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Showing posts from January, 2026

Zahlen zu Freitodbegleitungen in Deutschland für das Jahr 2025 bzw. neuere Schätzungen

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Zusammenstellung der Zahlen zu Freitodbegleitungen in Deutschland für das Jahr 2025 bzw. neuere Schätzungen, basierend auf verfügbaren Quellen. Leider sind offizielle, amtliche Gesamtstatistiken bisher (Ende Januar 2026) nicht zentral veröffentlicht worden; die derzeit verfügbaren Daten stammen überwiegend aus Vereinsangaben, Pressekonferenzen und Presseberichten. Die Zahlen der letzten Jahre finden Sie hier: Zahlen und Fakten zur Sterbehilfe 2021 bis 2024 Nach Presseberichten finde ich nachfolgende Zahlen: Insgesamt etwa 1.287 assistierte Freitodbegleitungen sollen 2025 in Deutschland stattgefunden haben, wenn man alle Organisationen zusammenzählt. DGHS: 898 Fälle Dignitas Deutschland: ~213 Fälle Verein Sterbehilfe (Hamburg): ~176 Fälle Diese Zahl ist eine Schätzung aus journalistischen Quellen und nicht amtlich bestätigt, aber sie gibt einen breiteren Überblick über die Situation in 2025. 1. Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V. Die DGHS berichtete bei ihrer Presseko...

Pressekonferenz der DGHS vom 29.Jaunuar 2026

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Am 29. Januar 2026 stellte Präsident RA Prof. Robert Roßbruch auf einer Pressekonferenz in Berlin die neue Diskurs- und Informationskampagne der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben vor: „Humanes Sterben. Weil es mein Leben ist.“ Zu finden unter:  www.humanes-sterben.info Es ist eine Kampagne, die nicht laut sein will, aber Gehör und Öffentlichkeit bekommen soll, und einfach nur menschlich sein will. Keine abstrakten Debatten, keine juristischen Schlagworte – sondern Gesichter, Stimmen, Geschichten. Das Herzstück bilden sogenannte Testimonials: Mitglieder der DGHS erzählen in kurzen Videos von jeweils etwa zwei Minuten von ihrem Weg, ihren Gedanken, ihren Gründen. Sie sprechen über Sterbehilfe und Freitodbegleitung, über Selbstbestimmung, Angst, Würde und Verantwortung. Diese Stimmen sind auf www.humanes-sterben.info ebenso zu finden wie in den Social-Media-Kanälen der DGHS und auf YouTube. Sie richten sich ausdrücklich auch an jene Menschen, die sich mit dem Thema Freitodbe...

Einsamkeit im Alter - Das Silbertelefon

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Einsamkeit im Alter ist ein oft unterschätztes Thema – besonders im Zusammenhang mit dem Übergang in den Ruhestand. Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen Beitrag im MOMA des WDR -  Telefonieren gegen einsamkeit im Alter  . Wenn der Job endet, verändert sich mehr als nur der Tagesablauf. Für viele Menschen verschwinden soziale Kontakte, Routinen und das Gefühl von Zugehörigkeit. Was lange selbstverständlich war, fehlt plötzlich. Diese Form der Einsamkeit betrifft nicht nur Alleinlebende, sondern auch Paare. Sie hat direkte Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und sollte nicht tabuisiert werden. Einsamkeit schleicht sich oft leise ins Leben. Besonders dann, wenn ein Lebensabschnitt endet, der viele Jahre getragen hat: der Job. Mit dem letzten Arbeitstag geht für viele Menschen mehr verloren als nur ein Einkommen. Es verschwinden Routinen, Aufgaben, Anerkennung – und vor allem tägliche Begegnungen. Gespräche auf dem Flur, gemeinsames Lachen, kleine Rituale. Dinge, die...

Zwischen Struktur, Sekunden und Seele.

