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Showing posts from December, 2025

Patti Smith – eine Inspiration für mentale Stärke und kreative Freiheit

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In unserer hektischen und oft herausfordernden Welt brauchen wir Halt und viele von uns suchen nach Halt, Orientierung und Wegen, mit inneren Unsicherheiten umzugehen. Kunst und Kreativität können dabei wie ein sicherer Hafen wirken – sie schenken Raum für Ausdruck, Reflexion und Heilung – zu mindestens ist dies für mich so. Patti Smith, eine Ikone der Musik- und Kulturszene, verkörpert für mich genau diese Kraft: Patti Smith steht für Authentizität, den Mut zur Verletzlichkeit und die unermüdliche Suche nach Wahrheit – Qualitäten, die gerade im Kontext mentaler Gesundheit unverzichtbar sind. In diesem Artikel möchte ich zeigen, warum Patti Smith für mich eine Wegbegleiterin / einer meiner Role-Models auf dem eigenen, manchmal holprigen Lebensweg war und ist. Vorbild Patti Smith war und ist für mich ein Vorbild. Nicht, weil sie alles im Griff hat – sondern, weil sie nie aufgehört hat, auf der Suche zu sein. In Zeiten, in denen alles wackelt, gibt sie mir Halt. Nicht durch fer...

Zuversicht als Haltung – ein Gedanke zum Jahresende

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Es ist Dezember, und der Blick auf die Welt fühlt sich schwer an. Nachrichtenlagen überlagern sich, Krisen scheinen sich gegenseitig zu verstärken, und vielerorts gewinnen rechtsextreme und faschistische politische Strömungen an Einfluss. Was lange als überwunden galt, tritt wieder offen zutage: die Abwertung von Vielfalt, die Sehnsucht nach einfachen Antworten, die Bereitschaft, Freiheit gegen vermeintliche Sicherheit einzutauschen. In solchen Zeiten ist es nur allzu verständlich, dass viele erschöpft sind und müde werden, dagegenzuhalten. Und doch stellt sich gerade jetzt eine vielleicht unbequeme Frage: Wie bleiben wir innerlich und geistig beweglich, ohne die Realität zu verleugnen – und wie können wir präsent bleiben, für uns selbst und für die Gesellschaft? Der Satz „Wir haben die Pflicht zur Zuversicht.“ wirkt in diesem Zusammenhang zunächst ungewohnt scharf. Giovanni di Lorenzo hat ihn in den vergangenen Jahren immer wieder betont, nicht als moralischen Appell von oben herab, w...

„Grünes Licht“ und der letzte Weg - Zwischen Verantwortung, Mitgefühl und Gesetz

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In diesen Artikel geht es um den Dokumentarfilm  „Grünes Licht“ von Pavel Cuzuioc – den ich mit "Zwischen Verantwortung, Mitgefühl und Gesetz" gelabelt habe - da es in der Doku um Dr. Johann Spittler geht, der wegen seinem Mitgefühl / Mitleid aktuell in Haft ist. Es ist kein leichter Weg, den der Regisseur Pavel Cuzuioc in seinem Dokumentarfilm  „Grünes Licht“  beschreitet. Und es ist erst recht kein leichter Weg für jene Menschen, denen der Film begegnet: Menschen, die seit Jahren mit schwersten körperlichen oder psychischen Erkrankungen leben, deren Leid kaum noch zu ertragen ist und für die jede Hoffnung auf Besserung längst verloren scheint. Im Zentrum des Films steht ein Mann, auf dem für viele dieser Menschen die letzte Hoffnung ruhte  Dr. Johann Spittler . Dr. Spittler führt Gespräche mit Menschen, die einen assistierten Sterbehilfe erwägen oder diesen bereits entschieden haben. In Zusammenarbeit mit Sterbehilfe-Organisationen in der Schweiz un...

„Buchenleben“ von Peter Wohlleben – Eine Einladung zur inneren Ruhe durch die Natur

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In seinem Buch „Buchenleben“ nahm mich Peter Wohlleben mit in die faszinierende Welt der Buchenwälder. Peter Wohlleben ist Förster und Autor vieler guter Bücher über die Natur, den Wald und Bäume. Mit viel Feingefühl und einem tiefen Verständnis für ökologische Zusammenhänge schildert er, wie die Buche als Baum und als Teil eines komplexen Ökosystems funktioniert – und wie wir Menschen davon profitieren können, auf so vielen Ebenen und auch seelisch.  Wohlleben gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse über Wälder in eine Sprache zu übersetzen, die zugänglich und gleichzeitig poetisch ist. Er erzählt nicht nur von den biologischen Eigenheiten der Buche, sondern zeigt auch, wie Wälder als Lebensgemeinschaften funktionieren – voller Kommunikation, Kooperation und Balance. Besonders spannend ist dabei seine Darstellung, wie sich Bäume gegenseitig unterstützen und wie sensibel sie auf ihre Umwelt reagieren. Für Leser*innen, die sich mit Mental Health beschäftigen, ist „Buchenleben“ we...

