Wenn ein Leben nur einen Augenblick dauert – über Sternenkinder und die stille Wucht der Trauer
Manchmal sind es Abende, an denen man denkt, man würde einfach nur zuhören.
der gestrige Abend verlief ohnehin völlig anders als gedacht - erst ein VU, ein Motorradfahrer den ich nur sah da seine Rückleuchten im Straßengraben noch leuchteten - zum Glück - dann eine Suche nach dem Ausbildungsort und kam recht spät erst zu einem bewegender Fortbildungsabend.
Ein guter und bewegender Fortbildungsabend, ein Raum voller Menschen aus unterschiedlichen PSNV Bereichen und Standorten - Psychosozialen Notfallversorgung - Erfahrungen, Strukturen, über das, was in akuten Krisen trägt und eine Kursleiterin bzw zwei die mir den Abend erleuchteten. Viel Wissen, hohe Kompetenz ... Vieles davon kennt man aus meiner / unserer Arbeit bereits: die Abläufe, die Dynamiken von Schock, die ersten Schritte stabilisierender Begleitung. Und doch gibt es Themen, die einen auch nach Jahren nicht kalt lassen.
Und das ist der Verlust eines Kindes - rund um die Geburt gehört dazu.
Während wir davon hörten und darüber sprachen, wurde mir einmal mehr bewusst: Man kann Trauer, Schmerz, u name it – man kann begleiten, man kann Raum geben und halten – aber man kann es nicht „lösen“ – und man kann da sein, wirklich da sein.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der psychosozialen Notfallarbeit und Trauerbegleitung wie ich es bei meinem Arbeitgeber tue.
Wenn eine Zukunft plötzlich verschwindet
Wenn ein Kind vor, während oder kurz nach der Geburt stirbt, verliert eine Familie nicht nur ein Leben.
Sie verliert eine Zukunft. Es verschwinden Bilder, die längst im Kopf existierten:
- das erste Lächeln,
- die ersten Schritte,
- Geburtstage, Schulanfang, gemeinsame Urlaube.
Für Außenstehende wirkt dieser Verlust manchmal schwer greifbar, weil vieles davon nie sichtbar wurde. Kein Kinderwagen im Flur, keine Fotos im Wohnzimmer.
Doch Bindung entsteht nicht erst mit der Geburt. Für die Mutter beginnt sie mit den ersten Bewegungen im Bauch. Für den anderen Elternteil vielleicht mit dem Moment, in dem plötzlich Pläne entstehen: ein Name, ein Zimmer, ein Leben, das man sich langsam vorstellt. Dieses Band, was sich da knüpft, ist real.
Und wenn es reißt, bleibt eine Leere zurück, die kaum jemand von außen ermessen kann.
Geschwister trauern anders
Wenn es bereits Geschwisterkinder gibt, erleben sie den Verlust auf eine eigene Weise. Kinder verstehen den Tod anders als Erwachsene. Sie nehmen vor allem die Veränderung der Atmosphäre wahr: die Traurigkeit der Eltern, das Schweigen, die Anspannung. Ihre Trauer verläuft selten linear.
Ich sage und viel nutzen dieses Bild ebenso - Kinder trauern in kleinen Pfützen.
Sie weinen vielleicht einen Moment – und spielen kurz darauf wieder, als wäre nichts gewesen. Für Erwachsene kann das irritierend wirken. Doch genau so funktioniert kindliche Verarbeitung.
Beides gehört zusammen: Trauer und Spiel.
Die stille Rolle der Väter
Väter übernehmen in den ersten Tagen häufig die Rolle des Organisierenden. Sie führen Gespräche mit Ärzten. Sie kümmern sich um Formalitäten. Nicht missverstehen oder falsch interpretieren Mutter wie Vater tun dies und finden Halt darin ... und Väter und Ehepartner, Partner versuchen, ihre Partnerin zu stützen. Nach außen wirken Väter stabil. "Sie funktionieren" – Doch Trauer folgt keinem festen Zeitplan.
Während die Umgebung oft glaubt, das Schlimmste sei nach der Beerdigung überstanden, beginnt für manche Väter der eigentliche Zusammenbruch erst später, oft viel später. Wenn die Verantwortung nachlässt. Wenn der Alltag zurückkehrt. Wenn der Raum für die eigene Trauer endlich entsteht.
