Wenn Hitze mehr ist als Sommerwetter (Serie zur Hitze 1/3)

Draußen ist es heiß – über 36, 37 Gradam Wochenende oll die 4 vorne stehen, gefühlt oft noch mehr.
Für viele bedeutet das Sommer, Sonne und Zeit im Freien.
Ich selbst bin eher Wintermensch. Als ehemaliger Schlittenhundler liegt mir Kälte einfach näher. Der Sommer ist für mich in Ordnung – aber extreme Hitze hat immer auch eine andere Seite.

Ich selbst nehme solche Tage auch aus der Perspektive des Rettungsdienstes wahr. Ich denke an solchen Tagen auch an meine Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst und an die Einsätze, die bei diesen Temperaturen deutlich anstrengender werden.
Denn im Einsatz zeigt sich schnell: Die Belastung durch Hitze ist nicht theoretisch. Sie ist körperlich spürbar – bei jedem Schritt, bei jeder Bewegung, bei jeder Minute im Einsatz.

Seit vielen Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich im Rettungsdienst wieder, sowie in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Außerdem bin ich Teil der Motorradstaffel des ASB Karlsruhe. Diese unterschiedlichen Aufgaben haben eines gemeinsam: Sie zeigen mir immer wieder, wie schnell aus extremen Situationen, und sei es extreme Hitze an einem schönen Sommertag eine ernsthafte Belastung machen kann.
Die Fahrt im klimatisierten Fahrzeug fühlt sich zunächst oft ganz normal an. Doch sobald sich die Türen öffnen, schlägt einem die Hitze entgegen wie eine Wand.

Auf dem Motorrad ist die Situation noch einmal anders. Wir tragen vollständige Schutzkleidung – denn Sicherheit geht immer vor. Kühlwesten können helfen, die Belastung etwas zu reduzieren. Doch gerade auf Autobahnen oder bei längeren Streifendiensten stoßen auch sie an ihre Grenzen.
Viele stellen sich vor, dass wir mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind und der Fahrtwind für Abkühlung sorgt. Tatsächlich fahren wir im Streifendienst häufig langsam. Wir beobachten den Verkehr, unterstützen bei der Bildung der Rettungsgasse und bewegen uns oft nur im Schritttempo oder wenig darüber. Der kühlende Fahrtwind bleibt dabei meist aus.
Spätestens am Einsatzort merkt man, wie fordernd die Temperaturen wirklich sind.
Mit Schutzkleidung, Notfallrucksack und medizinischer Ausrüstung geht es zum Patienten – manchmal über mehrere Stockwerke oder wir mit der Motorradstaffel über heißen Asphalt. Was an einem normalen Tag bereits anstrengend ist, wird bei großer Hitze schnell zu einer enormen körperlichen Belastung.
Irgendwann merkt man, dass nicht nur die Patientinnen und Patienten kämpfen. Auch die eigene Konzentration lässt nach. Der Schweiß läuft in die Augen, jede Bewegung kostet Kraft und trotzdem muss jeder Handgriff sitzen. Gerade in Notfallsituationen gibt es keinen Raum für Fehler – auch dann nicht, wenn der eigene Körper längst gegen die Hitze arbeitet.
Auch Einsatzkräfte sind Menschen. Wir achten darauf, ausreichend zu trinken und Pausen zu nutzen, wann immer es möglich ist. Trotzdem gibt es Einsätze, bei denen dafür zunächst keine Zeit bleibt. Umso wichtiger ist es, als Team aufeinander zu achten.

Eine Situation ist mir besonders in Erinnerung geblieben: ein Einsatz mitten in der prallen Sonne. Nicht nur der Patient kämpfte gegen die Hitze. Das gesamte Team war körperlich gefordert. Konzentration, Ausdauer und medizinische Entscheidungen mussten unter Bedingungen funktionieren, die für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung darstellten.
Für den Rettungsdienst bedeuten Hitzewellen häufig auch mehr Einsätze. Wir erleben Kreislaufprobleme, Flüssigkeitsmangel, Hitzeerschöpfungen und Verschlechterungen bereits bestehender Erkrankungen.
Besonders ältere Menschen, chronisch Kranke und allein lebende Personen erreichen schneller ihre Belastungsgrenzen.
Doch betroffen sind längst nicht nur ältere Menschen. Auch junge und eigentlich gesunde Personen können bei Sport, körperlicher Arbeit oder langen Aufenthalten in aufgeheizten Fahrzeugen und Wohnungen in Not geraten.

Körper und Geist
Was dabei oft übersehen wird: Hitze belastet nicht nur den Körper. Sie beeinflusst auch unsere Psyche.
Schlechter Schlaf, anhaltende Erschöpfung und die permanente körperliche Belastung führen dazu, dass viele Menschen gereizter, ungeduldiger oder emotional empfindlicher werden. Konflikte entstehen schneller und bereits vorhandene psychische Belastungen können sich verstärken.

Durch meine Arbeit in der Psychosozialen Notfallversorgung erlebe ich regelmäßig auch diese Seite. Angst, Hilflosigkeit und Stress werden häufig intensiver wahrgenommen, wenn der Körper ohnehin an seinen Grenzen arbeitet. Deshalb ist auch die Art wichtig, wie wir über Hitze sprechen.
In den Medien sehen wir häufig Bilder von Badeseen, Eisbechern und unbeschwerten Sommertagen. Natürlich gehören diese Seiten ebenfalls zum Sommer. Doch dieselben Temperaturen, die für manche Menschen Erholung bedeuten, können für andere zu einer ernsthaften gesundheitlichen Gefahr werden.
Unser Gehirn orientiert sich stark an Bildern. Wenn wir fröhliche Sommermotive sehen und gleichzeitig vor gesundheitlichen Risiken gewarnt wird, bleibt oft vor allem der positive Eindruck hängen. Die Realität ist jedoch deutlich vielfältiger ...
  • Für viele Menschen ist Hitze keine Kleinigkeit, sondern eine tägliche Herausforderung.
  • Vielleicht kostet es euch heute nur zwei Minuten, bei den älteren Nachbarn zu klingeln.
  • Vielleicht erinnert ihr eure Eltern oder Großeltern daran, ausreichend zu trinken.
  • Vielleicht stellt ihr eine Schale Wasser für Vögel oder Igel in den Garten.
Diese kleinen Gesten wirken unscheinbar. Manchmal machen sie genau den Unterschied, den ein Mensch oder ein Tier an diesem Tag braucht.

Denn eine Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie gut die Stärksten mit extremen Situationen und aktuell mit einer Hitzewelle klarkommen.
Sie zeigt sich daran, wie gut wir auf diejenigen achten, die unsere Unterstützung brauchen.


Dies wird eine kleine Serie ...
Im nächsten Beitrag geht es darum, warum Hitze nicht nur den Körper, sondern auch unsere Psyche beeinflusst – und weshalb viele Menschen in diesen Tagen emotional stärker belastet sind, als ihnen selbst bewusst ist.   Wenn Hitze auf die Psyche trifft  (Serie zur Hitze 2/3)





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