Blaulicht für Blaulicht e.V. – ECHO: Wenn der Einsatz vorbei ist, die Gedanken aber bleiben
Nicht jeder Einsatz endet mit Dienstschluss
Ich finde, dieser Satz bringt etwas auf den Punkt, das viele Menschen außerhalb der Blaulichtwelt oft gar nicht wahrnehmen. Ein Einsatz endet vielleicht mit der Rückkehr auf die Wache oder dem Feierabend, dem Ablegen der Dienstkleidung, mit der Dusche ... jede/ jeder hat da seine, so hoffe ich , sein eigenes Ritual – aber ... Für den Kopf gilt das nicht immer.
Es gibt Einsätze, die verarbeitet man problemlos. Andere begleiten einen noch lange. Bilder, Gerüche, Gespräche oder Entscheidungen können plötzlich wieder präsent sein – manchmal erst Stunden oder Tage später, manchmal sogar deutlich später. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es zeigt vielmehr, dass auch wir als Einsatzkräfte Menschen sind.
Warum ich ECHO für einen guten Ansatz halte
Was mich an der Initiative besonders angesprochen hat, ist ihr niedrigschwelliger Ansatz.
Inzwischen verfügen viele Organisationen über eigene PSU- oder PSNV-Strukturen auch der BBK gibt nun auch dem Mentalen weit mehr Gewichtung. Das ist eine wichtige und richtige Entwicklung. Trotzdem gibt es Situationen, in denen man bewusst nicht mit Kolleginnen oder Kollegen aus der eigenen Organisation sprechen möchte - nicht immer ist der Peer Ansprechpartner den oder die man sehen und sprechen möchte.
Manchmal fällt ein offenes Gespräch mit einer außenstehenden Fachperson einfach leichter. Genau hier setzt ECHO an.
Die Initiative bietet Einsatzkräften aus Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr und auch dem Krankenhausbereich die Möglichkeit, nach belastenden Erlebnissen zeitnah mit qualifizierten Ansprechpartnern ins Gespräch zu kommen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, eine Psychotherapie zu ersetzen. Vielmehr soll eine erste professionelle Unterstützung angeboten werden, die dabei hilft, belastende Ereignisse einzuordnen und gemeinsam zu überlegen, ob weiterer Unterstützungsbedarf besteht.
Gerade dieser Gedanke gefällt mir. Aus der PSNV wissen wir, wie wichtig es sein kann, Belastungen früh wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Nicht jede schwierige Erfahrung entwickelt sich zu einer psychischen Erkrankung. Aber jede Einsatzkraft sollte wissen, dass sie Unterstützung in Anspruch nehmen darf, wenn sie sie braucht. Wir erleben alle normale Reaktionen auf Nicht-Normale Ereignisse – jede/ jeder anders, und wieder und wieder mag es glatt laufen, aber es gibt den einen Moment, der uns herausfordert und etwas anpingt.
Bereits im Februar hatte ich hier im Blog über die traumazentrierte Fachberatung des BBK und die eigens eingerichtete telefonische Sprechzeit für Einsatzkräfte berichtet. Auch dieses Angebot verfolgt das Ziel, Einsatzkräften frühzeitig professionelle Unterstützung zu ermöglichen. Aus meiner Sicht zeigen beide Initiativen, wie wichtig es ist, psychische Belastungen nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn sie chronisch geworden sind.
Mehr als nur die Initiative ECHO
Beim Weiterlesen hatte ich den Eindruck, dass sich Blaulicht für Blaulicht e.V. nicht nur auf dieses eine Projekt beschränkt.
Der Verein möchte für Einsatzkräfte da sein, die beruflich oder privat in belastende Lebenssituationen geraten sind. Dabei versteht er sich als Anlaufstelle, hört zu, zeigt mögliche Wege auf und hilft dabei, passende professionelle Unterstützung zu finden.