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Im Rettungsdienst zählt jede Sekunde. Entscheidungen fallen unter Druck, Handlungen müssen sitzen, Abläufe greifen. Klare Strukturen, Algorithmen, Handlungsempfehlungen und medizinische Standards sind das Fundament unserer Arbeit. Sie geben Halt, wenn Situationen chaotisch werden. Sie machen es möglich, Leben zu retten, Schaden zu begrenzen und Menschen sicher in weiterführende Versorgung zu bringen. Diese Strukturen sind kein Korsett – sie sind ein Schutz. Für die Patientinnen und Patienten. Und für uns selbst. Seit ein paar Tagen treibt mich der Gedanke um kann es so etwas wie eine 'den Menschen sehende' Notfallversorgung im Rettungsdienst geben? Am Einsatzort liegt der Fokus zunächst auf dem, was lebenswichtig ist: Atemwege sichern, Blutungen stoppen, Schmerzen lindern, Vitalfunktionen stabilisieren. Diese Maßnahmen haben Priorität, und das zu Recht. Sie entscheiden darüber, ob ein Mensch eine Chance hat, diesen Einsatz zu überleben. Und doch wissen wir alle: Damit ist noch ...

Durch Astrid Lindgren's Augen – ein stiller Appell in wahnwitzigen Zeiten „Die Menschheit hat den Verstand verloren“

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„Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ ist weit mehr als eine Dokumentation über eine weltberühmte Autorin. Der Film nähert sich Astrid Lindgren über ihre Kriegstagebücher aus den Jahren 1939 bis 1945. Texte, die sie in den Jahres des Zweiten Weltkriegs schrieb, als Mutter, als Frau, als frühe Feministin. 70 Jahre lang lagen diese Aufzeichnungen verborgen in einem Wäscheschrank. Es ist ein leiser, eindringlicher Film, der mich im Kino tief berührt hat – und der noch lange nachwirkt. Selten habe ich Geschichte so nah erlebt, so menschlich und zugleich so erschreckend aktuell. Heute hören wir darin, durch Astrid Lindgren's Auge und Wahrnehmung, von Angst, Ohnmacht und Fassungslosigkeit – aber auch von innerer Stärke und auch Dankbarkeit. Besonders berührend ist die Nähe, die der Film herstellt: die Gespräche zwischen ihrer Tochter Karin, ihrer Enkelin Annika und ihrem Urenkel Johan. Sie lesen, erinnern, halten inne. Dabei wird deutlich, wie sich Erfahrungen von ...

Zwischen Würde und Freiverantwortlichkeit – Gedanken zum BGH-Urteil im Fall Turowski

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Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen den Arzt Christoph Turowski bestätigt. Drei Jahre Haft wegen Totschlags in mittelbarer Täterschaft . Die FAZ beschreibt den Fall nüchtern und klar: Eine junge Frau, schwer depressiv, ein Arzt, der sich nach einem Gespräch zur Sterbehilfe bereit erklärt, eine tödliche Infusion – und am Ende die Feststellung der Gerichte, dass hier nicht von selbstbestimmtem Sterben gesprochen werden kann. Die   FAZ   zeigt sehr deutlich, worum es den Richtern ging: Nicht um eine Grundsatzabrechnung mit dem Recht auf Sterbehilfe – dieses Recht besteht seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020. Sondern um die Frage, wer in diesem Moment tatsächlich die Kontrolle hatte . Das Gericht kamen zu dem Schluss: Dass es in diesem Fall nicht die Frau, sondern der Arzt war. Die Analyse der Rechtsdepesche bringt dafür den entscheidenden Begriff ins Spiel: Freiverantwortlichkeit . Ein Sterbewunsch ist nur dann rechtlich geschützt, wenn er dauerhaf...

