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Suizidprävention darf Selbstbestimmung nicht aus dem Blick verlieren

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Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Suizidprävention von Ende Juni 2026 verfolgt zunächst ein Ziel, das kaum jemand grundsätzlich infrage stellen dürfte: Menschen in psychischen Krisen sollen besser erreicht, Hilfsangebote ausgebaut und miteinander vernetzt und Unterstützung leichter zugänglich werden. Das ist richtig und wichtig. Trotzdem habe ich bei diesem Gesetzentwurf ein erhebliches Unbehagen. Denn Suizidprävention darf nicht bedeuten, jeden Wunsch zu sterben – unabhängig von seinen Ursachen und seiner Entstehung – grundsätzlich als zu verhindernden Suizid zu betrachten. Genau diese Differenzierung vermisse ich. Zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Suizidprävention Suizid ist nicht gleich Freitod   Ich verwende die Begriffe bewusst nicht synonym. Wenn ich von  Suizid  spreche, meine ich insbesondere eine Selbsttötung, die im Zusammenhang mit einer akuten psychischen Krise, Verzweiflung, fehlender Perspektiv...

Fachliche Empfehlungen zur Suizidprävention: ein wichtiges Papier, das gehört werden sollte

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Über LinkedIn bin ich auf die „Fachlichen Empfehlungen für eine Verbesserung der Suizidprävention in Deutschland“ aufmerksam geworden, durch Ute Lewitzka , Expertin für Suizidologie und Suizidprävention sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Ich habe das Papier mit großem Interesse gelesen – und vor allem mit großer Wertschätzung für die Arbeit der beteiligten Fachleute. Denn dieses Empfehlungspapier macht wieder einmal so deutlich: Suizidprävention ist keine Randaufgabe, kein kurzfristiges Projekt und auch keine rein medizinische Frage. Suizidprävention ist eine gesamtgesellschaftliche, gesundheitspolitische und strukturelle Daueraufgabe. Hinter jedem Suizid stehen nicht nur Zahlen, sondern Menschenleben – und ein großes Umfeld aus Angehörigen, Freund*innen, Kolleg*innen und Helfenden, das häufig langfristig mitbetroffen ist. Das Papier benennt acht zentrale Baustellen, wenn ich mich nicht vertue, sehr klar: Es fordert unter anderem eine bundesweit koordinierte und ...

Lauterbach stellt Strategie zu Suizidprävention vor

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Der Bundestag hatte im Juli 2023 mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass die Bundesregierung bis Ende Januar 2024 ein Konzept zur Vorbeugung und bis Ende Juni 2024 auch ein Suizidprävention Gesetz vorlegen soll - Siehe auch " Sterbehilfe-Gesetze durchgefallen " vom 6.Juli letzten Jahres. Im vergangenen Juli stimmten 688 Abgeordnete des Bundestages für einen Ausbau der Suizidprävention in Deutschland. Sie forderten, dass die Bundesregierung bis Ende Januar diesen Jahres eine Strategie vorlegen müsse, wie die hohe Zahl an Selbsttötungen vermindert werden kann. (Siehe Artikel zur Suizidprävention ) Den ersten Schritt dazu macht Lauterbach nun, wenn auch mit 3 Monaten Verspätung. Wie nötig das wäre, zeigen die aktuellen Statistiken: 2022 nahmen sich bundesweit 10.119 Menschen das Leben. Dies entspricht einem Anstieg um 9,8 Prozent oder 904 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Erstmals seit acht Jahren liegt die Zahl wieder über 10.000; zudem ist der prozentuale Anstieg binnen ein...