Weihnachten, Trauer und leisen Ritualen

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Die Tage rund um Weihnachten werden oft als Zeit der Ruhe, der Nähe und der Hoffnung beschrieben. Für viele Menschen, und auch für Einsatzkräfte, können diese Tage jedoch wie ein Verstärker wirken: für Belastungen, für Verluste, für innere Spannungen, die im Jahresverlauf kurzfristig oder länger getragen wurden, wie ein nicht bemerkter Rucksack. Feiertage unterbrechen Routinen. Sie schaffen Leerstellen, in denen Erinnerungen lauter werden. Das gilt für Trauernde ebenso wie für Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich Verantwortung für andere tragen. Trauer an Feiertagen – normal, nicht pathologisch Gerade frisch aus einem PSNV Ausbildungwoche zurückkommend, und gleich einen Tag darauf hatte ich ein kollegiales Gespräch, schreibe ich nun heute diese 'weihnachtlichen Gedanken' mit einem Schwerpunkt PSNV und Rettungsdienst. Aus psychosozialer Sicht ist es wenig überraschend, dass Trauer sich an Feiertagen intensiviert. Rituale, die früher Halt gegeben haben, fehlen oder schmerzen...

When Christmas Amplifies What We Carry

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The days around Christmas are often described as gentle and hopeful — a season of quiet, closeness, and reassurance. For many people, however — and especially for those working in emergency and care professions — these days can feel less like rest and more like amplification. What has been carried through the year — loss, strain, unresolved grief, inner tension — can suddenly feel heavier, like a backpack we didn’t realize we were wearing until we finally stopped moving. Holidays interrupt routines. They slow the pace. And in that slowing, memories surface. They grow louder. This is true for those who are grieving, and just as true for people who carry responsibility for others — professionally or voluntarily — often without much room for their own needs. Grief During the Holidays Is Human, Not a Disorder I’m writing this shortly after returning from a Psychosocial Emergency Support (PSNV) Training Week , followed by a peer conversation the very next day. These experiences shape my foc...

Die leise Kraft der Frage: Axel Hackes „Wie fühlst du dich?“

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Manchmal sind es nicht die großen Antworten, die uns weiterbringen, sondern die richtigen Fragen. Axel Hackes Buch „Wie fühlst du dich?“ ist genau so ein Buch: kein Ratgeber, kein Fachbuch, kein psychologisches Lehrwerk – und gerade deshalb zutiefst menschlich. Ich hörte das Buch auf einer Fahrt zu einer PSNV -Ausbildung, gelesen von Axel Hacke selbst. In dieser Situation wurde es für mich mehr als eine Lektüre: Es wurde ein Begleiter – durch die oft unübersichtliche Landschaft unserer Gefühle. Eine einfache Frage mit großer Wirkung Der Titel ist Programm. „Wie fühlst du dich?“ ist eine Frage, die wir viel zu selten stellen – und noch seltener ehrlich. Anderen gegenüber, aber vor allem uns selbst. Dabei arbeite ich selbst im Bereich der mentalen Gesundheit und weiß, wie zentral diese Frage ist. Hacke macht sie zum Mittelpunkt seines Buches und zeigt, wie ungewohnt, aber auch wie heilsam es sein kann, Gefühle nicht wegzuerklären, zu übergehen oder zu relativieren, sondern sie er...

Politische Debatten zur Sterbehilfe: Gesetzentwürfe, Unterstützer und Gegner

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Seit fünf Jahren begleite ich auf diesem Blog die Entwicklungen rund um Sterbehilfe und assistiertem und selbstbestimmten Sterben in Deutschland,  und in Teilen darüber hinaus. Vieles hat sich bewegt – doch die zentrale Frage bleibt offen: Wie soll ein verlässlicher Rahmen aussehen, der Betroffenen, Ärzt*innen und Angehörigen echte Rechtssicherheit bietet? Während das Bundesverfassungsgericht das Recht auf selbstbestimmtes Sterben gestärkt hat, fehlt es an Regelung zur Umsetzung. Die politischen Positionen gehen weit auseinander, und die gescheiterten Gesetzentwürfe von 2023 wirken bis heute nach. In 2025 lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Haltungen der Parteien: Wer setzt auf mehr Selbstbestimmung, wer auf Restriktion, und wer sucht nach einem Kompromiss?  Grundsätzliche Lage in Deutschland Aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) ist in Deutschland weiterhin verboten und im Strafgesetzbuch als „Totschlag auf Verlangen“ geregelt (Strafbarkeit bleibt bestehen). ...

