich ist eine sorgfältige Prüfung deutlich umfangreicher, was meine Leser des zweiten Artikel sicherlich bereits erahnt haben. Sie besteht in der Regel aus mehreren Gesprächen, wenn mir auch einige Fälle die alle den Freitodweg gegangen sind die nur ein oder zwei Gespräche hatten, medizinischen Einschätzungen und einer nachvollziehbaren Dokumentation. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Nicht die Entscheidung eines Menschen zu bewerten, hier besteht bei den meisten Sterbewilligen ein Missverständnis, sondern festzustellen, ob diese Entscheid...

Freiheit, Schutz, Würde: Drei Perspektiven auf die Sterbehilfe-Debatte – Erfahrungen, Realität und Spannungsfelder – Artikel 1 von 2

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Viele Debatten über Sterbehilfe kreisen um Grundsatzfragen: Schutz oder Selbstbestimmung, Fürsorge oder Freiheit. Oft werden Positionen dabei zugespitzt, vereinfacht oder gegeneinander gestellt. Meine Perspektive ist eine andere – geprägt durch persönliche Erfahrung, viele Gespräche und die Auseinandersetzung mit den realen Lebenssituationen von Menschen am Lebensende. In vier Teilen möchte ich diese Perspektive entfalten: Im ersten Teil geht es um meine eigene Geschichte und die Frage, warum Selbstbestimmung für mich auch am Lebensende zentral ist – und welche Rolle Würde dabei spielt. Der zweite Teil richtet den Blick auf die Realität von Sterbewünschen: ihre Widersprüchlichkeit, ihre Entwicklung über Zeit und die Bedeutung von Alternativen wie Palliativmedizin und Unterstützungssystemen. Im dritten,  vierten und letzten Teil   geht es schließlich um die gesellschaftliche und politische Debatte – um das Urteil des Bundesverfassungsgericht, unterschiedliche Positionen, intern...

Selbstbestimmt leben, und über das Lebensende sprechen – 3 Szenarien / Erfahrungsbeispiele zur Sterbehilfe

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Wenn Menschen sich mit Freitod oder assistierter Sterbehilfe beschäftigen, geschieht das meist nicht plötzlich, sondern in einem längeren inneren Prozess. Am Anfang stehen oft grundlegende Fragen nach Leben, Würde und Selbstbestimmung. Es geht darum, die eigene Haltung zu verstehen, Möglichkeiten zu prüfen und Grenzen für sich zu definieren. Dieser Weg ist individuell, oft von Unsicherheit und Ambivalenz geprägt und verlangt Zeit sowie ehrliche Auseinandersetzung. Mit diesem Artikel möchte ich einen Einblicke in typische Gedanken, Gespräche und mögliche Verläufe anhand beispielhafter Szenarien / Erfahrungsbeispiele geben. Wenn Menschen über Freitod oder assistierte Sterbehilfe nachdenken, geht es selten um eine spontane Entscheidung. Vielmehr ist es ein Prozess, der oft leise beginnt – mit inneren Fragen, Zweifeln und dem Wunsch, das eigene Leben und dessen Ende bewusst zu verstehen und zu gestalten. Was ist Leben? Was ist mein Leben? Was bedeutet Würde – und was bedeutet meine ...

Sterbehilfe zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung seit 6 Jahren wieder in Deutschland

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In 10 Tagen jährt es sich zum sechsten  Mal, dass die Begleitung eines selbstbestimmten Todes in Deutschland rechtlich wieder möglich ist. Damit wurde ein wichtiges Signal gesetzt: Das Lebensende gehört zur persönlichen Freiheit des Menschen. Doch mit dieser Freiheit sind neue Herausforderungen entstanden. In diesem Artikel soll es darum gehen, warum Freitodbegleitung Zeit, Beziehung und das Aushalten von Ambivalenz braucht. Aber auch, dass wo klare Regeln fehlen, Unsicherheit entsteht – für Betroffene, für Angehörige und für all jene, die Menschen in existenziellen Krisen begleiten. Nochmals meine Sicht es fehlt an Regeln und Leitlinien aber nicht ein neues Gesetz. Wer sich mehr, über die faktische und juristische Seite des Urteils vor 6 Jahren informieren will, ich habe heute einen zweiten Artikel dazu zusammengestellt:  Sterbehilfe – eine Frage der Menschenwürde und Freiheit - Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine re...

