Notfallreform: Gute Ansätze, aber ein ungutes Gefühl bleibt
Durch diese Tätigkeiten bekomme ich unmittelbar mit, wie wichtig funktionierende Strukturen, ausreichend Personal, gute Zusammenarbeit und eine verlässliche Versorgung sind. Deshalb sehe ich die Reform mit gemischten Gefühlen.
Was mich kritisch stimmt
- Mehr Aufgaben bei ohnehin knappen Ressourcen: Neue Anforderungen an Ärzte, Rettungsdienste und weitere Beteiligte lösen den bestehenden Personal- und Zeitmangel nicht automatisch.
- Mehr Bürokratie statt mehr Zeit für Menschen: Zusätzliche Dokumentations- und Meldepflichten können wertvolle Zeit kosten, die in der direkten Versorgung fehlt.
- Die Finanzierung bleibt eine zentrale Frage: Gute Konzepte bringen wenig, wenn Personal, Fahrzeuge, Ausstattung und notwendige Versorgungsangebote nicht dauerhaft ausreichend finanziert werden.
- Das Ehrenamt darf nicht als selbstverständlich betrachtet werden: Organisationen wie DRK, ASB, Johanniter (JUH) und Malteser (MHD) leisten gemeinsam mit weiteren Hilfsorganisationen einen wichtigen Beitrag zur Notfallversorgung. Ehrenamtliches Engagement ist wertvoll, darf aber nicht dazu führen, dass strukturelle Probleme dauerhaft durch zusätzliche persönliche Einsatzbereitschaft aufgefangen werden.
- Zu wenig Mitsprache der Hilfsorganisationen: Wer den Rettungsdienst und die Hilfe vor Ort praktisch mitträgt, muss bei grundlegenden Entscheidungen angemessen beteiligt werden. Das gilt für das DRK, den ASB, die JUH, den MHD und alle weiteren Organisationen, die sich in der Notfallversorgung engagieren. Ihre Erfahrungen aus dem Einsatzalltag sind unverzichtbar. Es reicht nicht, die Organisationen mit der Umsetzung neuer Vorgaben zu betrauen, wenn sie bei der Gestaltung dieser Vorgaben nur begrenzten Einfluss haben. Wer Verantwortung übernehmen soll, muss auch bei den Entscheidungen mitreden können. Das gilt besonders für die Perspektive der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die die praktischen Auswirkungen neuer Regelungen unmittelbar erleben.
- Psychische Belastungen werden leicht unterschätzt: Im Rettungsdienst geht es nicht nur um körperliche Verletzungen und medizinische Maßnahmen. Betroffene, Angehörige, Einsatzkräfte und Augenzeugen benötigen manchmal auch psychosoziale Unterstützung. Wenn gleichzeitig die psychotherapeutische Versorgung finanziell unter Druck gerät, macht mir das Sorgen.
Was ich positiv sehe / erhoffe
- Bessere Zusammenarbeit: Eine engere Vernetzung von Rettungsdienst, Kliniken und ärztlichem Bereitschaftsdienst kann helfen, Patienten schneller an die richtige Stelle zu bringen. Ob es klappt we will see.
- Gezieltere Versorgung: Eine gute Ersteinschätzung kann unnötige Wege und Wartezeiten reduzieren und dazu beitragen, dass knappe Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Ob es klappt we will see.
- Die Chance, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln: Wenn die Erfahrungen der Menschen aus der Praxis ernst genommen werden und die Hilfsorganisationen frühzeitig mitwirken können, kann eine Reform tatsächlich Verbesserungen bewirken. Ich wünschte ich könnte auch hier 'we will see' schreiben. da hier sehe ich eher düster.
Mein persönliches Fazit
Durch mein ehrenamtliches Engagement beim DRK und ASB, meine Tätigkeit als First Responder in der Motorradstaffel und meine Arbeit in der PSNV sehe ich, wie wichtig es ist, dass Hilfe im entscheidenden Moment funktioniert. Hinter jeder Statistik stehen Menschen, die Hilfe benötigen, Angehörige, die mit einer Ausnahmesituation umgehen müssen, und Einsatzkräfte, die Verantwortung übernehmen.
Deshalb wünsche ich mir eine Reform, die nicht nur neue Strukturen und Vorgaben schafft, sondern auch die Menschen stärkt, die dieses System tagtäglich tragen – hauptberuflich wie ehrenamtlich.
Für mich gehört dazu ausdrücklich, dass alle beteiligten Hilfsorganisationen angemessen an den Entscheidungen beteiligt werden. Es darf nicht allein darum gehen, wer neue Vorgaben beschließt, sondern auch darum, wer sie später umsetzen muss. Die Erfahrungen aus dem Einsatzalltag sollten nicht nur angehört, sondern bei der Gestaltung der Versorgung ernsthaft berücksichtigt werden. Dabei darf es keine Rolle spielen, ob eine Einsatzkraft für das DRK, den ASB, die JUH, den MHD oder eine andere Organisation tätig ist.
In Verbindung mit den diskutierten beziehungsweise angekündigten finanziellen Einschränkungen in der Psychotherapie bleibt bei mir ein ungutes Gefühl zurück. Medizinische Notfallversorgung, psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung lassen sich nicht vollständig voneinander trennen. Wer die Versorgung verbessern möchte, muss alle diese Bereiche mitdenken.
Mein Eindruck ist deshalb: Die Reform bietet Chancen, aber gute Absichten allein reichen nicht. Es braucht ausreichend finanzierte Strukturen, genügend Personal, weniger unnötige Bürokratie und eine echte Mitsprache der Hilfsorganisationen. Sonst besteht die Gefahr, dass neue Erwartungen entstehen, ohne dass die Voraussetzungen für eine gute Versorgung tatsächlich geschaffen werden.
Denn für mich steht eines im Mittelpunkt: Hilfe muss bei den Menschen ankommen, wenn sie gebraucht wird – unabhängig davon, ob sie körperlich oder psychisch in einer Notlage sind und unabhängig davon, welche Organisation die Hilfe leistet.

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