Die stille Krise unserer Zeit? Psychische Erkrankungen nehmen zu und was wäre zu lernen?

Psychische Gesundheit ist längst kein Randthema mehr. Sie betrifft Millionen Menschen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Hintergrund. Depressionen, Angststörungen, Erschöpfung, Traumafolgen und Suchterkrankungen sind keine Einzelfälle. Sie gehören inzwischen zu den großen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Und viele Menschen haben das Gefühl: Es werden immer mehr. Die Frage ist:
Täuscht uns / mich diese Wahrnehmung – oder zeigen die Daten tatsächlich eine Entwicklung?
Die Antwort lautet, so denke ich: Beides spielt eine Rolle.

Die Daten zeigen tatsächlich, dass psychische Belastungen und psychische Erkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Gleichzeitig ist aber auch unser Umgang mit psychischer Gesundheit anders geworden: Menschen sprechen offener darüber, suchen häufiger Hilfe und Erkrankungen werden besser erkannt und diagnostiziert. Das bedeutet nicht jede steigende Zahl bedeutet automatisch, dass plötzlich viel mehr Menschen erkranken. Aber die Entwicklung ist real und belegbar.

Die Zahlen zeigen eine wachsende Herausforderung

Nach Daten des Robert Koch-Instituts erhielt im Jahr 2023 ein großer Anteil der Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal eine Diagnose einer psychischen Störung in der ambulanten Versorgung.

Rund 40 Prozent der Erwachsenen waren betroffen. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern ...

  • Frauen: etwa 44 Prozent
  • Männer: etwa 36 Prozent

Diese Zahlen müssen allerdings richtig eingeordnet werden. Sie bedeuten nicht, dass vier von zehn Menschen schwer psychisch krank sind. In diesen Zahlen enthalten sind auch leichtere oder zeitlich begrenzte psychische Belastungen wie Anpassungsstörungen oder einzelne depressive Episoden.
Andere bevölkerungsbezogene Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa jeder fünfte Mensch innerhalb eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen ist.
Auch die OECD beschreibt psychische Erkrankungen inzwischen als eine der großen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen moderner Gesellschaften. 
STUDIE: Wirtschaftliche Argumente für die Prävention psychischer Erkrankungen (Auszugsweise Übersetzung)

Europa und die Welt: Eine globale Entwicklung

Diese Entwicklung ist nicht auf Deutschland beschränkt. Für Europa und die OECD-Staaten zeigen Untersuchungen ...

  • Mehr als jeder 5te Erwachsene lebt mit einer psychischen Erkrankung.
  • Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen liegt deutlich höher als vor einigen Jahrzehnten.
  • Besonders seit der COVID-19-Pandemie haben Angststörungen und Depressionen zugenommen.

Weltweit schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass mehr als eine Milliarde Menschen mit einer psychischen Erkrankung leben. Die häufigsten Erkrankungen sind ...

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Suchterkrankungen
  • Bipolare Erkrankungen
  • Schizophrenie

Psychische Gesundheit ist damit kein Spezialthema für einzelne Gruppen. Sie ist eine gesellschaftliche Realität.

Frauen und Männer: Unterschiedliche Belastungen

Die Zahlen zeigen Unterschiede zwischen Frauen und Männern – allerdings nicht immer so, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Frauen sind häufiger betroffen von ...

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Essstörungen
  • Posttraumatischen Belastungsstörungen

Bei Männern zeigen sich häufiger ...

  • Alkohol- und Suchterkrankungen
  • Problematischer Substanzkonsum
  • Schwere Verläufe mit tödlichem Ausgang

Gerade bei Männern gibt es zusätzlich ein großes Dunkelfeld. Viele Männer suchen später oder gar keine Hilfe. Nicht unbedingt, weil sie weniger leiden, sondern weil psychische Belastungen anders ausgedrückt werden. Statt Traurigkeit oder Angst zeigen sich oftmals ...

  • Rückzug
  • Reizbarkeit
  • Aggressivität
  • Riskantes Verhalten
  • Erhöhter Alkoholkonsum

Ein besonders erschreckender Ausdruck dieser Problematik sind die Suizidzahlen. In Deutschland sind etwa 3/4 der Suizidverstorbenen Männer, nicht zu verwechseln mit Freitoden, hier gerne auch wenn es der Kontext nicht hergibt einmal die Zahlen zu Freitoden. Das zeigt: Weniger Diagnosen bedeuten nicht automatisch weniger Belastung.

Warum nimmt die Belastung zu?

Psychische Erkrankungen entstehen selten durch eine einzige Ursache. Heute geht die Forschung von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus ...

