Pressekonferenz der DGHS vom 29.Jaunuar 2026

Am 29. Januar 2026 stellte Präsident RA Prof. Robert Roßbruch auf einer Pressekonferenz in Berlin die neue Diskurs- und Informationskampagne der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben vor:

„Humanes Sterben. Weil es mein Leben ist.“
Zu finden unter: www.humanes-sterben.info

Es ist eine Kampagne, die nicht laut sein will, aber Gehör und Öffentlichkeit bekommen soll, und einfach nur menschlich sein will. Keine abstrakten Debatten, keine juristischen Schlagworte – sondern Gesichter, Stimmen, Geschichten. Das Herzstück bilden sogenannte Testimonials: Mitglieder der DGHS erzählen in kurzen Videos von jeweils etwa zwei Minuten von ihrem Weg, ihren Gedanken, ihren Gründen. Sie sprechen über Sterbehilfe und Freitodbegleitung, über Selbstbestimmung, Angst, Würde und Verantwortung.

Diese Stimmen sind auf www.humanes-sterben.info ebenso zu finden wie in den Social-Media-Kanälen der DGHS und auf YouTube. Sie richten sich ausdrücklich auch an jene Menschen, die sich mit dem Thema Freitodbegleitung bislang noch nie auseinandergesetzt haben.
Und sie laden zugleich Mitglieder und Unterstützer ein, sich einzubringen – sichtbar zu werden in einer Gesellschaft, die allzu oft lieber wegschaut.

Robert Roßbruch formulierte das Ziel der Kampagne klar: Es gehe darum, zu zeigen, dass Selbstbestimmung am Lebensende in unserer Gesellschaft unverhandelbar ist. Wie vermittelt man das? Nicht durch Paragrafen, sondern durch Menschen. Indem man die Stimmen der Mitglieder sprechen lässt – und das Echo einer breiten, unterstützenden Öffentlichkeit hörbar macht. Und ebenso darum, deutlich zu machen, dass es keine neue gesetzliche Regelung der Sterbehilfe braucht (so wie ich es auch sehe Was stellen Ich mir vor, wenn es kein neues Gesetz, wie den §217 StGB geben soll? ). 

Begleitend startet im Frühjahr der Video-Podcast „Klug & Tod“, moderiert von der Publizistin Johanna Klug. Auch hier steht das Gespräch im Vordergrund, nicht die Zuspitzung. Denken statt bewerten. Zuhören statt urteilen.

Auf derselben Pressekonferenz stellte Roßbruch auch die Zahlen für das Jahr 2025 vor (Die Zahlen der letzten Jahre finden Sie hier: Zahlen und fakten zur Sterbehilfe 2021 bis 2024 ). 
Im vergangenen Jahr ermöglichte die DGHS insgesamt 898 Mitgliedern eine professionelle Freitodbegleitung.
Damit ist die Zahl gegenüber 2024 (623 Fälle) erwartungsgemäß moderat gestiegen.
Die größte Gruppe bildeten Frauen im Alter zwischen 80 und 89 Jahren.
41 Anträge wurden abgelehnt, 103 Menschen starben während des laufenden Prüfverfahrens an ihrer Erkrankung.

Besonders auffällig ist, dass sich unter den begleiteten Fällen auch sehr junge Menschen befanden, die an ME/CFS erkrankt waren. Menschen, deren Leben nicht „alt“, sondern unerträglich geworden war. Die Zahlen steigen leicht. Sie erzählen von Leid, das wir gesellschaftlich noch immer nicht ausreichend sehen – und nicht ausreichend ernst nehmen. (siehe hier zu meine Artikel die auf  ME/CFS  eingehen )

Die DGHS leistet in diesem Spannungsfeld eine herausragende Arbeit. Sie begleitet, prüft, schützt, hört zu. Sie bewegt sich täglich in einem ethischen Spannungsfeld, in dem es keine einfachen Antworten gibt. Und doch fällt auf diese Arbeit auch mal ein Schatten – ausgelöst durch einzelne Fälle, die öffentlich diskutiert wurden. Der Fall Florian Willet, ebenso wie die Debatten um die Ärzte Dr. Christoph Turowski und Dr. Johann F. Spittler, über die ich hier auf meinem Blog bereits mehrfach geschrieben habe, haben Fragen aufgeworfen, verunsichert, Vertrauen geprüft.

Diese Schatten dürfen benannt werden. Sie müssen benannt werden. Aber sie dürfen nicht dazu führen, das Ganze zu diskreditieren. Eine Organisation wie die DGHS misst sich nicht an Einzelfällen, sondern an ihrer Struktur, ihrer Haltung und ihrer täglichen Praxis. Und diese bleibt – trotz aller Kritik – getragen von Respekt vor dem Menschen und seinem Recht, über das eigene Lebensende selbst zu entscheiden. Das vierstufige Schutzkonzept von Prüfung des Antrags, einem juristischen Erstgespräch, einem ärztlichen Zweitgespräch, und einem freiverantwortlichen Tag der Freitodbegleitung mit Ärzt*in und Jurist*in stellt ein bewährtes Konzept dar.

Sterbehilfe und Freitodbegleitung sind keine abstrakten Konzepte. Sie sind persönliche und individuelle Wegmarken / Weggabelungen.
Sie betreffen Körper, Beziehungen, Abschiede, Verantwortung. Kampagnen wie „Humanes Sterben. Weil es mein Leben ist“ erinnern uns daran, dass es hier nicht um Ideologie geht – sondern um Würde. Um das Recht, gehört zu werden. Bis zuletzt.
Selbstbestimmung im Leben, am Lebensende und bis zu einem natürlichen oder selbstbestimmten Tag.


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