Fünf Jahre nach der Flut: Bevölkerungsschutz beginnt lange vor der Katastrophe

Wenn ich heute an die Flutkatastrophe im Juli 2021 denke, denke ich nicht zuerst an Bilder aus den Nachrichten. Ich denke an die Erft. Ich bin in Grevenbroich geboren und aufgewachsen. Die Erft gehört zu meiner Heimat. Auch wenn meine Heimatstadt selbst nicht zu den am stärksten betroffenen Orten gehörte, hat mich die Katastrophe an der Erft tief bewegt.

Unstrittig ist, dass die Katastrophe  an der Ahr in jedem Fall jeden bewegt hat. Sie hat uns allen vor Augen geführt, wie schnell sich vermeintliche Sicherheit verändern kann.

Vor allem aber hat sie gezeigt, was es zum Schutz der Bevölkerung wirklich braucht und ja es sind auch Fahrzeuge, Einrichtungen, Material und Equipment und auch Gebäude - aber in jedem Fall und für jeden Fall braucht es Menschen.
Während der Flut waren es Zehntausende Helferinnen und Helfer, die über Tage und Wochen im Einsatz standen. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst, DLRG und viele weitere Organisationen arbeiteten Seite an Seite. Hinzu kamen unzählige freiwillige Helferinnen und Helfer aus der Bevölkerung.

Alle haben Enormes geleistet. Viele nahmen Urlaub. Viele arbeiteten bis an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Belastbarkeit. Viele kehrten nach stundenlangen Einsätzen nach Hause zurück und gingen am nächsten Morgen wieder ihrer regulären Arbeit nach. Dieses Engagement verdient bis heute unseren größten Respekt. Dies betone da ich wieder und wieder von vielen so einigen Politiker generalisierte Äußerungen höre dass 'wir' zu wenig uns engagieren und zu sehr auf work-life-balance schauen würden.

Haben wir aus dieser Katastrophe wirklich die richtigen Konsequenzen gezogen?
Diese Frage 
sollten wir fünf Jahre später uns und Personen in Veranwortung ehrliche fragen. Und dabei endlich die Fakten erkennen und anerkennen was ebenso einige Politiker und 'alternative Parteien'  ganz offenkundig nicht tun.


In meinen vergangenen Artikeln habe ich beschrieben, wie die außergewöhnlichen Einsatzlagen während der Hitzewelle 2026 erneut deutlich gemacht haben, wie sehr unser Gesundheitswesen und unser Bevölkerungsschutz auf das Ehrenamt angewiesen sind. Die aktuellen Erfahrungen bestätigen vieles von dem, was bereits 2021 sichtbar geworden ist.

Damals war es das Hochwasser. Aktuell sind es Hitzewellen. Morgen können es Waldbrände sein die Spanien und Frankreich und weitere Regionen überbeanspruchen, Starkregen oder andere Folgen des Klimawandels sein. Die Art der Krise verändert sich. Wer sie bewältigen muss, bleiben dieselben - Menschen - ehrenamtliche Kräfte und Hauptamtliche - und immer ist zu beachten und zu bedenken im Fall eines Falles wer wir nicht ehrenamtlich bei einer Einsatzeinheit, weil dieser Mensch in seinem Hauptjob gebunden ist, als Arzt/Ärztin, Pflegekraft oder oder.
Deshalb reicht es nicht aus, erst dann Unterstützung zu organisieren, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist. Bevölkerungsschutz beginnt lange vorher.
Er beginnt mit guter Ausbildung. Mit regelmäßigen Übungen. Mit moderner Ausstattung.
UND mit einer verlässlichen Finanzierung der Hilfsorganisationen.
UND er beginnt damit, dass Ehrenamtliche ohne Nachteile an Ausbildungen, Fortbildungen und Einsätzen teilnehmen können.
Genau deshalb halte ich eine echte Helfergleichstellung für notwendig.

Es geht ausdrücklich nicht darum, Feuerwehr oder THW etwas wegzunehmen.
Im Gegenteil: Die bestehenden Regelungen zeigen, wie wichtig der Gesetzgeber den Bevölkerungsschutz nimmt. Aus meiner Sicht sollten vergleichbare Rahmenbedingungen auch für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen gelten.
Denn im Einsatz fragt niemand, welches Abzeichen jemand auf der Jacke trägt. Entscheidend ist allein, dass Hilfe kommt. Freistellungen für Einsätze und Ausbildungen sind deshalb keine Vergünstigung.
Sie sind eine Investition in die Sicherheit unserer Gesellschaft.

Ebenso selbstverständlich sollte sein, dass Ausbildung, persönliche Schutzausrüstung und notwendige Ausstattung so finanziert werden, dass Ehrenamtliche nicht zusätzlich ihre privaten Mittel einsetzen müssen.
Wer möchte, wer erwartet, dass Menschen Verantwortung übernehmen, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, dies dauerhaft zu tun. Die Flutkatastrophe im Ahrtal und an der Erft war eine der schwersten Naturkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sie hat uns nicht nur die Kraft der Natur gezeigt.

Sie hat uns, so denke ich, so hoffe ich, auch gezeigt, welche Stärke in unserem Ehrenamt steckt. Man mag mich trotz meines Alters als naiv bezeichnen, und tut es auch, ich lebe damit - da ich es eher als Zuversicht ansehe und mein Vertrauen an die Guten Absichten der meisten Menschen, mir nicht nehmen lasse.
Aber diese Stärke dürfen wir nicht als selbstverständlich betrachten.

Die Hitzewellen dieses Sommers führen uns erneut vor Augen, dass außergewöhnliche Einsatzlagen längst keine Ausnahme mehr sind. Darüber habe ich bereits in meinen Artikeln „Wenn das Helfen an seine Grenzen kommt“, auch in „Wer Bevölkerungsschutz ernst meint, muss in Menschen investieren“  und  „Hitze ist mehr als Wetter – was wir von Europas Hitzeschutz lernen können“ geschrieben. Die Herausforderungen verändern sich – die notwendige Antwort bleibt jedoch dieselbe: Wir müssen die Menschen stärken, die unsere Gesellschaft in Krisen tragen.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, nicht erst über die nächste Katastrophe zu sprechen. Sondern darüber, wie wir diejenigen unterstützen, die kommen werden, wenn sie eintritt. Denn Bevölkerungsschutz beginnt nicht erst mit dem Einsatzbefehl.
Er beginnt meiner Ansicht dort, wo wir den Menschen, die Verantwortung übernehmen, dieselbe Verlässlichkeit entgegenbringen, die sie unserer Gesellschaft Tag für Tag schenken.



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