Ambivalenzen rund um die Sterbehilfe

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Zu Sterben, sich das Leben zu nehmen, jemanden zu helfen zu sterben ist unwiderruflich - es gibt keine Möglichkeit, sich danach anders zu entscheiden.  Ich wünschte ich könnte dies so schreiben und dafür zu sorgen, sicher zu stellen, dass Sie als Leser nun zunächst einen Moment oder länger über genau diese Aussage nachzudenken. Bitte tun Sie es. < Denkpause Bitte> Ambivalenz - das Erleben von inneren Konflikten Die Bedeutung von Ambivalenz ist weitreichend und beeinflusst unser tägliches Leben auf vielfältige Weise. Der Begriff „Ambivalenz“ beschreibt den Zustand, in dem wir zwiegespalten sind und gleichzeitig positive und negative Reaktionen oder Emotionen gegenüber einer Person, Situation, einem Objekt oder einer Idee empfinden. Dieses Konzept spiegelt die komplexen und vielschichtigen Aspekte unserer menschlichen Gedanken und Emotionen wider. Als Ambivalenzkonflikt bezeichnet einen Konflikt, bei dem ein angestrebtes Ziel sowohl positive als auch negative Aspekte aufweist. ...

„Ein ganzes halbes Jahr“ – Liebe, Leben und die Freiheit zu bleiben oder zu gehen

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Die britische Regisseurin Thea Sharrock brachte mit Ein ganzes halbes Jahr die gleichnamige Romanvorlage von Jojo Moyes in Filmform – eine gefühlvolle Liebesgeschichte, die zugleich ein intensives Licht auf ein gesellschaftliches Tabuthema wirft: dem selbstbestimmten Sterben - der Sterbehilfe. Worum geht’s? Will Traynor (Sam Claflin) war ein lebenshungriger, erfolgreicher junger Mann, bis ein Unfall sein Leben für immer veränderte. Seit zwei Jahren sitzt er querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Gefangen im eigenen Körper, seiner Selbstständigkeit beraubt, trägt er einen Entschluss in sich: Er möchte sein Leben in der Schweiz mithilfe von Sterbehilfe beenden. In diese innere Ausweglosigkeit platzt Louisa „Lou“ Clark (Emilia Clarke) – eine bunte, lebensfrohe junge Frau, die als seine Pflegerin eingestellt wird. Zwischen Lou und Will entwickelt sich eine Beziehung, die weit über das hinausgeht, was man eine klassische Romanze nennen würde. Sie lachen miteinander, streiten, wachsen – und s...

Suizidalität ist keine Krankheit - Gedanken und Hinweise zu Suizidalität und Freitod-Gedanken

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Suizidalität ist keine Krankheit,, sondern ein Zeichen für ein tiefgreifendes, zugrunde liegendes Problem. Sie kann das Endresultat einer mentalen seelischen Entwicklung sein, in der Gefühle der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit überwiegen, in einer Spirale sich verwickeln und verknotet und absackt. Menschen mit Suizidgedanken fühlen sich oft innerlich zerrissen und haben gemischte Gefühle in Bezug auf ihren Wunsch zu sterben. Auf der einen Seite sehen sie ihr Leben als unerträglich schmerzhaft an und wünschen sich dessen Beendigung, auf der anderen Seite spüren sie einen Selbsterhaltungstrieb, haben Angst vor den möglichen Schmerzen eines Selbstmordversuchs und sind unsicher über die Folgen ihrer Handlungen. Für diese Menschen erscheint die Option einer Veränderung ihres aktuellen Lebens und eines Neuanfangs bei akuter Suizidalität oft nicht als realistisch; Selbstmord erscheint ihnen als der einzige Ausweg. Da Suizidalität sich auf viele verschiedene Arten – oder auch gar nicht – m...

Ambivalenz hinsichtlich des Wunsches zu leben oder zu sterben ist ein grundlegendes Merkmal eines Jeden

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Menschen, die über ihren eigenen Tod nachdenken, haben meist eine beträchtliche Geschichte von Krankheit, Ängsten, Hoffnungen, Trauer und Verlust hinter sich. Sich das Leben zu nehmen ist unwiderruflich - es gibt keine Möglichkeit, sich danach anders zu entscheiden. Es muss klar sein, dass es nach dem biologischen Tod keinen Weg zurück gibt. Und diesen schweren Entscheidungsprozess machen Gegner zu einem Vorwurf, wird oft von Kritikern kritisiert.  Die Entscheidungen eines Menschen sowie seine Ansichten, Äußerungen und Verhaltungen basieren auf vielen verschiedenen Faktoren. Das gilt auch für die letzte Lebensphase und kann auch in der letzten Lebensphase nicht anders sein. Doch eine Situation am Ende des Lebens, die Endphase des Lebens stellt eine bisher unbekannte Grenzsituation dar, die in völliges Neuland, in etwas völlig Unbekanntes führt. Individuelle Werte und Bewältigungsmuster, die sich in der Vergangenheit bewährt haben und ein Leben lang gewachsen sind, tragen plötzlich ...