Weltweiter Fokus auf junge Psyche: 23. April – Starke Kinder. Starke Zukunft – Psychische Gesundheit beginnt im Kindesalter

Der 23. April rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das oft zu spät Aufmerksamkeit erhält: die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day wurde 2022 von internationalen Fachgesellschaften wie der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions (IACAPAP) ins Leben gerufen – mit dem klaren Anliegen, mentale Gesundheit von Anfang an als selbstverständlichen Bestandteil von Entwicklung, Teilhabe und gesellschaftlicher Verantwortung zu begreifen.

Mentale Gesundheit beginnt früh mit jedem Sein
Psychische Gesundheit beginnt von Anfang an, entwickelt sich, und wird in Kindheit und Jugend entscheidend geprägt. In diesen Lebensphasen entstehen emotionale Stabilität, soziale Kompetenzen und die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen. Viele psychische Entwicklungen und auch Erkrankungen zeigen sich erstmals bereits in jungen Jahren. Umso wichtiger ist es, früh hinzusehen und Unterstützung anzubieten. Frühzeitige Hilfe kann nicht nur akute Krisen abfedern, sondern langfristig Lebenswege positiv beeinflussen.

Der Aktionstag erinnert daran, dass Prävention wirksamer als spätere Behandlung ist. Und eine frühe Unterstützung eine Investition in die Zukunft ist.

Und es ist weit mehr als ein individuelles Thema
Mentale Gesundheit bei jungen Menschen ist nicht nur eine private Angelegenheit - ich sehe es als unsere gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, die von schnellen, sehr schnellen Veränderungen geprägt ist. Veränderungen und Entwicklungen die wir alle wahrnehmen wie die der künstlichen Intelligenz – hinzukommen Aspekte wie familiäre Belastungen, die Kinder schon früh spüren und wahrnehmen, und digitale Reizüberflutung, soziale Unsicherheiten und Leistungsdruck. Diese Faktoren wirken sich direkt auf ihr psychisches Wohlbefinden aus.
Gleichzeitig fehlt es vielfach und vielerorts noch immer an niedrigschwelligen und zeitnahen Unterstützungsangeboten. Der Aktionstag macht deshalb auch deutlich  –  Es braucht Strukturen, die junge Menschen auffangen – nicht erst in der Krise, sondern präventiv.

Heute, im April, werfe ich einen Blick auf die Realität, auf die traurige Realität.
Wie relevant das Thema ist, zeigen auch, für mich, auf sehr erschreckende Zahlen. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 10.000 Menschen durch Suizid. Bei jungen Menschen unter 25 Jahren ist Suizid sogar die häufigste Todesursache. Jährlich betrifft dies mehrere hundert Jugendliche und junge Erwachsene. Und wer würde nicht sagen, dass diese Zahlen nicht nur Statistik sind – sie verweisen auf individuelle Krisen, die oft zu spät erkannt oder nicht ausreichend begleitet wurden.
Gute Angebote und Versorgung sind entscheidend. Gerade in jungen Jahren ist der Zugang und gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit und Verfügbarkeit zu psychotherapeutischer Unterstützung sind besonders elementar. Frühzeitige Hilfe kann Krisen, Eskalationen verhindern und Leid mindern, Stabilität schaffen und Perspektiven eröffnen.
Doch genau hier zeigt sich eine Herausforderung  –  Schon heute berichten viele Betroffene von langen Wartezeiten und begrenzten Therapieplätzen. Wenn gleichzeitig wirtschaftliche Rahmenbedingungen für psychotherapeutische Arbeit unter Druck geraten – etwa durch sinkende Vergütung – wie aktuell durch die Senkung der Honorare um 4,5 % kann sich diese Situation weiter verschärfen. Beschlossen wurde diese Senkung vom Erweiterter Bewertungsausschuss. Laut mehreren Berichten ging der Druck vor allem vom GKV-Spitzenverband (also den Krankenkassen) aus, der ursprünglich sogar eine noch stärkere Kürzung (bis zu 10 %) gefordert hatte. ( zu dieser Kürzung habe ich folgenden Artikel geschrieben: Ausgerechnet bei der Hilfe für die Seele wird gespart – Kürzung bei Psychotherapeut*innen)
Es geht mir bei dieser Verknüpfung der Zahlen dabei nicht um einfache Ursache-Wirkung-Zusammenhänge aber es wird Auswirkungen haben – Auswirkungen auf viele Ebenen und auf Menschen, junge Menschen und jede/n.  Aber wenn ein wachsender Bedarf auf ein angespanntes Versorgungssystem trifft, entsteht eine problematische Kombination. Sie birgt das Risiko, dass Hilfe nicht rechtzeitig ankommt.


Der World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day ist mehr als ein symbolischer Aktionstag. Dieser Tag lenkt den Blick auf eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe:

  • Die psychische Gesundheit junger Menschen braucht ...
    • Aufmerksamkeit
      und
    • verlässliche Strukturen, 
    • ausreichende Ressourcen
    • und früh zugängliche Unterstützung.
  • Wie wir heute mit der mentalen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgehen, entscheidet darüber, wie stabil und gesund unsere Gesellschaft morgen sein wird.


Der World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day ist damit kein Tag für symbolische Worte allein, sondern ein Impuls zum Handeln.
Wenn wir wollen, dass junge Menschen gesund aufwachsen, brauchen sie mehr als Appelle – sie brauchen erreichbare Unterstützung, stabile Rahmenbedingungen und ein System, das früh reagiert, statt spät zu verwalten. Psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter zu stärken heißt, Zukunft aktiv zu gestalten.
Die Frage ist nicht, ob wir es uns leisten können zu handeln – sondern ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.



Ich schreibe zu den verschiedensten Themen die mich bewegen, und auch immer wieder zu Kindern und Jugendlichen, weil es ein Herzensthema ist und oft leider so unterschätzt. 
Ich habe eine fünfteilige Serie nach einem Femizid und der Betreuung einer Reihe an Kindern geschrieben:

Kindern helfen, eine Helfende Hand reichen um mit Traumatischen Ereignis zurechtzukommen  

Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren helfen, nach einem Traumatischen Ereignis

Kindern  nach Traumatischen Ereignissen helfen - Altersstufe von 6 bis 12 Jahren

Jungen Menschen helfen bei und nach Traumatischen Ereignissen - Altersstufe von 12 bis 18 Jahre

Trauma bei Kindern und Jugendlichen (fünfter und finaler Artikel)








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