  • Persönliche Lebensgeschichte
  • Biologische Faktoren
  • Psychische Belastungen
  • Soziale Rahmenbedingungen
  • Menschen erleben heute einen dauerhaften Druck:
    - Leistungsdruck
    - Erfolgsdruck
    - Zeitdruck
    - Zukunftsdruck

Hinzu kommen gesellschaftliche Belastungen:

  • Finanzielle Unsicherheit
  • Steigende Lebenshaltungskosten
  • Schwieriger Wohnungsmarkt
  • Einsamkeit
  • Digitalisierung und permanenter Vergleich durch soziale Medien
  • Politische Krisen
  • Kriege
  • Klimawandel und Zukunftsängste

Gerade junge Menschen berichten immer häufiger von Sorgen über ihre Zukunft. Dabei geht es nicht darum, einzelne Faktoren als „Schuldige“ zu benennen. Psychische Gesundheit ist komplex. Aber eine Gesellschaft, die dauerhaft unter Druck steht, hinterlässt Spuren.
Die Pandemie war ein Verstärker – nicht die einzige Ursache. COVID-19 hat diese Entwicklung sichtbar gemacht und teilweise beschleunigt. Isolation, Unsicherheit, Verlust von Routinen und Zukunftsängste haben viele Menschen psychisch belastet. Aber die Pandemie hat nicht allein eine neue Krise geschaffen. Sie hat vielmehr bestehende Probleme verstärkt von einer fehlende Prävention, über zu wenig niedrigschwellige Hilfsangebote, die Sparzang, aber auch durch fhelenderm Interesse von Interessen und politische GRuppen herrührt, bis hin zu lange Wartezeiten auf Therapieplätzen und der unzureichende Unterstützung für Angehörige, und Cobetroffenen.

Die Folgen betreffen uns alle. Psychische Erkrankungen sind nicht nur ein persönliches Schicksal. Sie haben Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, Aspekte und Auswirkungen wie ...

  • Mehr Krankheitsausfälle
  • Längere Arbeitsunfähigkeiten
  • Frühverrentungen
  • Belastung von Familien
  • Steigende Kosten im Gesundheitswesen
  • Fachkräftemangel
  • Verlust an Lebensqualität

Was dabei gerne, oder sage ich lieber mehr als trauriger weise vergessen, überlesen und nicht gesehen wird, hinter jeder Statistik steht ein Mensch, jede Zahl ist ein individuelles Schicksal and em weitere verknüpft sind.. Eine Zahl über Depression bedeutet nicht nur dass da eine Diagnose ist oder war. Dahinter steht vielleicht ein Mensch, der morgens nicht mehr aufstehen kann. Eine Zahl über Angststörungen bedeutet vielleicht jemanden, der sein Leben immer stärker einschränkt. Eine Zahl über Suchterkrankungen bedeutet vielleicht und oft eine Familie, die hilflos zusieht. Hilfe darf kein Luxus sein oder werden.

Wir sprechen heute viel darüber, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Das ist wichtig.
Aber Entstigmatisierung allein reicht nicht. Wenn Menschen mutig den Schritt gehen und Hilfe suchen, müssen sie diese Hilfe auch bekommen. Ein System und eine Gesellschaft, in dem Menschen Monate auf Unterstützung warten müssen, wird dem tatsächlichen Bedarf nicht gerecht. Psychische Gesundheit braucht mehr als öffentliche Aufmerksamkeit. Sie braucht, so denke ich mehr und immer vehementer ...

  • Prävention
  • Unterstützung und diese Frühzeitig
  • Therapieplätze und diese in Ausreichender Zahl und Qualität
  • Bessere Versorgung
  • Gesellschaftliche Offenheit


Meine persönliche Einschätzung

Die Zahlen bestätigen letztlich eine Entwicklung, die viele Menschen bereits spüren. Unsere Gesellschaft ist nicht automatisch kränker geworden, weil Menschen schwächer geworden sind. Vielleicht sind wir heute einfach ehrlicher darin, offener geworden, selbstwahrnehmender geworden, Belastungen sichtbar zu machen. Aber gleichzeitig leben viele Menschen in einer Welt, die schneller, komplexer und unsicherer geworden ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur ...
Warum werden mehr Menschen psychisch belastet? ... sondern ... Was können wir als Gesellschaft tun, damit Menschen gesund bleiben – und damit diejenigen Hilfe bekommen, die sie brauchen?
Denn mentale Gesundheit ist kein Luxus. Sie ist eine Grundlage für ein menschliches und solidarisches Zusammenleben. Grundlage für eine menschliche und gute Gesellschaft, wenn es leider in vielen Staaten und Regionen um Ausgrenzung und Stigmatisierung geht.



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