Monat zur Aufklärung über Co-Abhängigkeit / Co-Betroffenheit

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Wenn Geben zur Selbstaufgabe wird Manche Menschen geben so lange, bis kaum noch etwas von ihnen selbst übrig ist. Sie hören zu, halten aus, springen ein, übernehmen Verantwortung. Still. Verlässlich. Immer wieder. Von außen wirkt das wie Stärke oder besondere Fürsorge. Von innen fühlt es sich oft ganz anders an: erschöpfend, einengend, leer. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Signal. Der Januar gilt als Awareness-Monat für Co-Abhängigkeit / Co-Betroffenheit . Vielleicht braucht dieser Monat genau diese doppelte Benennung – weil sie sichtbar macht, dass es hier nicht um Schuld geht, sondern um Menschen, die mitleben, mittragen und häufig unsichtbar mitbetroffen sind. Warum „Co-Betroffenheit“ wichtig ist Der Begriff Co-Abhängigkeit beschreibt relevante Beziehungsmuster, trägt aber oft eine schwere, bewertende Bedeutung. Viele Menschen erleben ihn als Vorwurf – und reagieren mit Scham statt mit Verständnis. Co-Betroffenheit setzt einen anderen Fokus. Er macht deut...

Wenn Sekunden alles verändern – Schienensuizid und die seelischen Folgen für Lokführer

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Schienensuizide sind ein elementarer aber auch bedrückender Teil der Realität im Eisenbahnbetrieb. Statistisch erlebt etwa jeder zweite Lokführer im Laufe seiner beruflichen Laufbahn mindestens einen solchen Vorfall . Für Außenstehende bedeutet das oft eine Streckensperrung oder Verspätungen. Für die Menschen im Führerstand jedoch ist es ein Ereignis, das sich unauslöschlich ins Leben einschreibt. Ich komme zu diesem Thema da ich durch einen Artikel in der lokalen Zeitung in der BNN - nochmals auf dieses Thema ein Auge und Gedanken geworfen habe. Heinz B, aus dem BNN Artikel, ist einer von vielen Lokführern, die einen Schienensuizid miterlebt haben. Auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Heilbronn erkannte er in Sekundenbruchteilen, was passieren würde – und dass es nichts mehr gab, was er tun konnte. Bremswege von mehreren hundert Metern lassen keine Chance, ein solches Ereignis zu verhindern. Dieses Wissen ist rational nachvollziehbar – die emotionale Realität dahinter trifft di...

„Max’ letzter Akt der Selbstbestimmung – und was wir von ihm daraus lernen können

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Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 ist die Diskussion um Sterbehilfe in Deutschland wieder möglich - die Zahlen belegen die Menschen die es tun konnten und lassen erahnen, wie viele mehr die es versuchen, diesen Weg zu gehen. Das Gericht stellte klar: Das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben ist Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Es umfasst nicht nur das „Ob“, sondern auch das „Wann“ und „Wie“ des eigenen Todes. Damit wurde wieder hergestellt was vor 2015 galt aber noch mehr - ein jahrzehntelanges Tabu aufgebrochen – juristisch wie gesellschaftlich. Der Fall von Max macht sichtbar, worum es in dieser Debatte wirklich geht. Nicht um schnelle Lösungen, nicht um ein „Wegmachen“ von Krankheit oder Behinderung. Sondern um Freiverantwortlichkeit. Ich bin kein 'BILD' Leser dazu ist mir diese Zeitung aus vielen Grund nicht auf meinem Radar, was man überhaupt lesen kann. Aber dieser Artikel unter dem Titel ' Max beschließt, zu sterben '  ist...

Zwischen Gesetz und Leid: Französische Patienten auf dem Weg zur Sterbehilfe - Letzte Reise nach Belgien

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Die ARTE-Reportage „Re: Letzte Reise nach Belgien – zur Sterbehilfe“  (Autor: Simon Wohlfahrt) begleitet französische Bürger, die aufgrund schwerer, unheilbarer Krankheiten in Belgien Hilfe beim selbstbestimmten Sterben suchen. Während Sterbehilfe in Belgien seit über zwanzig Jahren unter klaren gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt ist, bleibt sie in Frankreich verboten und gesellschaftlich wie politisch stark umstritten. Diese rechtliche Kluft zwingt viele Betroffene dazu, ihr Land zu verlassen, um ihr Leiden selbstbestimmt zu beenden. (in diesem Kontext mein Artikel  Sterbehilfe in Belgien vom Juli 2025  und die zukünftige Änderungen die Ende 2026 in Frankreich in Kraft treten könnten Frankreichs Entscheidung zur Sterbehilfe von Mai 2025 ) Im Mittelpunkt steht unter anderem Valérie, die an der degenerativen Nervenkrankheit ALS leidet. Wie viele andere möchte sie nicht den fortschreitenden Verlust von Kontrolle und Würde erleben. Die Reportage zeigt ihren inneren K...