Human Rights Day - December 10th

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Human Rights Day on December 10th marks the adoption of the Universal Declaration of Human Rights in 1948. It’s more than a historical milestone — it’s a reminder that human rights are meant to empower every one of us, every single day. These rights are not distant political ideas; they shape our daily lives, our dignity, and our emotional well-being. Because mental health begins where human rights are respected - surrounds us. At least, this is how I feel about it. Why human rights matter today 77 years later, the Declaration remains deeply relevant. It teaches us that we all have rights — and we all share responsibility . Every action, no matter how small, can help protect these rights: setting boundaries, supporting others, speaking up about injustice, or simply listening with compassion. Back in 1948, UNESCO recognized that education and awareness were essential to spreading human rights. That idea still matters — especially when we think about mental health. Human rights prev...

hr-Sendung „Die Ratgeber“ - Sterbehilfe

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In der Ausgabe der hr-Sendung „Die Ratgeber“ stellte DGHS-Präsident Robert Roßbruch die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) vor und ordnete die aktuelle öffentliche Diskussion ein. Auslöser der erneuten Debatte war der Freitod der Kessler-Zwillinge , der vor drei Wochen bundesweit Aufmerksamkeit erregt hatte und Fragen zur Selbstbestimmung am Lebensende neu aufgeworfen hat. Roßbruch erläuterte in der Sendung, an wen sich Menschen mit Sterbewünschen wenden, wie die DGHS arbeitet und wie Freitodbegleitungen vermittelt werden. Dabei hob er hervor, dass auch psychisch erkrankte Menschen sowie Personen, die lebenssatt sind, ein Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende haben – ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion häufig ausgeblendet wird. (siehe auch Q&A - Wie arbeiten Sterbehilfevereine? ) Kritisch fiel die Wortwahl der Sendung zu Beginn auf: Die Moderatorin sprach zunächst von „assistiertem Selbstmord“ – einem Begriff, den die DGHS als unwürdig u...

Warum Sterbehilfe ein Akt der Menschlichkeit ist – Gedanken zum Fall von Hugo

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Wenn wir über mentale Gesundheit sprechen, sprechen wir oft über Selbstfürsorge, über Belastbarkeit und über Wege, gut durch das Leben zu gehen. Was wir jedoch viel zu selten ansprechen, ist das andere Ende dieses Weges: Die Frage, wie Menschen würdevoll leben – und würdevoll sterben dürfen. Der kürzlich erschienene Artikel, in der Westfalenpost , über Hugo, einen Mann aus Hagen, der sich nach vielen Jahren schwerer Erkrankungen für eine geplante Form der Sterbehilfe entschieden hat, bewegt mich tief. Seine Frau, Christiane, hat ihn begleitet – voller Liebe, Klarheit und Mut. Und gerade ihre Geschichte zeigt, warum wir über dieses Thema offener sprechen müssen. Sterbehilfe als Ausdruck von Würde und Selbstbestimmung Sterbehilfe oder Freitodbegleitung (FTB) wird oft missverstanden. Doch in Fällen wie dem von Hugo geht es nicht um den Wunsch, dem Leben zu entfliehen. Es geht um etwas ganz anderes: Es geht darum, dem Leid nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Menschen wie Hugo entsc...

Die CLW fordert, für die Niederlande, nach dem Vorbild des BVerfG mehr Selbstbestimmung am Lebensende

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Die Coöperatie Laatste Wil forderte Sterbehilfe als Option für alle – auch bei Vollendung des Lebens Am 2. Dezember 2025 bestätigte das Berufungsgericht in Den Haag, dass die bislang sehr strengen Regeln für Sterbehilfe und Freitodbegleitung in den Niederlanden nicht gelockert werden müssen. Was für die Regierung ein Erfolg ist, bedeutet für viele Menschen, die sich ein selbstbestimmtes Lebensende wünschen, eine Enttäuschung. Allen voran für die Coöperatie Laatste Wil (CLW) – einen Verein, der dafür kämpft, dass jede erwachsene Person die Möglichkeit bekommt, über den eigenen Lebensabschluss zu entscheiden. Nicht nur im Fall schwerer Krankheit oder „unerträglichen Leidens“, wie das niederländische Gesetz heute verlangt. Sondern auch dann, wenn ein Mensch sein Leben als vollendet empfindet. Ein Urteil, das Fragen offenlässt und menschen alleine lässt, wie ich meine Die Klage des  Coöperatie Laatste Wil (CLW) ging um  Selbstbestimmung statt staatlicher Grenzziehung Die CLW...