Freitod + Sterbehilfe vs Suizid + Prävention

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Ich möchte, in diesem Artikel, ein angemessenes Bewusstsein für die Viel­schichtigkeit von Suizidalität und dem Wunsch nach einem Freitod schaffen - die Voraussetzungen freiverantwortlicher Sterbeentscheidungen prä­zisieren und die unterschiedlich gelagerten Verantwortungen verschiedener Beteiligter und Helfer bis hin zu Ärzten im Kontext von Freitodwünschen + Freitodentscheidungen und Suizid­gedanken + Suizidprävention aufzeigen. In der Argumentation und in den parlamentarischen Debatten um ein Sterbehilfegesetz versucht eine fraktionsübergreifenden Gruppen­antrag um Dr. Lars Castellucci, Ansgar Heveling, Dr. Kirsten Kappert Gonther, Petra Pau, und weiteren ihren Gesetzentwurf als  eine Stärkung der Suizidprävention zu verkaufen - nach dem Slogan "Ermöglichen aber nicht fördern" - auch dieser Versuch scheitert auf allen Ebenen. Wie von Experten, Juristen und mir, mehrfach dargelegt, ist es dieser Gruppe nicht gelungen einen Gesetzentwurf der unserem Grundgesetz konform ist, ...

September: Hinschauen, zuhören, ansprechen – bevor aus dunklen Gedanken eine Krise wird

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Der September steht vielerorts im Zeichen der Suizidprävention und der psychischen Gesundheit . Ein besonderer Ankerpunkt ist dabei der Welttag der Suizidprävention am 10. September . Das internationale Motto für 2024 bis 2026 lautet „Changing the Narrative on Suicide“ – die Wahrnehmung über Suizid verändern,  den Umgang mit Suizid, die Art, wie wir über Suizid sprechen, verändern. Dazu gehört vor allem eines meiner Ansicht nach: darüber sprechen und miteinander sprechen. Und genau darum geht es für mich in diesem Monat. Ich schreibe seit vielen Jahren über Freitod, Freitodbegleitung, Selbstbestimmung und das Recht eines Menschen, über sein eigenes Lebensende nachzudenken. Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig: Suizidprävention darf nie bedeuten, einen freiverantwortlichen und über lange Zeit wohlüberlegten Freitod zu blockieren, zu erschweren oder grundsätzlich verhindern zu wollen. Wenn ich in meinem Blog von einem Freitod spreche, meine ich eine dauerhafte, infor...

Suizidprävention beginnt nicht erst in der Krise - Warum wir niedrigschwellige Angebote brauchen

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Vor Kurzem wurde ich gefragt, wie ich mir niedrigschwellige Angebote in der Suizidprävention vorstelle. Die Frage hat mich dazu gebracht, einen Artikel fertigzustellen, der schon länger auf meiner Festplatte lag, oft angefangen aber nie beendet wurde. Durch meine Tätigkeit im Bereich Mental Health First Aid (MHFA) und in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) erlebe ich immer wieder, wie sichtbar psychische Krisen werden können, oft wenn sie bereits eskaliert sind. In meinem Blog beschäftige ich mich mit mentaler Gesundheit von A bis Z – aber meist eher von D bis S von Depression bis Sterbehilfe und Suizid. Dabei möchte ich auch über jene Themen sprechen, bei denen uns die richtigen Worte besonders schwerfallen. Depression. Angst. Einsamkeit. Überforderung. Trauma. Psychische Krisen. Und irgendwann auch: Suizidgedanken, Suizidalität und Suizid. Und über meine Gruppen- und Einzelgespräche zum Freitod und Sterbehilfe erhöht sich die Zahl der die zu diesen nicht wohlerwogenen Sterb...

Erste Professorin für Suizidologie und Suizidprävention in Deutschland

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Prof. Dr. Ute Lewitzka, die erste Professorin für Suizidologie und Suizidprävention in Deutschland, wird ab dem 1. November 2024 an der Goethe-Universität Frankfurt tätig sein.  Eines ihrer Ziele ist laut Mitteilung der Uni die systematische Erfassung und Auswertung von Suiziden und Suizidversuchen, um erfolgreiche Präventionsmethoden abzuleiten. Perspektivisch soll in Frankfurt ein Deutsches Zentrum für Suizidprävention entstehen. Suizide und Suizidversuche systematisch zu erfassen und auszuwerten, um wirksame Präventionsansätze zu entwickeln.  Prof. Dr. Ute Lewitzka ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention und bringt über 25 Jahre Erfahrung in diesem Bereich mit. Prof. Dr. Ute Lewitzka sieht die Professur als Chance, das Fachgebiet Suizidologie weiter zu entstigmatisieren und effektive Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Ziel ist der Aufbau eines Deutschen Zentrums für Suizidprävention in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, um Forschung, Be...