Genau dieser Netzwerkgedanke gefällt mir. Niemand kann alle Probleme selbst lösen. Aber Menschen mit den richtigen Ansprechpartnern zusammenzubringen, kann oft der entscheidende erste Schritt sein.
Warum ich darüber schreibe
Mentale Gesundheit und die Psychosoziale Notfallversorgung nehmen in meinem Blog inzwischen einen immer größeren Stellenwert ein.
Ich wünsche mir, dass wir in der Blaulichtfamilie noch offener über psychische Belastungen sprechen. Dass wir akzeptieren, dass nicht jeder Einsatz spurlos an uns vorbeigeht. Und dass es genauso selbstverständlich wird, Hilfe anzunehmen, wie wir sie jeden Tag anderen Menschen anbieten.
Vor 40 Jahren wurde über solche Themen kaum gesprochen. Vieles wurde verdrängt oder einfach mit sich selbst ausgemacht. Zum Glück hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Trotzdem gibt es noch immer Hemmschwellen. Deshalb freue ich mich über jede seriöse Initiative, die dazu beiträgt, psychische Gesundheit bei Einsatzkräften sichtbarer zu machen und den Zugang zu Unterstützung zu erleichtern.
Mein erster Eindruck von ECHO und Blaulicht für Blaulicht e.V. ist jedenfalls ein sehr positiver. Ich werde die weitere Arbeit des Vereins auf jeden Fall mit Interesse verfolgen.
Weitere Informationen zum Thema PSNV
Wer sich für weitere Unterstützungsangebote für Einsatzkräfte interessiert, findet vielleicht auch meinen Artikel über die traumazentrierte Fachberatung des BBK interessant. Dort stelle ich die bundesweite telefonische Sprechzeit für Einsatzkräfte und PSNV-Kräfte vor. Traumaberatung für Einsatzkräfte: PSNV-E erhält eigene Hilfsnummer
Für alle, die neu auf meinem Blog sind – zur Einordnung
Vielleicht wundern sich manche, die heute zum ersten Mal hier lesen, warum ich über Themen wie PSNV und mentale Gesundheit schreibe. Deshalb zum Schluss noch ein paar persönliche Worte.
Dieser Blog entstand nach dem Freitod meiner Frau vor etwas mehr als fünf Jahren. Bis heute gehören Freitodbegleitung, Suizidprävention, Trauer sowie Information und Beratung für Betroffene und Angehörige zu den wichtigsten Themen, über die ich schreibe.
In den vergangenen Jahren ist jedoch ein weiterer Schwerpunkt immer stärker hinzugekommen: Mentale Gesundheit und insbesondere die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).
Das hat auch mit meinem eigenen Weg zu tun. Vor rund 40 Jahren war ich ehren- und hauptamtlich im Rettungsdienst des DRK tätig und später als Sanitätssoldat bei der Bundeswehr – unter anderem während eines dreimonatigen Einsatzes im Irak. Schon damals kam ich mit den ersten Ansätzen der Krisenintervention und Trauerbegleitung in Berührung.
Nach einer langen Pause bin ich heute wieder Teil der Blaulichtfamilie. Ich engagiere mich als First Responder in der ASB-Motorradstaffel, übernehme Sanitätsdienste und arbeite heute vor allem im Bereich PSNV. Ich bin PSNV-Peer beim DRK Karlsruhe und ASB Karlsruhe sowie Peer und PSNV-E beim DRK Mannheim.
Gerade deshalb möchte ich in diesem Blog nicht nur über Trauer, Suizidprävention und Freitodbegleitung schreiben, sondern zunehmend auch über die mentale Gesundheit von Einsatzkräften, über PSNV und über Initiativen, die unsere Blaulichtfamilie stärken.
Denn wir kümmern uns täglich um Menschen in ihren schwersten Stunden. Genauso selbstverständlich sollten wir auch auf diejenigen achten, die diese Hilfe leisten.

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