8. Mai: Weltrotkreuztag - Humanität leben statt nur erinnern

Für mich ist der 8. Mai kein abstrakter Gedenktag.
Am 8. Mai wird jährlich der Weltrotkreuztag begangen. Das Datum markiert den Geburtstag des Rotkreuz-Gründers Henry Dunant (geboren am 8. Mai 1828). 
Dieser Tag ist Erinnerung und Mahnung zugleich.
Erinnerung an das, was zählt: Menschen, die helfen.
Und Mahnung daran, wie zerbrechlich unser Zusammenhalt sein kann, wenn wir einander nicht achten.

Ich habe beides erlebt: Jahre im hauptamtlichen Rettungsdienst, zwei Jahre als Sanitätssoldat – darunter drei Monate in einem Kriegsgebiet – und heute bin ich im höheren Alter wieder ehrenamtlich unterwegs: auf dem Motorrad in der Einsatzstaffel, im Sanitätsdienst und zunehmend in der psychosozialen Notfallversorgung PSNV.
Diese Mischung aus Erfahrung, Begegnungen und gelebtem Leben ist mein Kompass.
Sie zeigt mir:
Helfen ist nicht nur ein Job. Helfen ist Haltung. Und Anerkennung beginnt bei uns selbst.

Oft denken wir, Anerkennung käme von außen: durch Applaus, Medien oder Politik.
Doch viel häufiger fehlt etwas anderes – das, was ich und viele täglich erleben:
Respekt zwischen Helferinnen und Helfern.
Zwischen Ehrenamt und Hauptamt. Zwischen Organisationen. Zwischen Menschen.

Es schmerzt zu sehen, wie abwertende Worte, Hochmut oder unsichtbare Grenzen das Zusammenspiel schwächen. Draußen im Einsatz interessiert es niemanden, welches Logo du trägst – ob DRK, ASB, MHD, JUH oder privaten Rettungsdiensten, und das Zusammenspiel mit anderen Kräften des THW, DLRG und in jedem Fall auch Feuerwehr und Polizei ist mir mega wichtig und dass es mit Respekt und auf Augenhöhe ist. Entscheidend ist, ob wir uns vertrauen, ob unsere Abläufe ineinandergreifen, ob wir füreinander da sind.

Anerkennung beginnt, wenn wir einander als Menschen sehen – mit allen Kompetenzen, Erfahrungen und Grenzen. Auch wenn man „nur“ Unterstützende Kräfte oder Einheiten sind oder im Verpflegungszug eingesetzt sind: Wir sind als Menschen für Menschen da. Wir alle brauchen Humanität im Alltag – gerade in einer Zeit, in der Gruppen, Ideologien oder politische Bewegungen diese Werte nicht immer mittragen.

  • Humanität ist kein fernes Konzept. Sie zeigt sich in leisen Momenten:
  • wenn ein Kollege nach einem schweren Einsatz schweigend zuhört;
  • wenn jemand einspringt, obwohl die eigene Kraft fast aufgebraucht ist;
  • wenn wir einander nicht allein lassen mit dem, was uns belastet.

Diese kleinen Gesten halten uns zusammen. Sie bedeuten oft mehr als große Worte, PR-Kampagnen oder öffentliche Danksagungen. Denn ein dahingesagtes „Danke“ verpufft – und kann mehr schmerzen, als dass es wirklich anerkennt.
Wir sind Einsatzkräfte – in unseren Rollen und Funktionen. Aber wir sind vor allem Menschen. Und eines muss endlich überall ankommen: Psychische Gesundheit ist Teil der Einsatzfähigkeit.

  • Psychische Gesundheit ist kein „Nice-to-have“.
  • Wer überlastet ist, kann nicht dauerhaft leisten.
  • Wer Traumata mit sich trägt, wird krank – mental und oft auch körperlich.

Es braucht Gemeinschaft. Es braucht ein echtes Füreinander. Es braucht Menschlichkeit.

Und wenn mehr Unterstützung notwendig ist, müssen Strukturen da sein: Peers, psychosoziale Notfallversorgung die PSNV ist keine Randaufgabe, sondern systemrelevant – menschlich ...
Räume für Verarbeitung, regelmäßige Nachbesprechungen – und vor allem niedrigschwellige Angebote sowie die Wertschätzung, darüber zu sprechen, gehören zur Sicherheit jedes Einsatzes.
Für Helferinnen und Helfer genauso wie für Betroffene.


Für mich endet dieser Gedanke nicht an diesem Tag, dem 8.Mai noch am Einsatztag oder an einem anderen Tag.
Wir leben in einer Zeit, in der sich vieles verändert: Umwelt, Gesellschaft, der Ton im Miteinander. Dinge, die lange selbstverständlich waren, geraten ins Wanken.
Und genau deshalb wird etwas umso wichtiger: unsere Humanität. Unser Zusammenhalt.

Katastrophen sind nicht nur das, was wir aus den Nachrichten kennen. Sie passieren leise.
... Im eigenen Zuhause.
... Auf einer dunklen Landstraße.
... In einem einzigen Moment, der ein Leben aus der Bahn wirft.

Und genau dort sind wir  – Nicht nur bei großen Lagen, sondern in diesen kleinen, stillen, oft unsichtbaren Momenten.

Ich habe das selbst erst kürzlich erlebt: auf der Autobahn, bei einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen. Wir waren mit zwei Motorrädern vor Ort. Alle Patienten waren glücklicherweise leicht verletzt. Und plötzlich waren viele da: Kolleginnen und Kollegen, die privat anhielten und helfen wollten, Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei. Es war kollegial. Auf Augenhöhe. Selbstverständlich.

Was dort zählt, ist nicht Zugehörigkeit. Was zählt, ist, dass jemand da ist. Dass jemand mitgeht. Dass jemand bleibt.
Unsere Stärke ist nicht nur, dass wir helfen. Unsere Stärke ist, wie wir es tun – gemeinsam.
Doch dieses „gemeinsam“ ist keine Selbstverständlichkeit. Es entsteht nur, wenn wir es leben. Wenn wir aufhören, in Zuständigkeiten zu denken. In Logos. In „wir“ und „die anderen“.


Deshalb ist es für mich auch ein Wunsch – vielleicht sogar ein Appell  –  Lasst uns näher zusammenrücken.

  • Wirklich.
  • Mit mehr Respekt.
  • Mit mehr Ehrlichkeit.
  • Mit weniger Abstand und weniger Überheblichkeit.

Nicht nur in großen Worten, sondern im Alltag: in gemeinsamen Übungen, im ehrlichen Austausch nach Einsätzen, im Zuhören. Im Ernstnehmen von Erfahrung – egal, ob sie aus dem Beruf oder aus langjährigem Ehrenamt kommt.

Und im Raum für das, was oft keinen Platz bekommt: das, was Einsätze mit uns machen.

  • Denn wir funktionieren nicht einfach.
  • Wir fühlen.
  • Wir tragen weiter, was wir erleben.

Und genau deshalb ist auch das Teil unserer Einsatzfähigkeit.






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