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Showing posts from January, 2026

Wenn Sekunden alles verändern – Schienensuizid und die seelischen Folgen für Lokführer

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Schienensuizide sind ein elementarer aber auch bedrückender Teil der Realität im Eisenbahnbetrieb. Statistisch erlebt etwa jeder zweite Lokführer im Laufe seiner beruflichen Laufbahn mindestens einen solchen Vorfall . Für Außenstehende bedeutet das oft eine Streckensperrung oder Verspätungen. Für die Menschen im Führerstand jedoch ist es ein Ereignis, das sich unauslöschlich ins Leben einschreibt. Ich komme zu diesem Thema da ich durch einen Artikel in der lokalen Zeitung in der BNN - nochmals auf dieses Thema ein Auge und Gedanken geworfen habe. Heinz B, aus dem BNN Artikel, ist einer von vielen Lokführern, die einen Schienensuizid miterlebt haben. Auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Heilbronn erkannte er in Sekundenbruchteilen, was passieren würde – und dass es nichts mehr gab, was er tun konnte. Bremswege von mehreren hundert Metern lassen keine Chance, ein solches Ereignis zu verhindern. Dieses Wissen ist rational nachvollziehbar – die emotionale Realität dahinter trifft di...

„Max’ letzter Akt der Selbstbestimmung – und was wir von ihm daraus lernen können

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Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 ist die Diskussion um Sterbehilfe in Deutschland wieder möglich - die Zahlen belegen die Menschen die es tun konnten und lassen erahnen, wie viele mehr die es versuchen, diesen Weg zu gehen. Das Gericht stellte klar: Das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben ist Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Es umfasst nicht nur das „Ob“, sondern auch das „Wann“ und „Wie“ des eigenen Todes. Damit wurde wieder hergestellt was vor 2015 galt aber noch mehr - ein jahrzehntelanges Tabu aufgebrochen – juristisch wie gesellschaftlich. Der Fall von Max macht sichtbar, worum es in dieser Debatte wirklich geht. Nicht um schnelle Lösungen, nicht um ein „Wegmachen“ von Krankheit oder Behinderung. Sondern um Freiverantwortlichkeit. Ich bin kein 'BILD' Leser dazu ist mir diese Zeitung aus vielen Grund nicht auf meinem Radar, was man überhaupt lesen kann. Aber dieser Artikel unter dem Titel ' Max beschließt, zu sterben '  ist...

Zwischen Gesetz und Leid: Französische Patienten auf dem Weg zur Sterbehilfe - Letzte Reise nach Belgien

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Die ARTE-Reportage „Re: Letzte Reise nach Belgien – zur Sterbehilfe“  (Autor: Simon Wohlfahrt) begleitet französische Bürger, die aufgrund schwerer, unheilbarer Krankheiten in Belgien Hilfe beim selbstbestimmten Sterben suchen. Während Sterbehilfe in Belgien seit über zwanzig Jahren unter klaren gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt ist, bleibt sie in Frankreich verboten und gesellschaftlich wie politisch stark umstritten. Diese rechtliche Kluft zwingt viele Betroffene dazu, ihr Land zu verlassen, um ihr Leiden selbstbestimmt zu beenden. (in diesem Kontext mein Artikel  Sterbehilfe in Belgien vom Juli 2025  und die zukünftige Änderungen die Ende 2026 in Frankreich in Kraft treten könnten Frankreichs Entscheidung zur Sterbehilfe von Mai 2025 ) Im Mittelpunkt steht unter anderem Valérie, die an der degenerativen Nervenkrankheit ALS leidet. Wie viele andere möchte sie nicht den fortschreitenden Verlust von Kontrolle und Würde erleben. Die Reportage zeigt ihren inneren K...

Assistierter Freitod in Österreich: Einblick in Begleitung, Sicherheit und ethische Verantwortung

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In diesem Interview des Change-Podcast #33 spricht Herr Dr. Florian Ploberger mit der die Palliativmedizinerin, Allgemeinmedizinerin und Medizinethikerin Frau Dr. Christina Kanneider über ihren beruflichen Weg und ihre ... ... intensive Auseinandersetzung mit Sterben, ... Begleitung am Lebensende ... und assistierter Sterbehilfe / assistiertes Sterben. Ausgangspunkt ist ihre Suche nach einer Medizin, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt – körperlich, seelisch und existenziell. Diese fand sie in der Palliativmedizin, die sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich geprägt hat. Die Arbeit mit sterbenden Menschen, so Kanneider, schärfe den Blick für das Wesentliche im Leben und erfordere vor allem Zuhören, Beziehung und die Bereitschaft, Endlichkeit auszuhalten. Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs ist die assistierte Sterbehilfe in Österreich nach der Gesetzesänderung 2022. Kanneider widerspricht der verbreiteten Annahme, dass ein Sterbewunsch aus mangelnder pallia...

