„Palli to hear“ ein Podcast der HHU Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Bei meiner Recherche für diesen Blog bin ich auf den Podcast „Palli to hear“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gestoßen.
Die Podcast-Reihe ist inzwischen beendet – die letzte Folge erschien Mitte 2025. Das finde ich eigentlich schade. Denn viele der Gespräche sind erstaunlich zeitlos. Sie vermitteln nicht nur medizinisches Wissen, sondern geben vor allem einen sehr persönlichen Einblick in die Palliativversorgung: in Erfahrungen, Entscheidungen, Unsicherheiten, Begegnungen und die Menschen, die täglich mit Krankheit, Sterben und Abschied zu tun haben.
Deshalb möchte ich den Podcast gerne weiterempfehlen.
Nicht nur wegen der medizinischen Informationen, sondern gerade wegen der Zwischentöne und Geschichten. Mein Rat ist deshalb ganz einfach: Einfach einmal reinhören. Und vor allem: zuhören.

Moderation: Dr. med. Yann-Nicolas Batzler und Dr. PH Manuela Schallenburger
Zu finden: bei der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


Drei Folgen, die ich besonders empfehlen möchte

Wenn ihr euch einen Eindruck davon verschaffen möchtet, wie vielfältig Palliativversorgung tatsächlich ist, würde ich besonders diese drei Folgen empfehlen.

Katharina Claus – Pflegefachperson und Ethikberaterin  -  3. Februar 2025
Katharina Claus gibt Einblicke in ihre Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin und Ethikberaterin. Sie spricht über die Handlungsempfehlung Sterben (HES), ethische Fragen und komplementäre Methoden wie die Wickeltherapie.
Besonders interessant fand ich die Frage, was Menschen in der letzten Lebensphase guttut – und die Analogie des „Gummibandes“, die in diesem Zusammenhang verwendet wird.

Dr. med. Jacqueline Schwartz – Palliativmedizinerin   –  29. Mai 2024
Diese Folge führt unmittelbar auf die Palliativstation: Welche Patientinnen und Patienten werden dort überhaupt aufgenommen? Welche Ziele verfolgt eine Palliativstation – und was bedeutet ein ganzheitlicher Ansatz konkret?
Dr. Jacqueline Schwartz erzählt von ihrem Weg in die Palliativmedizin und spricht über die Herausforderungen, vor denen Ärztinnen und Ärzte stehen. Besonders spannend ist dabei der Blick auf die Ausbildung: Wie werden angehende Medizinerinnen und Mediziner eigentlich darauf vorbereitet, Menschen in einer solchen Lebenssituation zu begleiten? Wie in anderen Folgen wird auch hier anhand eines realen Patientenfalls deutlich, dass Palliativmedizin nicht allein bedeutet, Symptome zu behandeln. Es geht darum, den Menschen in seiner gesamten Situation wahrzunehmen.

PD Dr. med. Martin Neukirchen – Palliativmediziner und Leiter des IZP   –   10. Mai 2024
Wie wird man Palliativmediziner? Was braucht es, um ein gutes Team zu führen? Und vor welchen Herausforderungen stehen Palliativmediziner in Klinik, Forschung und Lehre? PD Dr. Martin Neukirchen erzählt von seinem persönlichen Weg und gibt gleichzeitig einen Einblick in die unterschiedlichen Aufgabenbereiche der Palliativmedizin.
Auch hier wird deutlich: Gute Palliativversorgung ist vor allem Teamarbeit.


Einfach einmal reinhören  ... und Zuhören.

Genau deshalb möchte ich diesen inzwischen beendeten Podcast trotzdem empfehlen. Die einzelnen Folgen sind vielleicht nicht mehr ganz aktuell. Aber die Fragen, um die es geht, sind es sehr wohl.

  • Was bedeutet Lebensqualität, wenn Heilung nicht mehr das Ziel sein kann?
  • Was brauchen Menschen am Lebensende?
  • Was bedeutet es eigentlich, einen Menschen ganzheitlich zu begleiten?
  • Und was brauchen diejenigen, die begleiten?

Auf diese Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Aber die Gespräche in „Palli to hear“ geben interessante Einblicke – und vielleicht den einen oder anderen Gedanken, über den es sich lohnt, weiter nachzudenken.
Was mir an „Palli to hear“ besonders gefällt: Der Podcast versucht nicht, die großen Fragen des Sterbens mit einfachen Antworten zu versehen. Er lässt Menschen zu Wort kommen, die täglich mit Krankheit, Sterben und Abschied zu tun haben – aber eben auch mit Leben und Lebensqualität.

Und genau das ist ein Aspekt, der mir auch bei den Themen dieses Blogs immer wieder wichtig erscheint:
Wenn ein Mensch erkrankt, leidet oder sich mit dem eigenen Lebensende beschäftigt, steht er nicht allein in einem Raum.
Da sind Angehörige, Partnerinnen und Partner, Familie, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen. Und da sind die Menschen, die professionell begleiten: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Psychologinnen und Psychologen, Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter und viele andere.
Auch sie sind Teil dieser Situation. Sie kümmern sich, sie begleiten, sie entscheiden mit, sie halten aus, sie trösten – und manchmal stehen auch sie vor Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt.

Vielleicht sollten wir deshalb beim Nachdenken über das Lebensende nicht nur fragen: Was braucht der Mensch, der schwer krank ist oder sterben möchte?
Sondern ebenso: Was brauchen die Menschen, die ihn begleiten?

Denn Lebensqualität am Lebensende entsteht nicht allein durch medizinische Versorgung. Sie entsteht auch durch Beziehungen, durch Zeit, durch Zuhören, durch Sicherheit und durch das Gefühl, mit den eigenen Fragen nicht allein zu sein. Vielleicht ist das eine der Botschaften, die aus „Palli to hear“ mitgenommen werden können. Die Podcast-Reihe ist beendet. Aber die Gespräche sind es nicht. Und die Fragen, die sie aufwerfen, schon gar nicht. Einfach einmal reinhören … und zuhören.

Comments

Popular posts from this blog

Q&A - Wo findet man Sterbehilfe in Deutschland?

Q&A - Sterbehilfe, Freitod und Selbstbestimmung: Antworten auf mehr als der 15 meistgestellten Fragen

Hilfe finden ...

Sterbehilfe in Deutschland - Erläutert in 3 bis 4 Minuten (Lesezeit)

Sterbehilfe - Organisation, Hilfe finden, Kosten