Einsamkeit im Alter - Das Silbertelefon
Einsamkeit im Alter ist ein oft unterschätztes Thema – besonders im Zusammenhang mit dem Übergang in den Ruhestand. Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen Beitrag im MOMA des WDR - Telefonieren gegen einsamkeit im Alter . Wenn der Job endet, verändert sich mehr als nur der Tagesablauf. Für viele Menschen verschwinden soziale Kontakte, Routinen und das Gefühl von Zugehörigkeit. Was lange selbstverständlich war, fehlt plötzlich. Diese Form der Einsamkeit betrifft nicht nur Alleinlebende, sondern auch Paare. Sie hat direkte Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und sollte nicht tabuisiert werden.
Einsamkeit schleicht sich oft leise ins Leben. Besonders dann, wenn ein Lebensabschnitt endet, der viele Jahre getragen hat: der Job.
Mit dem letzten Arbeitstag geht für viele Menschen mehr verloren als nur ein Einkommen. Es verschwinden Routinen, Aufgaben, Anerkennung – und vor allem tägliche Begegnungen. Gespräche auf dem Flur, gemeinsames Lachen, kleine Rituale. Dinge, die selbstverständlich waren, fehlen plötzlich.
Ich höre immer wieder von älteren Menschen:
„Eigentlich habe ich jetzt Zeit – aber niemanden, mit dem ich sie teilen kann.“
Der Ruhestand wird gesellschaftlich oft als entspannte, freie Phase dargestellt. Doch für viele fühlt er sich ganz anders an. Der Tag wird stiller. Die Wochen verschwimmen. Kontakte werden weniger, nicht aus Absicht, sondern weil sie sich über Jahre fast ausschließlich aus der Arbeit ergeben haben.
Das betrifft nicht nur Menschen, die allein leben. Auch Paare erleben Einsamkeit. Wenn beide aus dem Berufsleben ausscheiden, verbringen sie plötzlich viel Zeit miteinander – und doch manchmal nebeneinander her. Gespräche drehen sich im Kreis, jeder lebt in seinem eigenen inneren Rhythmus. Nähe entsteht nicht automatisch durch gemeinsame Anwesenheit. Manchmal wird gerade dann spürbar, wie sehr der Austausch mit der Außenwelt fehlt.
Einsamkeit im Alter ist kein persönliches Versagen. Sie ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine menschliche Reaktion auf Verlust: Verlust von Struktur, von Zugehörigkeit, von Bedeutung. Und sie darf ernst genommen werden.
Was hilft, ist gesehen und gehört zu werden. Manchmal braucht es dafür keinen großen Lösungsplan. Manchmal reicht ein Gespräch. Eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Jemand, der zuhört, ohne zu bewerten. Der einfach da ist.
Genau dafür gibt es Angebote wie das Silbertelefon.
0800 4 70 80 90
Diese Rufnummer gehört zum „Silbertelefon“ des Vereins Silbernetz e.V.
Sie ist kostenlos, anonym und vertraulich – für Menschen ab 60 Jahren in Deutschland.
Täglich erreichbar von 8:00 bis 22:00 Uhr.
Es ist keine medizinische Krisenhotline, sondern ein Angebot zum Reden: über den Alltag, über Sorgen, über schöne Erinnerungen oder einfach über das, was gerade da ist. Die Gespräche werden von geschulten Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden geführt.
Auch über Deutschland hinaus gibt es ähnliche Initiativen, zum Beispiel in Großbritannien, wo die selbe Rufnummer 0800 4 70 80 90 sogar rund um die Uhr erreichbar sind. Sie alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: Einsamkeit nicht zu tabuisieren, sondern ihr mit Menschlichkeit zu begegnen.
Wenn du diesen Text liest und dich darin ein Stück wiedererkennst – du bist nicht allein.
Und du musst da nicht alleine durch.
Manchmal ist der erste Schritt einfach ein Anruf.

Comments
Post a Comment