Gerade deshalb ist es wichtig, auch ihnen gezielt zuzuhören – auch wenn der Schmerz, die Depression, später kommen und gar der Zweifel an Leben und Partnerschaft.
Auch Großeltern tragen Trauer
Ein Aspekt, der oft übersehen wird, ist die Situation der Großeltern. Sie verlieren ihr Enkelkind – und gleichzeitig erleben sie den Schmerz ihrer eigenen Kinder. Diese doppelte Perspektive kann eine tiefe Hilflosigkeit erzeugen. Viele sagen später: "Der schwerste Teil war, das eigene Kind so leiden zu sehen."
Was hilft
In der psychosozialen Akuthilfe sprechen wir oft von Stabilisierung, Orientierung und Struktur.
Doch im Kern geht es häufig um etwas sehr Einfaches – Dasein.
Trauernde brauchen selten perfekte Worte. Viel wichtiger ist Ehrlichkeit.
Sätze wie
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll – aber ich bin da“
sind oft wertvoller als jede gut gemeinte Erklärung.
Was ebenfalls helfen kann: das Kind nicht aus der Geschichte verschwinden zu lassen. Zuhören, wenn Eltern von ihrem Kind erzählen möchten. Denn auch wenn dieses Leben nur kurz war – es war real - es ist ein Band, auch wenn es gerissen ist, die gerissenen Teile sind da – und diese Lücke, der fehlende Mensch ist da – und bleibt – die Trauer ist das Spiegelbild der Liebe die war und ist.
Ein Sternenkind bleibt ein Teil der Familie.
Trauer braucht Zeit – und Erinnerung
Viele Menschen sind in den ersten Tagen nach einem Verlust sehr präsent. Doch nach einigen Wochen wird es stiller. Gerade dann beginnt für viele Eltern die schwierigste Phase: wenn die Welt weitergeht, während sich im Inneren noch alles verändert.
Ein kurzer Gedanke, eine Nachricht zum errechneten Geburtstermin oder zum Todestag kann für Eltern eine enorme Bedeutung haben. Es zeigt: Dieses Kind wird nicht vergessen. Rituale sind gut und wichtig. Wie der (errechnete) Geburtstag, Namenstage, Weihnachten, ....
Und vielleicht ist genau das auch eine der größten Ängste vieler Betroffener – dass ihr Kind für andere irgendwann einfach nie existiert hat.
https://mein-sternenkind.net/sternenhimmel
Hilfe und Ansprechpartner in der Region
Wenn die Last zu schwer wird, gibt es Unterstützung.
LSFK Baden-Württemberg & Sternenkinder Ettlingen (effeff e.V.)
Beratung, Begleitung und Austausch für betroffene Familien
https://lsfk-bw.de
https://effeff-ettlingen.deHospiz Arista (Ettlingen / Karlsruhe)
Trauergruppen und individuelle Begleitung für Eltern
Hospizverein Viernheim - Sternenkinder Zum Beisdpiel gibt es dort auch eine Selbsthilfegruppe welche von einer weiblichen und einem männlichen Betreuer/in, die beide auch Betroffene sind, ehrenamtlich begleitet und moderiert wird und diese treffen sich regelmäßig.
Überregional
Dein Sternenkind
Ehrenamtliche Fotograf:innen, die Erinnerungsbilder für Familien machen
https://dein-sternenkind.euGerne nenne und ergänze ich weitere Adressen - Kommentare gerne - ich lese Kommentare immer - veröffentliche diese jedoch nie wegen der Themen die ich hier behandele
Tipps für Freund*innen und Angehörige – wie man helfen kann
Wenn ein Sternenkind stirbt, fühlen sich viele Menschen im Umfeld hilflos. Dabei sind es oft kleine Gesten, die den größten Unterschied machen.
1. Präsenz statt perfekter Worte
Tränen dürfen sein – auch deine.
Ehrlichkeit ist hilfreicher als Floskeln.
Sätze wie „Ihr seid noch jung“ oder „Es hatte wohl einen Sinn“ verletzen oft mehr, als sie trösten.
2. Konkrete Hilfe anbieten
Trauernde haben oft keine Energie, um Hilfe aktiv einzufordern.
Hilfreich sind konkrete Angebote:
Essen vorbeibringen
Einkäufe erledigen
mit Geschwisterkindern auf den Spielplatz gehen
bei Telefonaten oder Behördengängen unterstützen
3. Das Kind nicht verschweigen
Frage nach dem Namen.
