Vodcast „Klug & Tod“ – Über das Leben sprechen heißt auch über das Sterben sprechen
Genau dort setzt der Vodcast „Klug & Tod“ von Johanna Klug an.
In der Ersten Folge spricht Johanna Klug, die Autorin sowie Sterbe- und Trauerbegleiterin ist, mit der Journalistin und Moderatorin Christine Westermann über das, worüber wir so selten offen, bzw zu selten sprechen: Sterben, Abschied, Trauer – und auch Selbstbestimmung am Lebensende.
Schon zu Beginn formuliert Johanna Klug einen einfachen, aber wichtigen Gedanken:
Geburt und Sterben gehören gleichermaßen zum Leben (siehe auch mein Artikel: 'Das Sterben ... wie eine Geburt in die andere Richtung'). Und doch reden wir über das eine selbstverständlich, über das andere kaum.
Dieser Vodcast öffnet einen Raum für genau dieses Gespräch – ohne irgendeine überhöhte Dramatik - Beide sprechen auf Augenhöhe und mit viel Menschlichkeit.
Besonders berührt hat mich der Teil des Gesprächs, in dem es um Trauer geht – vor allem um die Trauer von Kindern (ich habe eine Reihe von Ausbildungen dau gemacht und geschrieben - hier ein paar frühere Artikel dazu).
Kinder, so beschreibt Johanna Klug es, springen in ihrer Trauer oft „von Pfütze zu Pfütze“. Ein Bild, das ich wunderschön und gleichzeitig sehr treffend finde. Kinder tauchen kurz tief in ihre Trauer ein und kehren dann wieder ins Spiel oder in den Alltag zurück.
Erwachsene hingegen springen häufig direkt in das große Meer der Trauer und bleiben dort lange.
Diese unterschiedlichen Arten zu trauern sind wichtig zu verstehen. In der Trauerbegleitung und dem Mental Health Support, gerade auch nach dem Femizid den wir vor einigen Jahren bei uns in der Region hatten, habe ich gelernt, wie komplex gerade die Trauer von Kindern sein kann.
Viele Kinder entwickeln das Gefühl, Verantwortung für ihre trauernden Eltern zu tragen. Sie versuchen stark zu sein oder ihre eigenen Gefühle zurückzuhalten. Würden wir als Gesellschaft diese Dynamiken besser verstehen, könnten wir Trauernden – besonders Kindern – sehr viel sensibler begegnen.
Auch der persönliche Teil des Gesprächs bewegt: Christine Westermann erzählt vom Tod ihres Vaters, als sie 13 Jahre alt war. Ein prägender Abschied, der sie bis heute begleitet.
Im Vodcast wird deutlich, wie eng Erinnerung, Trauer und auch Humor miteinander verwoben sein können. Gerade Humor ist manchmal eine Form, mit der wir das Unfassbare überhaupt erst aushalten können.
Zum Ende der Folge geht es auch um Selbstbestimmung am Lebensende – ein Thema, das mir persönlich besonders wichtig ist, es ist nun mal auch der Auslöser zum Start dieses Blog gewesen - und gerade wegen díesen Thema erwähne ich den Vodcast. Der Videopodcast ist eine Initiative der DGHS und soll den Dialog über Themen öffnet, die oft tabuisiert werden.
In meinem Blog habe ich bereits mehrfach darüber geschrieben, warum ich den Begriff „Suizid“ kritisch sehe. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß „sich selbst töten“ oder „sich selbst erschlagen“. Für mich passt diese brutale sprachliche Bildwelt nicht zu Menschen, die nach reiflicher und dauerhafter Überlegung den Wunsch haben, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden.
Sprache formt unser Denken. Deshalb halte ich es für wichtig, über Begriffe ebenso nachzudenken wie über ethische Fragen.
Gleichzeitig bleibt für mich klar: Suizidprävention und das Recht auf Selbstbestimmung sind keine Gegensätze. Beides gehört zu einer verantwortungsvollen, menschlichen Diskussion über das Lebensende. Siehe auch: Die Macht der Worte - Bedeutung der Wahl eines Vokabulars für das Sterben und Hilfe beim Sterben
Im Gespräch streift Christine Westermann auch Themen wie Organspende und ihre Vorstellungen vom letzten Tag ihres Lebens. Hier hätte ich mir stellenweise noch etwas mehr Einordnung oder Fakten gewünscht – insbesondere bei der Verbindung von Organspende und Sterbehilfe – ggf im Beschreibungstext zum Vodcast.. Wer sich dafür interessiert, findet dazu in meinem Blog Artikel Informationen und Perspektiven.
Und noch eine kleine, ehrliche Randbemerkung aus der Perspektive eines Zuschauers / Hörers: Die Folge dauert deutlich über eine Stunde. Für mich persönlich war das Gespräch inhaltlich spannend – allerdings habe ich zwischendurch ein wenig mit der Geduld gekämpft – wegen der Spreechgeschwindigkeit.
Meine Lösung: die Abspielgeschwindigkeit. Bei Christine Westermann landete ich irgendwann bei 1,5-facher Geschwindigkeit, bei Johanna Klug immerhin bei 1,25.
So wurde aus über einer Stunde ein etwas kürzerer, aber für mich in jedem Fall sehr hörenswerter Gedankenspaziergang durch Themen, die uns alle betreffen und bewegen sollten.
Trotz kleiner Kritikpunkte ist „Klug & Tod“ ein Vodcast, den ich allen empfehlen kann, die sich ehrlich mit dem Lebensende beschäftigen möchten. Das Gespräch ist persönlich, nachdenklich und mutig.
Und vielleicht ist genau das der wichtigste Beitrag solcher Formate: Sie holen das Sterben aus der Tabuzone zurück in den Raum des Lebens.
Denn wenn wir lernen, über den Tod zu sprechen, lernen wir oft auch etwas sehr Wertvolles darüber, wie wir leben wollen.
Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen.
https://youtu.be/0lUQj-LZFP0?is=DH1UUuWMCqlcK_ai
Links
Johanna Klug
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Youtube Channel
@KLUGUNDTOD
DGHS
dghs.de

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