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Showing posts with the label Gesellschaft

Freiheit, Schutz, Würde: Drei Perspektiven auf die Sterbehilfe-Debatte – Erfahrungen, Realität und Spannungsfelder – Artikel 2 von 2

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Viele Debatten über Sterbehilfe kreisen um Grundsatzfragen: Schutz oder Selbstbestimmung, Fürsorge oder Freiheit. Oft werden Positionen dabei zugespitzt, vereinfacht oder gegeneinander gestellt. Meine Perspektive ist eine andere – geprägt durch persönliche Erfahrung, viele Gespräche und die Auseinandersetzung mit den realen Lebenssituationen von Menschen am Lebensende. In vier Teilen möchte ich diese Perspektive entfalten: Im ersten Teil und zweiten Teil schrieb ich zu meinen persönlichen Erfahrungen  und warum Selbstbestimmung und Würde für mich auch am Lebensende zentral sind. Und ich beschäftigte mich mit  der Realität von Sterbewünschen, ihrer Veränderlichkeit sowie der Bedeutung von Alternativen wie Palliativmedizin und unterstützenden Angeboten. Im dritten Teil  geht es schließlich um die gesellschaftliche und politische Debatte – um das Urteil des Bundesverfassungsgericht, unterschiedliche Positionen, internationale Beispiele und die Frage, wie eine verantwortungsv...

Das Fest - ein Stück der Koralle e.V. Bruchsal - Die Scham muss die Seiten wechseln

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Bereits im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, eine Inszenierung der Theatercrew der Koralle zu erleben – und war damals tief beeindruckt von der Intensität, die auf die Bühne gebracht wurde. Umso gespannter war ich auf diese neue Produktion, die sich erneut einem schweren, gesellschaftlich hochrelevanten Thema widmet. Die Koralle beweist einmal mehr, dass Theater nicht nur unterhalten, sondern auch aufrütteln und reflektieren kann – so wie ich es sehe und empfinde. Das Stück, basierend auf der Vorlage von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov , entfaltet dabei, durch die Crew der Koralle, eine beklemmende Wucht, die sich kaum entziehen lässt, der man sich nicht entziehen kann. Die Familienkonstellation:  Helge als Patriarch, Christina als älteste Tochter, die verstorbene Linda, die jüngste Schwester Helene und der Bruder Michael – bildet den Resonanzraum für ein System, das von Schweigen, Verdrängung und Gewalt geprägt ist. Der Suizid Lindas ist dabei nicht nur ein tragisch...

Filmkritik & Gesellschaftskritik: Momo (2025)

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Meine Filmkritik & Gesellschaftskritik zur neuen Verfilmung von  Momo Wenn Zeit zur Ware wird – und Menschlichkeit zur Unwirtschaftlichkeit Die neue Verfilmung von Momo bringt Michael Endes zeitlose Geschichte mit eindrucksvoller Bildsprache und spürbarem Engagement in die Gegenwart. Ein Buch, das mir immer schon viel bedeutete – und noch immer viel bedeutet. Im Gegensatz zur Verfilmung von 1986 ist das Setting modernisiert, die Symbole sind neu kontextualisiert – und die zentrale Botschaft, so finde ich, tritt heute sogar noch klarer hervor: Es geht um Zeit. Um Menschlichkeit. Und um den stillen Widerstand gegen ein System, das beides entwertet. Momo lebt, wie bei Ende, am Rand der Gesellschaft – hier in den Ruinen eines alten Amphitheaters, das wie ein Denkmal vergangener Lebendigkeit wirkt. Um sie herum: eine Welt, die sich um Effizienz dreht. Ein Konzern verspricht durch technische Armbänder „mehr Zeit“ – eine scheinbare Innovation, die sich schnell als Falle entpuppt. Zei...

Plädoyer für eine gute Gesellschaft: Ein würdevoller Umgang mit Leben und dem Sterben

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In einer guten Gesellschaft sollten wir stets die Würde und Autonomie des Einzelnen respektieren, besonders in den dunkelsten und herausforderndsten Zeiten des Lebens. Menschen, die mit schweren Krankheiten oder intensivem Leid konfrontiert sind, verdienen unser tiefstes Mitgefühl und unsere unterstützende Begleitung. Es ist von zentraler Bedeutung, jedem Menschen die Freiheit und den Raum zu gewähren, ihre Entscheidungen über Leben und Sterben selbstbestimmt zu treffen. Wie Stephen Hawking und Terry Pratchett hervorgehoben haben, sollte das Recht bestehen, das eigene Leben in Würde und Frieden zu beenden, wenn einem unheilbares oder unerträgliches Leiden oder Krankheit auferlegt ist. Diese Entscheidung entsteht aus der intimsten und tiefsten Auseinandersetzung eines Menschen mit seiner eigenen Existenz und verdient unsere vollste Anerkennung und unseren Respekt. Es hat sich gezeigt, dass die Möglichkeit der selbstbestimmten Lebensbeendigung nicht nur eine Frage der medizinischen Verso...

Welttag der sozialen Gerechtigkeit - February 20th

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Hier ist meine Gedanken zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit - Es geht sich für mich um Verständnis und dem 'Leben von sozialen Gerechtigkeit' Jedes Jahr am 20. Februar begeht die Welt den Welttag der sozialen Gerechtigkeit, einen Tag, der von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, um die Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit für den Aufbau friedlicher und gerechter und damit guter Gesellschaften hervorzuheben. Aber was bedeutet soziale Gerechtigkeit wirklich, und wie können wir sicherstellen, dass wir sie in unserem täglichen Leben verkörpern? Ich denke, im Kern geht es bei sozialer Gerechtigkeit darum, faire und gerechte Gesellschaften zu schaffen, in denen alle Menschen, Jede und Jeder, individuell leben kann und  die gleichen Rechte, Chancen und Privilegien hat. Es geht darum, sicherzustellen, dass weder die Umstände, in die man hineingeboren wird, noch Merkmale wie Rasse, Geschlecht oder Behinderung die Chancen im Leben bestimmen. Es geht darum, Barrieren abzubauen, di...

Rezension zu Leonie Schöler's Buch: Beklaute Frauen

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Von mir eine Buchempfehlung, die gab es schon aber nicht hier auf diesem Blog. Da für mich zur Mentalen Gesundheit, um die es in diesem Blog in größten oder allen Teilen geht, es auch immer um Gerechtigkeit geht, möchte ich dieses Buch empfehlen. Auch wenn ich das Buch nicht gelesen, so doch gehört, habe, als Hörbuch. Ich habe Leonie Schöler's Buch "Beklaute Frauen"   in kürzester Zeit durchgehört, das von Felicity Grist vertont wurde und im Lagato Verlag als Hörbuch erschien (das Buch im Penguin Verlag). Obwohl manche Teile etwas zäh daherkommen, hat mich ihr Schreibstil - welcher mal humorvoll, mal sehr ernst ist - sowie der Inhalt zu begeistert, wenn auch immer wieder erschreckt, erschreckt über die Charakterzüge meiner Geschlechtsgenossen. Die Zähigkeit oder auch Langatmigkeit ergibt sich, so meine Einschätzung da Leonie Schöler eigentlich Historikerin ist, und das mag man ihrem Buch hier und da anmerken. Aber auch ich bin Designer, Architekt ... und nicht schreibbeg...