Höre zu, wenn Eltern Erinnerungen teilen möchten.
Das Kind gehört zur Familie – auch wenn sein Leben sehr kurz war.
4. Auch Monate später noch da sein
Viele Unterstützungsangebote enden nach wenigen Wochen. Doch Trauer verändert sich über Monate und Jahre. Eine Nachricht nach sechs Monaten kann genauso wichtig sein wie in den ersten Tagen.
5. Väter und Geschwister nicht vergessen
Sprich auch mit dem Vater über seine Gefühle.
Und gib Geschwisterkindern Raum, ihre Trauer auf ihre eigene Weise auszudrücken.
Ein letzter Gedanke
In der psychosozialen Begleitung lernt man irgendwann eine wichtige Wahrheit:
Trauer ist kein Problem, das gelöst werden muss. Sie ist Ausdruck von Liebe.
Und vielleicht liegt unsere wichtigste Aufgabe darin, Menschen in diesen Momenten nicht allein zu lassen – sondern einfach neben ihnen zu sitzen.
Auch dann, wenn die Stille im Raum sehr laut wird.
Regionale Kinderhospiz- und Begleitangebote
Ein wie ich finde wichtiger Hinweis ...
Viele wissen nicht, dass Kinderhospizarbeit nicht erst am Lebensende beginnt,
sondern oft ab der Diagnosestellung eines lebensverkürzenden Kindes Familien begleitet
und auch nach dem Tod Trauerbegleitung anbietet.
Karlsruhe / Landkreis Karlsruhe
Kinderhospizdienst Karlsruhe
Karlstraße 56
76133 Karlsruhe
Telefon: 0721 20397-186
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Ambulante Begleitung für Familien mit schwer erkrankten Kindern
-
Unterstützung ab Diagnosestellung bis über den Tod hinaus
-
Begleitung von Eltern, Geschwistern und Angehörigen
Dieses Angebot richtet sich an Familien im Stadt- und Landkreis Karlsruhe und arbeitet eng mit Kliniken und Palliativteams zusammen.
Mannheim
Kinderhospiz Sterntaler e.V.
A3, 2
68159 Mannheim
Telefon: 0621 17822330
-
Stationäres Kinderhospiz
-
Ambulante Kinderkrankenpflege
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Begleitung von Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern
Das Kinderhospiz Sterntaler ist eines der wichtigsten Kinderhospize im Rhein-Neckar-Raum.
CLARA – Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Mannheim
M 1, 2
68161 Mannheim
Telefon: 0621 28000-351
-
Begleitung von Familien mit schwer erkrankten Kindern
-
Unterstützung für Geschwister und Eltern
-
Trauerbegleitung nach dem Verlust eines Kindes
Heidelberg / Rhein-Neckar
Ambulanter Kinderhospizdienst „KiDi“ (Diakonie Heidelberg)
Karl-Ludwig-Straße 6
69117 Heidelberg
Telefon: 06221 5996621
-
Begleitung von Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern
-
Unterstützung im Alltag, Beratung und Trauerbegleitung
Kinderpalliativteam Rhein-Neckar (SAPV)
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 305
69120 Heidelberg
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Spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Kinder
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Versorgungsgebiet u.a. Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis und Teile des Landkreises Karlsruhe/Bruchsal
Bruchsal / nördlicher Landkreis Karlsruhe
Ökumenischer Hospizdienst Bruchsal
Tunnelstraße 10
76646 Bruchsal
Telefon: 07251 9429568
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Hospiz- und Trauerbegleitung im nördlichen Landkreis Karlsruhe
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Zusammenarbeit mit Kinderhospizdiensten der Region
Speyer / Vorderpfalz
Speyer selbst hat kein großes stationäres Kinderhospiz, aber Familien werden häufig begleitet durch:
Ambulante Kinderhospizdienste der Region Rhein-Neckar / Mannheim
(z. B. Sterntaler oder CLARA) sowie Hospizdienste im Raum Speyer und Ludwigshafen.
Überregionale wichtige Anlaufstelle
Bundesverband Kinderhospiz – Oskar Sorgentelefon
0800 8888 4711
-
Beratung und Vermittlung von Hilfsangeboten deutschlandweit


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