Menschlichkeit ist kein Luxus - 23. Mai 2026 - Erster Ehrentag

Am 23. Mai 2026 wird in Deutschland zum ersten Mal der sogenannte „Ehrentag“ gefeiert – ein bundesweiter Mitmachtag zum Geburtstag unseres Grundgesetzes. Das Motto lautet:

„Für dich. Für uns. Für alle.“

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Genau darum sollte es eigentlich jeden Tag gehen. Nicht um Reichweite. Nicht um Gewinnmaximierung. Nicht um Ellenbogen. Sondern um Menschlichkeit.

Ich begegne Menschen in Ausnahmesituationen – im Rettungsdienst, in der psychosozialen Notfallversorgung, in der Trauerbegleitung, als Mental Health First Aider im beruflichen Umfeld und in meinem Ehrenamt beim ASB und der DRK im Raum Karlsruhe, Rhein-Neckar und Mannheim. Und dabei spielt es für mich keine Rolle, woher jemand kommt, welchen Beruf er hat, wie viel Geld er verdient oder welche Geschichte hinter ihm liegt.
In dem Moment zählt nur eines: Dass da ein Mensch ist, der Unterstützung braucht. Vielleicht ist genau das etwas, das unserer Gesellschaft zunehmend verloren geht.

Wir leben in einer Zeit, in der rechtsextreme und menschenfeindliche Strömungen wieder lauter werden. Eine Zeit, in der Ausgrenzung, Härte und Gleichgültigkeit vielerorts gesellschaftsfähig wirken. Gleichzeitig erleben viele Menschen auch im Berufsleben einen immer stärkeren Druck: mehr Leistung, mehr Produktivität, mehr Profit.
Natürlich müssen Unternehmen wirtschaftlich arbeiten. Natürlich müssen Zahlen stimmen. Aber ich frage mich oft, wann wir angefangen haben zu vergessen, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht.
Angst, Überforderung, Konkurrenzdenken ... you name it ... Ich bin lange in meinem Job als User experience Designer tätig und was ich tue ist ja sicherlich für ein Produkt, ja um einen Zweck zu erfüllen - aber am Ende neben einer Zweckerfüllung immer für Menschen, die im besten Fall respektvoll miteinander arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig stärken.

Dasselbe gilt für unsere Gesellschaft.
Ich glaube nicht, dass Menschlichkeit Schwäche ist. Im Gegenteil: Mitgefühl, soziale Verantwortung und echte Solidarität brauchen Mut. Es ist einfacher wegzusehen. Einfacher, Menschen auszugrenzen. Einfacher, nur auf den eigenen Vorteil zu achten.
Aber eine funktionierende Gesellschaft entsteht nicht durch Egoismus, Angst, Überforderung, Konkurrenzdenken. Sie entsteht dort, wo Menschen füreinander da sind.

Genau deshalb bedeutet Ehrenamt für mich weit mehr als „Helfen“. Es bedeutet Haltung. Zuhören. Dasein. Nicht urteilen. Und manchmal einfach nur einem Menschen das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Der Ehrentag erinnert uns daran, dass Demokratie nicht nur aus Gesetzen besteht. Demokratie lebt von Menschen, die sich einbringen. Die Verantwortung übernehmen. Die Haltung zeigen. Im Kleinen genauso wie im Großen.

Vielleicht brauchen wir heute nicht mehr Härte in dieser Welt.
Vielleicht brauchen wir vor allem mehr Menschlichkeit, mehr Würde.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Art. 1 GG
Das Grundgesetz ist das Fundament des demokratischen Zusammenlebens in Deutschland. Seit seiner Verkündung am 23. Mai 1949 vor 77 Jahren, steht es für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie. 

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