Von Technologie zu Einfluss auf psychische Gesundheit

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Dieser Text entsteht aus einer Perspektive der Trauer und der eines UX Designers – und aus der Verantwortung, die aus ihr folgt. Wenn ein 14-jähriger Junge stirbt, ist das kein „Einzelfall“, kein technisches Missverständnis und kein abstraktes Produktthema. Suizid ist immer Ausdruck einer massiven psychischen Überforderung – und Suizidprävention bedeutet, genau jene Kontexte ernst zu nehmen, die diese Überforderung verstärken oder abfedern. Digitale Systeme sind längst Teil dieser Kontexte. Emotionale KI wirkt nicht im luftleeren Raum, sondern in Lebensphasen, in denen Menschen – insbesondere Jugendliche – nach Halt, Zugehörigkeit und Orientierung suchen. Aus Sicht digitaler Ethik stellt sich daher nicht nur die Frage nach Innovation, sondern nach Schutz, Fürsorge und Verantwortung. In diesem Artikel wird es primär darum gehen, warum emotionale KI eine Mental-Health-Frage ist . Getriggert wurde ich durch die Verfahrensabsprache im Fall Character.AI und Sewell Setzer . Der Suizid des 14...

Gedanken zum Start ins Jahr 2026 - Haltung in unruhigen Zeiten: Warum Zuversicht zur Pflicht wird

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2025 war ein Jahr, das mich gelehrt hat, wie nah sich Erschöpfung, Verantwortung und Hoffnung begegnen können. Zwischen dem Druck im Beruf, den Einsätzen für Menschen und dem Schreiben auf meinem Blog sei es beruflich über die Veränderungen im Digitalen Raum und dem Design und meinem Mental Health Blog und wie wir alle den Umbrüchen, Zusammenbrechen im Weltgeschehen und Weltpolitik habe ich gespürt, wie zerbrechlich Stabilität sein kann – und wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, wenn die Welt lauter, roher und unberechenbarer wird. Dieses Jahr hat mir vor Augen geführt: Menschlichkeit ist kein Luxus, sondern ein täglicher Akt – leise, entschieden und manchmal unbequem. Ein Jahr der Nähe und Verantwortung 2025 war für mich ein Jahr, in dem sich vieles verdichtet hat. Viel Arbeit, viel Verantwortung – im Beruf, im Sanitäts- und Rettungsdienst bei ASB und DRK, und im Schreiben über mentale Gesundheit, Verlust und Würde. Es war kein Jahr der Distanz, sondern eines der Nähe: zu Menschen i...

Medical Aid in Dying in the United States – Overview of State Regulations

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Conversations about Medical Aid in Dying are never abstract. They touch deeply personal experiences of illness, loss, fear, and the fundamental human desire for dignity at the end of life. For many patients facing terminal illness, the question is not about choosing death, but about how much suffering must be endured when medicine can no longer offer healing. This article does not seek to promote or normalize assisted dying, but rather to provide a clear, factual overview of how Medical Aid in Dying is regulated in parts of the United States—within strict legal boundaries and under carefully defined conditions. Medical Aid in Dying (MAID) allows terminally ill, mentally competent, and decision-capable adults to self-administer a prescription medication—either by ingesting it orally or by self-administered infusion—in order to end their life with dignity and without further suffering. All existing MAID laws in the United States are based on the model of the Oregon Death with Dignity Act...

A New Year, a New Beginning

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A new year begins  —  not as a clean slate, but as a gentle invitation. An invitation to continue, to breathe, to take one more step forward carrying everything that has shaped us. The past does not vanish at midnight, and the road ahead will not be free of uncertainty. Yet a beginning lives in the courage to move on with hope, even when our hearts are tired. Confidence is not loud. It does not deny pain or promise perfection. It is the quiet knowing that we can face what is real without breaking. It grows slowly—from lived moments, from inner resilience, and from the decision to meet life with honesty instead of fear. To wish for more joy than worry is not to erase our concerns, but to soften their grip. To hope for more sunshine than rain is not to deny the storms, but to trust our ability to endure them. And to choose love over hate is not blindness—it is bravery. It is choosing humanity again and again, even when the world makes it hard. A year filled with light, meaning,...