In Würde gehen – Niki Glattauer – selbstbestimmtes Sterben und die Debatte um Freitod

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Der Tod des österreichischen Autors, Lehrers und Publizisten  Niki Glattauer  hat in unserem Nachbarland eine wichtige und zugleich sensible Debatte neu entfacht: Wie sprechen wir über das Lebensende – und was bedeutet ein selbstbestimmter Abschied? Glattauer, in Österreich eine prominente Stimme im Bildungsdiskurs und Bruder des bekannten Schriftstellers  Daniel Glattauer  ( "Gut gegen Nordwind" ), ist kürzlich seinem schweren Krebsleiden erlegen. Doch nicht einfach so. Er hat seinen Tod bewusst vorbereitet – begleitet, geplant, offen. In Interviews sprach er offen darüber, dass er sich für einen Freitod durch  assistiertes Sterben  entschieden hatte – mit einem konkreten Datum. Damit wollte er nicht nur für sich selbst einen gangbaren Weg finden, sondern auch ein Zeichen setzen: für Offenheit, Enttabuisierung und Menschlichkeit im Umgang mit einem Thema, das oft verschwiegen oder moralisch aufgeladen wird. Zwischen Suizidprävention und Selbstbestimmung Au...

Konzept - Sprechen über Freitod und Sterbehilfe

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Beim Sprechen über Gedanken zum Lebensende, den Überlegungen eines Freitod und der Hilfe zu einem guten Ableben und über eine assistierte Sterbehilfe im Sinne einer freien, selbstbestimmten Entscheidung und eines frei und autonom gebildeten Willens ist es schwer, für jeden schwer seine Gedanken, Überlegungen, zu Emotionen finden zu ordnen und damit auch mit und gegen die eigenen Werte, Moralvorstellungen und ethischen Maßstäbe in Balance zu bringen. Das Gespräch zu suchen ist schwer , überaus schwer, Hilfe anzufragen ist schwerer und als Helfender Hilfe anzubieten und womöglich, wenn man dern Wunsch verstehen und unterstützen kann, auch zu geben ist das schwerste. Unabhängig davon gilt, für die Gesellschaft, in meinem Verständnis, dass der freigebildete, wohlerwogene Wille eines Menschen, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen und dafür die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen, unbedingt zu akzeptieren ist. Mein Konzept wie man zum Sprechen über Freitod und auch Sterbehilfe kommt Der erst...

Wenn Psychotherapie zum Luxus wird – warum die geplanten Kürzungen uns alle betreffen

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Erst vor wenigen Tagen habe ich darüber geschrieben, dass psychische Erkrankungen längst zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit gehören. ( Die stille Krise unserer Zeit? ) Die Daten zeigen seit Jahren einen steigenden Bedarf an Unterstützung, Therapie und Prävention. Gleichzeitig sprechen Menschen heute offener über ihre psychischen Belastungen und suchen häufiger professionelle Hilfe. Ausgerechnet die psychotherapeutische Versorgung könnte in den kommenden Jahren erheblich eingeschränkt werden. Ich musste die Nachrichten und  Bericht der letzten Zeit mehrmals lesen und auch das Kleingedruckte, was ja so oft im Leben entscheidend ist. Ich fragt mich, in welcher Gesellschaft wollen wir leben? Und JA mir sind die finanziellen Herausforderungen unseres Gesundheitssystems recht klar und ich unterschätze diese nicht. Während wir einerseits immer deutlicher erkennen, welche Bedeutung psychische Gesundheit für unsere Gesellschaft hat, diskutieren wir andererseits d...