Assistierter Freitod in Österreich: Einblick in Begleitung, Sicherheit und ethische Verantwortung

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In diesem Interview des Change-Podcast #33 spricht Herr Dr. Florian Ploberger mit der die Palliativmedizinerin, Allgemeinmedizinerin und Medizinethikerin Frau Dr. Christina Kanneider über ihren beruflichen Weg und ihre ... ... intensive Auseinandersetzung mit Sterben, ... Begleitung am Lebensende ... und assistierter Sterbehilfe / assistiertes Sterben. Ausgangspunkt ist ihre Suche nach einer Medizin, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt – körperlich, seelisch und existenziell. Diese fand sie in der Palliativmedizin, die sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich geprägt hat. Die Arbeit mit sterbenden Menschen, so Kanneider, schärfe den Blick für das Wesentliche im Leben und erfordere vor allem Zuhören, Beziehung und die Bereitschaft, Endlichkeit auszuhalten. Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs ist die assistierte Sterbehilfe in Österreich nach der Gesetzesänderung 2022. Kanneider widerspricht der verbreiteten Annahme, dass ein Sterbewunsch aus mangelnder pallia...

Von Technologie zu Einfluss auf psychische Gesundheit

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Dieser Text entsteht aus einer Perspektive der Trauer und der eines UX Designers – und aus der Verantwortung, die aus ihr folgt. Wenn ein 14-jähriger Junge stirbt, ist das kein „Einzelfall“, kein technisches Missverständnis und kein abstraktes Produktthema. Suizid ist immer Ausdruck einer massiven psychischen Überforderung – und Suizidprävention bedeutet, genau jene Kontexte ernst zu nehmen, die diese Überforderung verstärken oder abfedern. Digitale Systeme sind längst Teil dieser Kontexte. Emotionale KI wirkt nicht im luftleeren Raum, sondern in Lebensphasen, in denen Menschen – insbesondere Jugendliche – nach Halt, Zugehörigkeit und Orientierung suchen. Aus Sicht digitaler Ethik stellt sich daher nicht nur die Frage nach Innovation, sondern nach Schutz, Fürsorge und Verantwortung. In diesem Artikel wird es primär darum gehen, warum emotionale KI eine Mental-Health-Frage ist . Getriggert wurde ich durch die Verfahrensabsprache im Fall Character.AI und Sewell Setzer . Der Suizid des 14...

Gedanken zum Start ins Jahr 2026 - Haltung in unruhigen Zeiten: Warum Zuversicht zur Pflicht wird

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2025 war ein Jahr, das mich gelehrt hat, wie nah sich Erschöpfung, Verantwortung und Hoffnung begegnen können. Zwischen dem Druck im Beruf, den Einsätzen für Menschen und dem Schreiben auf meinem Blog sei es beruflich über die Veränderungen im Digitalen Raum und dem Design und meinem Mental Health Blog und wie wir alle den Umbrüchen, Zusammenbrechen im Weltgeschehen und Weltpolitik habe ich gespürt, wie zerbrechlich Stabilität sein kann – und wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, wenn die Welt lauter, roher und unberechenbarer wird. Dieses Jahr hat mir vor Augen geführt: Menschlichkeit ist kein Luxus, sondern ein täglicher Akt – leise, entschieden und manchmal unbequem. Ein Jahr der Nähe und Verantwortung 2025 war für mich ein Jahr, in dem sich vieles verdichtet hat. Viel Arbeit, viel Verantwortung – im Beruf, im Sanitäts- und Rettungsdienst bei ASB und DRK, und im Schreiben über mentale Gesundheit, Verlust und Würde. Es war kein Jahr der Distanz, sondern eines der Nähe: zu Menschen i...